Dem Talsperrenbau geht der Nachwuchs aus

Von: Sarah Sillius
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Die Urfttalsperre im Nationalpark Eifel. Foto: Stollenwerk

Aachen. In Deutschland sind alle Talsperren fertig gebaut und saniert. Das heißt aber nicht, dass es nichts mehr zu tun gibt. Experten aus dem In- und Ausland treffen sich deswegen noch bis Freitag beim Talsperrensymposium in Aachen.

„Früher”, sagt Jürgen Köngeter, ehemaliger Institutsleiter vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der RWTH Aachen, „sollten Talsperren vor allem technisch und wirtschaftlich auf dem neuesten Stand sein.” Heute komme das ökologische Kriterium hinzu. Köngeter findet, dass man sich des umweltfreundlichen Nutzens der Talsperre verstärkt bewusst werden sollte.

Die Wasserkraft gerate als eine der entscheidenden regenerativen Energien oft in Vergessenheit - vermutlich, weil sie längst fest etabliert sei. Vor allem Pumpspeicherwerke, „eigentlich nichts anderes als große Batterien für Energie”, würden in Deutschland künftig eine Renaissance erleben, prophezeit Köngeter. In der Region aber wohl kaum. Es seien vorerst keine ensprechenden Projekte geplant, sagt der Experte.

„Viele Menschen haben sich an die Talsperren und ihre Funktionen gewöhnt. Sie glauben, da könne nichts passieren.” Ein Irrglaube, sagt Köngeter, denn bei Hochwasser können Talsperren natürlich überlaufen. Deshalb sei es wichtig, dass die Sicherheitsstandards der Talsperren immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden. Im Fall eines Hochwassers entsteht zudem ein Zielkonflikt: „Die Öffentlichkeit erwartet, dass die Talsperrenbetreiber das Wasser aufnehmen. Die können es dann aber nicht mehr als Trinkwasser verkaufen.” Eins der vielen Probleme, für die die Tagung eine Lösung sucht.

Sorgen macht sich Köngeter um den Nachwuchs der Bauingenieure. Dadurch, dass die Talsperren hierzulande fertiggestellt sind, würden Fachkräfte nicht mehr für die Planung und den Bau, sondern nur noch für die Kontrolle benötigt. Warum sollte man also noch Bauingenieur für Talsperren werden wollen? „Es werden viele Arbeitskräfte im Ausland gebraucht - junge Leute, die bereit sind, in Afrika oder Südostasien Talsperren aufzubauen.”

Von dem Symposium erhofft sich Köngeter also nicht nur einen regen Austausch unter Fachkollegen. Er hofft auch, dass unter den Teilnehmern die Motivation wächst, junge Leute für Auslandseinsätze zu begeistern: „Vor allem in Gebieten mit Regen- und Trockenzeit werden Talsperren gebraucht, hier boomt der Sektor.”

Talsperren in Region

In Deutschland gibt es insgesamt 300 Talsperren - vornehmlich in den Mittelgebirgen.

In der Region sind es sechs: die Dreilägerbachtalsperre, die Wehebachtalsperre, die Rurtalsperre Schwammenauel, die Oleftalsperre, die Kall- und die Urfttalsperre.

Hinzu kommen die sogenannten Staubecken in Obermaubach, Untermaubach und Heimbach.

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