Demonstrationen in Linnich: Viel Gebrüll, aber keine einzige Straftat

Von: Guido Jansen
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Massives Polizeiaufgebot: Zwischen der Demonstration und der Gegendemonstration hat die Polizei am Sonntag in Linnich eine Sperrzone eingerichtet. Foto: Jansen
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Mit rund 200 Teilnehmern und von vielen Polizisten begleitet marschierte die Demonstration gegen die Notunterkunft für eine halbe Stunde durch Linnich. Foto: Jansen
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Raus mit dem braunen Schmutz: Viele Teilnehmer der Gegendemonstration waren symbolisch als Reinigungskräfte angerückt. Foto: Jansen
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Für ein buntes Linnich: Unter diesem Motto ließen die Teilnehmer der Gegendemonstration Luftballons steigen. Foto: Klarmann
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Im Mittelpunkt der Demonstrationen steht die Notunterkunft für Flüchtlinge in einer ehemaligen Polizeikaserne in Linnich. Foto: Jansen

Linnich. In fast allen Dingen der Weltanschauung und der politischen Gesinnung sind Karl Panitz und der Mann, der sich in der Öffentlichkeit nur Ricky nennt, so kompatibel wie Feuer und Wasser. Ricky, der seinen Namen nicht nennen will, der Redaktion jedoch bekannt ist, ist der Organisator der Demonstration gegen die Flüchtlings-Notunterkunft, die am Sonntag durch Linnich marschierte, mit bis zu 200 Teilnehmern.

Panitz vom Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt hat die Gegendemonstration angemeldet. Rund 1500 Menschen haben sich dem Aufruf angeschlossen, für ein buntes Linnich einzustehen. In einem Aspekt ihres Fazits stimmten Ricky und Panitz überein. „Es ist friedlich geblieben. Das ist gut.“

Dafür sorgte unter anderem auch ein massives Polizeiaufgebot. Wie viele Polizisten in Uniform, Schutzuniform und in zivil in Linnich unterwegs waren, dazu machte die Pressestelle der Kreispolizeibehörde keine Angaben. Nur so viel: Es gab keine Straftat. Das lag auch daran, dass die Organisatoren beider Veranstaltungen die Teilnehmer immer wieder dazu aufgefordert hatten, friedlich zu bleiben.

Und es lag am massiven Polizeiaufgebot, das sich zusammenzog, als die Demonstration gegen die Notunterkunft an ihren Gegendemonstranten vorbeizog. In diesem Moment wurde es laut, Menschen brüllten, das Potenzial für Probleme war da. Denn aufseiten der selbst ernannten „Bürger stehen auf“ befanden sich etliche einschlägig bekannte Angehörige der regionalen rechtsextremen Szene.

Die Gegendemonstration setzte sich größtenteils aus Linnichern und Menschen aus der Region zusammen. Ein kleiner Teil, der gegen das Vermummungsverbot verstieß, dürfte jedoch der linksautonomen Szene zuzuordnen gewesen sein. Allerdings war das Polizeiaufgebot zu groß und ließ ein unmittelbares Aufeinandertreffen nicht zu.

Auch optisch ließ der Gesamteindruck, den die Demonstration gegen die Notunterkunft in Linnich hinterließ, nur einen Rückschluss zu: Die Teilnehmer kamen aus dem rechten bis rechtsextremen Milieu. Rasierte Schädel, kräftige Nacken, dunkle Jacken und schwarze Handschuhe in den Hosentaschen. Die Redner auf ihren Kundgebungen waren Michael Diendorf von Pegida NRW, Dominik Roeseler (Pro NRW) und der rechte Szene-Anwalt Björn Clemens.

Letzterer bezichtige Kanzlerin Angela Merkel aufgrund ihrer Flüchtlingspolitik des Hochverrats. „Merkel muss weg“, skandierten die Teilnehmer immer wieder, auch, als sie durch Linnich marschierten. Doch nicht als Redner aufgetreten war Christian Remberg, der Erkelenzer NPD-Politiker, der jedoch zum Organisationsteam in Linnich gehörte.

Angesichts der deutlich größeren Zahl an Gegendemonstranten fand Diendorf seine eigene Interpretation. „Wir sind die Mehrheit. Und wir werden immer mehr“, sagte er trotz der eindeutig anders ausgefallenen Abstimmung mit den Füßen. Und dann kündigten die Demonstranten aus dem rechtsextremen Spektrum an, weiterzumachen. „Wir kommen wieder, in Jülich, Düren oder Erkelenz“, rief der Mann mit dem Pseudonym Ricky ins Mikrofon.

Marion Schunck-Zenker, die neue Linnicher Bürgermeisterin, und Sonja Bischoff vom Linnicher Initiativkreis Asyl zogen ein anderes Fazit. „Ich bin begeistert, dass so viele Linnicher gezeigt haben, dass sie sich nicht instrumentalisieren lassen. Das ist eine gute Basis, um die Herausforderungen zu meistern, die auf uns zukommen“, sagte Schunck-Zenker.

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