Der 200-Millionen-Euro-Tunnel

Von: Marlon Gego
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Verpackung aus Glas, Beton und jeder Menge Technik: 200 Millionen Euro hat der Lärmschutztunnel auf der A1 bei Köln-Lövenich bislang gekostet. Der ADAC glaubt, ein ähnlicher Lärmschutzeffekt wäre für 80 Prozent weniger zu haben gewesen. Foto: stock/Manngold

Köln. In Köln hat es schon länger keine größeren öffentlichen Bauaufträge mehr gegeben, die Zufriedenheit und Lebensqualität in der Stadt gesteigert hätten. Mal ließen sich Rat und Stadtverwaltung von windigen Fondsbetreibern in haarsträubende Bauprojekte verwickeln, mal wurde der Ausbau des U-Bahnnetzes von atemberaubenden Kostensteigerungen bis hin zu tödlichen Katastrophen begleitet.

Bezahlt hat am Ende immer der Steuerzahler, der nebenbei auch den umstrittenen neuen Lärmschutztunnel auf der A1 zwischen Kreuz Köln-West und Köln-Lövenich zu finanzieren hatte. 200 Millionen Euro hat der 1550 Meter lange Tunnel bislang gekostet, damit 2000 bis 3000 Menschen in Autobahnnähe besser schlafen können. Zwar kann der Tunnel seit gut einem Jahr befahren werden, fertig ist er aber immer noch nicht.

Im Tunnel gab es in den vergangenen Monaten immer wieder kleinere oder größere Störungen, Sperrungen und/oder Staus waren die Folge. Vergangene Woche nun teilte der Landesbetrieb Straßenbau mit, der Tunnel sei diese Woche von Montag bis Freitag jeweils zwischen 21 und 5 Uhr geschlossen. am Montag wurde die Koordination der Verkehrsleitzentrale in Leverkusen mit der Tunnelleitzen­trale in Duisburg geübt, ab heute finden in vier aufeinanderfolgenden Nächten Vorbereitungen für die endgültige Bauabnahme im Februar statt. Dafür, dass schon mehr als sechs Jahre gebaut wird, gibt es noch erstaunlich viele Baustellen.

Der ADAC bezeichnet den Tunnel daher als „goldenen Wasserhahn unter Deutschlands Tunneln“, also als ein dekadentes Bauwerk, wie ein Sprecher am Montag gegenüber unserer Zeitung erklärte. Auch der Bund der Steuerzahler hat begonnen, die Frage zu klären, ob die relative Nachtruhe der höchstens 3000 betroffenen Anwohner unbedingt hätte 200 Millionen Euro kosten müssen. Der ADAC meint jedenfalls: nein.

Nach einer internen Berechnung hätten mehr als 80 Prozent der Kosten eingespart werden können, wenn das Bundesverkehrsministerium sich 1993 nicht dazu entschlossen hätte, den Tunnel zu planen. Denn der ADAC glaubt, dass fast derselbe Lärmschutz, den jetzt der Tunnel leistet, auch für knapp 38 Millionen Euro zu haben gewesen wäre. Flüsterasphalt, Lärmschutzwände, Tempolimit – zumal auch im Tunnel die Geschwindigkeit im Moment auf 60 Kilometer pro Stunde begrenzt ist und mittelfristig lediglich auf 80 km/h angehoben werden soll.

Christoph Jansen, Projektleiter für den Landesbetrieb Straßenbau, sagt, dass die vielen Tunnelunglücke in den 90er Jahren eine Menge zu den am Ende immensen Gesamtkosten des Tunnels beigetragen hätten. Jedenfalls insofern, als die Sicherheitsbestimmung seither zugenommen hätten. Als das Projekt beschlossen worden sei, habe man dies kaum vorhersehen können, sagt Jansen. Darüber hinaus habe das Bundesverkehrsministerium den Bau des Lärmschutztunnels gemeinsam mit einem ähnlichen Tunnel auf der A3 nahe Aschaffenburg von vorneherein als Pilotprojekt begriffen. Die Bewertung des Kosten-/Nutzenverhältnisses werde allerdings erst in einigen Jahren vorgenommen, teilte das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage mit.

Der ADAC wundert sich trotz allem darüber, dass Alternativen zum Tunnel nie ernsthaft in Erwägung gezogen und geprüft worden seien. Zwar habe die Entwicklung des Flüsterasphalts zu Beginn der 90er Jahre noch am Anfang gestanden. „Aber Baubeginn war ja erst 2007“, sagt der ADAC-Sprecher. Eine Umplanung im Sinne des Steuerzahlers sei möglich gewesen.

In Köln wird der teure Tunnel mittlerweile so fatalistisch hingenommen wie viele andere öffentliche Baustellen auch, deren Kosten im Laufe der Jahre ausgeufert sind. „Wir können in Köln nichts – außer Karneval“, schreibt ein User auf einer Medien-Plattform im Internet.

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