Freizeittipps

Dem Feinstaub im Internet auf der Spur

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
6950822.jpg
Belasteter Qualm: Industrieabgase produzieren nach wie vor große Mengen von Feinstaub.

Aachen. Man riecht ihn nicht, man schmeckt ihn nicht und sehen kann man ihn auch nicht. Gefährlich für die Gesundheit ist er trotzdem: der Feinstaub. Die Feinstaubkonzentration der Luft wird in der Region durch Messstationen ständig überwacht.

Auch in Belgien und den Niederlanden stehen solche Stationen. Kurios ist allerdings, dass eine deutsche Messstation zu einem anderen Ergebnis kommen kann, als eine niederländische oder belgische. Das liegt an verschiedenen Methoden, die in den einzelnen Ländern zum Messen verwendet werden, und unterschiedlichen Modellen zur weiteren Datenverarbeitung. „Alle Modelle enden an der jeweiligen Ländergrenze“, sagt Christoph Schneider vom Geographischen Institut der RWTH.

In Deutschland wird die Feinstaubbelastung von Flächen mit Hilfe aktueller Daten aus der Meteorologie ermittelt, in Belgien wiederum wird nicht mit solchen Wetterdaten gearbeitet, sondern mit feststehenden Annahmen wie zum Beispiel der Windrichtung. Länderübergreifend konnte bisher Feinstaubbelastung abseits der Messstationen gar nicht verglichen werden.

Jetzt ist das anders. Das europaweit erste Feinstaubinformationssystem „PMLab“ ist ab sofort im Internet abrufbar. Für das System werden die Daten von über 40 Messstationen in der Region ausgewertet. Zusammengebracht werden sie in einem geostatistischen Modell, also einem, das zum Beispiel auf Landnutzung und Emissionsquellen beruht und auch das Wetter miteinbezieht.

Drei Jahre lang haben Wissenschaftler und Mitarbeiter von der RWTH Aachen, der Universität Hasselt, der Provinz Limburg und vom ISSeP (Institut scientifique de service publique) Lüttich an dem System gearbeitet. 2,4 Millionen Euro hat das EU-gestützte Projekt gekostet.

Herausgekommen ist ein Internetportal, das neben interessierten Bürgern auch Umwelt- und Bauplanern eine Menge nützen kann. Bürger können sich informieren, Straßenplaner können beim Bau neuer Trassen darauf achten, dass sie nicht durch ohnehin schon belastete Areale führen.

Auf einer Fläche zwischen Hasselt, Venlo, Erkelenz, Euskirchen und Sankt Vith ist im Internet auf einer Karte die Belastung mit dem gefährlichen Staub tagesaktuell zu sehen – minimal mit einer Gitterauflösung von einem mal einem Kilometer genau. „Das System dient nicht dazu zu sagen, ob die Belastung in einer Straße einer Stadt größer ist als in einer anderen“, erklärt Christoph Schneider. „Es geht um regionale Vergleiche, also zum Beispiel, wie die Belastung in Aachen im Gegensatz zu Monschau ist.“

Ist alles in Ordnung, ist die Karte grün, wird die Belastung zu hoch, sind rote Bereiche zu sehen. Im Winter ist Feinstaubbelastung tendenziell höher als im Sommer, denn es wird viel geheizt. Wenig Wind und viel Verkehr erhöhen die Belastung.

„Außerdem fördert unsere Website die Umweltbildung“, sagt Christoph Schneider. Durch die Beschäftigung mit dem Thema mache man auch auf die Problematik aufmerksam. Denn das Einatmen der möglicherweise giftigen Stoffe in der Luft schädigt die Lunge. Woher der Feinstaub kommen kann, ist auf der Internetseite mit ein paar Klicks schnell zu sehen: Man kann sich beispielsweise die Standorte der großen Luftverschmutzer wie der Kohlekraftwerke oder der Tagebaue aufrufen. Außerdem kann man sehen, wo gerade besonders viel geheizt und damit auch Feinstaub ausgestoßen wird, oder wo Emissionen von der Landwirtschaft erzeugt werden.

Ebenfalls nachzuverfolgen ist, welchen Weg ein Luftteilchen in den letzten 48 Stunden durch die Euregio genommen hat und von woher es eigentlich kommt – also vom Atlantik oder aus Richtung Osteuropa. Feinstaubelastung in der Region wird beispielsweise höher, wenn der Wind von Osten und damit auch von den Tagebauen kommt. Kommt der Wind vom Atlantik, ist sie niedriger.

Grenzüberschreitend Feinstaub zu messen, sei sinnvoll, sagt Christoph Schneider, denn so können Städte wie zum Beispiel Herzogenrath und Kerkrade gemeinsam gegen Feinstaub vorgehen und Luftreinhaltepläne entwickeln. Wie die Belastung in der Region um die beiden Städte aussieht, können sie mit der Internetkarte auswerten. Auch die Feinstaubbelastung an der A4 kann grenzüberschreitend ausgewertet und vielleicht vermieden werden, indem man Verkehr umleitet oder reguliert.

Christoph Schneider denkt sogar noch weiter in die Zukunft: Er kann sich gut vorstellen, das Internettool um eine „Feinstaubvorhersage“ zu ergänzen – ähnlich dem Biowetter mit Drei-Tages-Prognose. „Die Leute könnten so sehen, wie sich die Feinstaubbelastung in ihrer Gegend die nächsten Tage entwickelt“, erklärt Schneider. So könne man selbst ganz bewusst etwas für die Umwelt tun und beispielsweise an einem Tag, an dem hohe Feinstaubbelastung prognostiziert wird, mit dem Fahrrad fahren und so Emissionen vermeiden.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert