Dem Täter auch nach 20 Jahren noch auf der Spur

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
Klaus Thevis vom Aachener Krim
Klaus Thevis vom Aachener Kriminalkommissariat ermittelt mit seinen Kollegen immer wieder auch bei ungeklärten Mordfällen.

Düren. Etwas mehr als ein Jahr ist es her, als in Düren ein Juwelierehepaar brutal überfallen und ausgeraubt wurden. Es ist eines von drei Kapitalverbrechen, das Klaus Thevis und seine Kollegen auf seiner Liste mit ungeklärten Fällen stehen haben. Thevis ist Leiter des zuständigen Kriminalkommissariats 11 bei der Polizei in Aachen.

Das mit der Liste stimmt so natürlich nicht ganz. Es ist eine imaginäre Liste und der Raubüberfall auf das damals 73 und 74 Jahre alte Ehepaar hat auch deshalb nichts auf der Liste zu suchen, weil der Fall nicht ad acta gelegt wurde, sondern nach wie vor ermittelt wird. Wenn auch die Ermittlungen sich schwierig gestalten.

Thevis: „Leider haben sich aus der Bevölkerung bislang nur 16 Hinweise ergeben.” Dass jetzt, ein Jahr später, neue Hinweise hinzukommen könnten, ist eher unwahrscheinlich. Keine der Spuren hat die Kriminalbeamten den Tätern bisher konkret näher gebracht. Im Vordergrund steht deshalb derzeit der Abgleich mit ähnlich gelagerten Fällen, sowohl bundesweit als auch im Ausland.

„Natürlich suchen wir auch gezielt nach den gestohlenen Schmuckstücken”, so Thevis weiter. Das ist allerdings nicht ganz unproblematisch. Thevis: „Kurz nach dem Raubüberfall hat die Redaktion der Sendung Aktenzeichen XY ungelöst uns gefragt, ob man kurzfristig helfen könne. Das mussten wir damals ablehnen.”

Das Problem der Ermittler: Auf der einen Seite ist die Spurenlage dünn, auf der anderen Seite kann Thevis nicht zu viel Täterwissen preisgeben. Dafür hat der Erste Kriminalhauptkommissar ein Beispiel parat. Im Zuge der Fahndung nach den Tätern hatte die Staatsanwaltschaft Bilder von gestohlenen, hochwertigen Uhren veröffentlicht. Uhren, wie man sie allerdings auch bei anderen guten Juwelieren hätte erstehen können.

Fotos von Schmuck-Unikaten wurden jedoch gezielt zurückgehalten. Thevis: „Ansonsten wäre die Gefahr groß, dass diese Schmuckstücke sofort eingeschmolzen werden.” Und damit Hinweise auf die Täter vernichtet würden.

Es gibt speziell bei diesem Fall aber noch einen ganz anderen Aspekt, der die Kriminalbeamten immer wieder beschäftigt. Thevis: „Die persönliche Situation der Opfer ist nach wie vor ganz, ganz schrecklich. Die Kollegen, die den Fall bearbeiten, suchen den Kontakt, auch wenn das sehr schwer ist. Man geht bei solchen Fällen aber nicht einfach so zur Tagesordnung über.”

Thevis weiß, wovon er spricht. Er hat mit seinen Kollegen im Jahr 2003 den Fall des getöteten Geschwisterpaares Tom und Sonja in Eschweiler bearbeitet und aufgeklärt. „Das steckt einem lange in den Knochen”, sagt Thevis mit festem Blick - und beschreibt anschließend eine ganz andere Situation. „Als Anfang des Jahres der Leiter der Sonderkommission Mirko im Radio bekannt gab, dass der Täter gefasst ist, saß ich gerade im Auto. Ich konnte in dem Moment nicht weiterfahren, weil ich wusste, was die Kollegen da mitgemacht haben.”

Vielleicht ist das mit ein Grund, warum die Kriminalbeamten alte Fälle immer wieder neu aufrollen - um sie auch für sich selbst zu einem Ende zu bringen. Klaus Thevis drückt das etwas pragmatischer aus. „Wir arbeiten immer wieder an ungeklärten Fällen, vor allem vor dem Hintergrund stets neuer Kriminaltechniken.” Ein weiterer Grund: Mord verjährt nie. Anders ist es bei einem Totschlag. „Das spielt aber bei unseren Ermittlungen überhaupt keine Rolle, weil es ja letztlich eine Frage des Motivs ist”, so Thevis.

Einer dieser ungeklärten Fälle, der Dank neuer Kriminaltechniken geklärt werden konnte, war der Mord an einem 61 Jahre alten Mann aus Nörvenich im Dezember 1989. Fast genau 20 Jahre später konnten die Ermittler die zur Tatzeit 15 und 20 Jahre alten Täter ermitteln - Dank eines DNA-Speicheltests.

Thevis: „So eine Reihenuntersuchung durchzuführen und erst mal alle Personen von damals ausfindig zu machen, die dafür in Frage kommen, ist unglaublich zeitaufwändig.” Wie das Ergebnis belegt aber auch erfolgreich.

Ein Erfolg, der in zwei weiteren Fällen noch aussteht: Im Februar 2006 wurde die 77 Jahre alte Ehefrau eines Dürener Möbelhänders in ihrem Haus nach einem Überfall tot aufgefunden. Die Täter konnten nie gefasst werden. Drei Jahre später wird im November 2009 die Leiche eines 41-jährigen Irakers in seiner Dürener Wohnung aufgefunden.

Auch hier kommen die Ermittler nur mühsam weiter. Zwar hat es einen ähnlich gelagerten Fall im Kölner Raum gegeben, bei dem der Täter verhaftet werden konnte, der Mord in Düren konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Thevis: „Wir stehen bei diesem Fall sehr intensiv mit den Kölner Kollegen in Verbindung.”
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