Demenz: Familien ohne ein Versorgungsnetz verloren

Von: Claudia Dechamps
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Aachen. In zehn Jahren werden allein in Aachen etwa 62.300 Menschen älter als 65 Jahre sein und zwischen 2500 und 3000 von ihnen werden an Demenz leiden. Bundesweit rechnet man 2050 mit 2,6 Millionen Demenz-Erkrankten.

Die Themen „Pflege” und „Demenz” werden zu einer großen Herausforderung für jede regionale Gesundheitsversorgung werden, mit der sich die Innovations-Allianz der NRW-Hochschulen an der Katholischen Hochschule (Katho) in Aachen auseinandersetzte.

In absehbarer Zeit sei fast jede Familie von Pflege und Demenz oder sogar beidem betroffen, mahnte Günther Schabram, Sozialdezernent der Städteregion Aachen. Rund 80 Prozent der Demenzkranken werden in der häuslichen Umgebung versorgt. Schabram begrüßte daher das vor zwei Jahren in Aachen als Modellprojekt ins Leben gerufene Demenz-Netz, eine Versorgung in Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft Aachener Hausärzte und des Alexianer Krankenhauses.

In diesem Versorgungsnetz betreuen drei Fallmanagerinnen etwa 250 Familien, die einen dementen Angehörigen zu Hause pflegen. „Das System hat sich in der Praxis bewährt”, betonte Andreas Theilig vom Alexianer Krankenhaus. Er wies auch daraufhin, dass es bundesweit zahlreiche ähnliche Projekte gebe, die es alle aber bisher nicht bis zur Finanzierung über die Regelversorgung geschafft haben.

„Komplexeste Probleme”

Hausarzt Günter Gossen bestätigte aus seiner praktischen Erfahrung die dringend notwendige Unterstützung durch Versorgungsnetze und betreuende Fallmanager: „Demenzpatienten bringen die komplexesten Probleme mit sich, weil sie gerade in der Anfangsphase nicht kooperieren, und in der Regel die Angehörigen wegen der Überbelastung ebenfalls krank werden.” Gossen wünschte sich verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um dem Thema das Tabu zu nehmen und Angehörige auf die existierenden Hilfs- und Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen.

Die Katho hat die Arbeit des Demenz-Netzes Aachen beurteilt. Professorin Liane Schirra-Weirich beschrieb drei Szenarien, auf die demnach reagiert werden müsse: „Wir haben die alten, allein lebende Menschen, mit und ohne Demenz. Wir haben alte, demente Menschen, die mit ihrem ebenfalls alten Partner zusammenleben und eine besondere Herausforderung an die Versorgungsstruktur darstellen. Und wir haben ein Szenario, das künftig seltener wird: Demente mit jüngeren Angehörigen und deren Gefahr der Überlastung.” In allen Fällen habe sich nach ihren Untersuchungen der Einsatz eines Fallmanagers als hilfreich und entlastend erwiesen.
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