Dem Atom-Lobbyisten wächst eine lange Lügennase

Von: Christian Rein
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Ihr Schlachtruf ist „Stop Tihange!“: Der Aachener Anti-Atomkraft-Aktivist Jörg Schellenberg (Mitte) führt mit seinem belgischen Mitstreiter Leo Tubbax (links mit roter Mütze) und dem Niederländer Gert-Jan Krabbendam (4. von rechts) die Demonstration gegen das Kernkraftwerk in der Nähe von Lüttich an. Foto: Christian Rein

Tihange. Rund 2000 Menschen, darunter mehrere hundert aus der Region Aachen, haben am Sonntag im belgischen Tihange nahe Lüttich die Abschaltung des dortigen Kernkraftwerks gefordert. Die Demonstration, zu der Aktivisten aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland aufgerufen hatten, war Teil der weltweiten Proteste gegen Kernenergie anlässlich des Jahrestages der Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima, die sich am montag vor zwei Jahren ereignete.

„Fukushima ist überall“, stand etwa auf den Plakaten in Tihange. Ein als Tod verkleideter Demons­trant führte den Protestzug an; seine Sense zierte der Schriftzug des Kraftwerks-Betreibers Electrabel. Den – aus Sicht der Demons­tranten – gespielten ironischen Witz gab es gleich dazu: Begleitet wurde der Tod von einer als Kernkraft-Lobbyist Monsieur Pi ­Nocchio auftretenden Aktivistin, die – mitsamt langer Lügennase – immer wieder behauptete, dass die Kernenergie eine wunderbare Sache und der Meiler in Tihange selbstverständlich sicher sei.

Der Block 2 des Kraftwerks in Tihange und der Block 3 der Schwester-Anlage in Doel bei Antwerpen sind seit dem vergangenen Sommer abgeschaltet, nachdem Tausende kleine Risse in den Druckbehältern entdeckt worden waren. Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC prüft derzeit, ob die Meiler wieder angefahren werden können. Probleme gibt es aber auch mit Block 1 des Meilers in Tihange. Dort gibt es ein Leck in einem Abklingbecken, aus dem radioaktive Flüssigkeit austritt.

Der Aachener Anti-Atomkraft-Aktivist Jörg Schellenberg griff Electrabel und FANC bei der Abschlusskundgebung direkt vor dem Kernkraftwerk scharf an. Einerseits behaupteten diese, die derzeit abgeschalteten Reaktoren seien sicher, andererseits werde die Vorgabe gemacht, die Reaktoren nicht mit voller Leistung zu fahren, um ein Risiko auszuschließen. „Die Wahrheit ist: Ein Anfahren der Reaktoren wäre schlicht unverantwortlich“, sagte Schellenberg. Er hielt FANC-Chef Jan Bens seine jahrzehntelange Tätigkeit für Electrabel vor, weshalb die FANC nur eine Pseudo-Aufsicht wahrnehme. „Jan Bens, treten Sie zurück“, rief Schellenberg. „Beenden Sie Ihr Spiel, Sie sind aufgeflogen.“

Auch in Deutschland demons- trierten am Wochenende Tausen- de gegen Kernenergie. Ein Schwerpunkt waren Proteste gegen das Kraftwerk im niedersächsischen Grohnde an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Dort und in mehreren umliegenden Städten inszenierten 20 000 Menschen, was geschieht, wenn nach einem Störfall die Bewohner in Sicherheit gebracht werden müssten. Vor der Urananreicherungsanlage im münsterländischen Gronau demonstrierten 700 Menschen.

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