Das Ziel: Ein Wettlauf im Wolkenkratzer

Von: Jessica Küppers
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Hartes Training für den Treppenlauf in voller Ausrüstung über 30 Stockwerke in Washington: Marc Hammers aus Stolberg (links) und Roland Jungen aus Herzogenrath sind zwei der Teilnehmer aus der Region. Foto: Küppers
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Hat schon mehrfach am Kräftemessen der Feuerwehrleute aus aller Welt teilgenomenn. René Serf aus Herzogenrath. Foto: Jessica Küppers

Herzogenrath. Wer zum ersten Mal mit einer Atemschutzmaske wie sie Feuerwehrmänner bei ihren Einsätzen tragen atmet, hat das Gefühl zu ersticken. Es ist ein beengendes, beklemmendes Gefühl. Nicht genügend Luft zum Atmen zu bekommen, löst bei den meisten Menschen Panik aus.

Als normale Reaktion saugen sie hektisch die Luft ein und japsen gierig nach Sauerstoff.

„Da ist ein kleiner Widerstand“, sagt Feuerwehrmann Roland Jungen. Langjährige Feuerwehrmänner wie er kennen das Gefühl aus zahlreichen Übungen und Einsätzen mit der Atemschutzmaske. Sie haben mit den Jahren gelernt, damit umzugehen und ruhig weiterzuatmen.

„Das muss man zuerst im Kopf überwinden“, sagt er. Mit mehreren Kilogramm Ballast am Körper und unter sportlicher Belastung durch dieses Gerät zu atmen, ist aber selbst für gestandene Feuerwehrmänner eine echte Herausforderung.

420 Stufen in voller Ausrüstung

Dieser schwierigen Aufgabe stellen sich fünf Feuerwehrmänner aus Stolberg, Aachen und Herzogenrath bei den World-Police-and-Firegames „Fairfax“ in Washington. In voller Ausrüstung wollen sie 420 Stufen eines Wolkenkratzers hochlaufen. Während des Treppenlaufes tragen die Männer ihren Helm, Stiefel, Jacke, Hose, Atemschutzmaske und Sauerstoffflaschen auf dem Rücken.

Allein die Stiefel wiegen zusammen drei Kilogramm. Insgesamt kommen sie so auf ein Zusatz-Gewicht von 16 Kilogramm. Schon ohne zusätzliches Gewicht ist der Treppenlauf eine sportliche Höchstleistung.

Für den Lauf trainiert der Feuerwehrmann aus Herzogenrath gemeinsam mit fünf Kollegen schon seit einigen Monaten an der Freilufttreppe in Landgraaf. Darunter ist auch René Serf. Er hat schon mehrmals an den Fairfax, einer Art olympischen Spiele für Feuerwehrmänner und Polizisten, teilgenommen und die fünfköpfige Feuerwehr-Gruppe zusammengetrommelt.

Er wirkt sportlich und durchtrainiert, als er im Trainingsanzug die Freilufttreppe in Landgraaf hochläuft. Im Jogging-Tempo nimmt er leichtfüßig eine Stufe nach anderen. Die endlos aussehende Treppe scheint ihn nicht besonders zu beeindrucken. Erst nach etwa der Hälfte der insgesamt 507 Stufen, beginnt er schwerer zu atmen. Ohne Zweifel, der 38-Jährige ist ein geübter Läufer. In maximal dreieinhalb Minuten will er die Stufen des Wolkenkratzers schaffen.

Damit er und die anderen Feuerwehrmänner bis zum Treppenlauf am 26. Juni fit sind, trainieren sie in kleinen Gruppen mehrmals pro Woche. Sie laufen abwechselnd mit und ohne Belastung – also mit und ohne Ausrüstung – in unterschiedlichen Geschwindigkeiten die Treppe rauf und runter. Pro Trainingstag ungefähr fünf bis acht Mal. Nach Karneval haben sie mit diesem intensiven Training begonnen.

Wie sie nehmen circa 14.000 Polizisten und Feuerwehrmänner aus 71 Ländern an den Spielen teil. Sie treten in unterschiedlichen Disziplinen an. Eine davon ist der „Stairs-Race“, zu deutsch: Treppenlauf, an dem auch René Serf und seine Kollegen teilnehmen werden. Der Lauf soll die Erinnerung an die Anschläge des 11. Septembers wach halten. „Wir denken daran, dass Feuerwehr-Kollegen zum Teil 80 Stockwerke hochgegangen sind, um Menschen zu retten.“ Er mache das auch ein Stück weit, um seine Kollegen zu ehren, sagt er.

Nach vier Trainingsläufen tauscht der jüngste Teilnehmer, der 26-jährige Marc Hammers aus Stolberg, als Erster seine Sportsachen gegen die schwere Berufskleidung. Zuerst schlüpft er in die Hose. Während er seine Stiefel schnürt und die Jacke schließt, trägt Serf den Lungenapparat herbei. Die Atemschutzmaske lassen sie dieses Mal noch weg.

Bis der Helm richtig sitzt und die Sauerstoffflaschen angeschnallt sind, vergehen einige Minuten. Schweiß bricht auf seiner Stirn aus. Die Atmung hat sich noch nicht vollständig normalisiert. Offensichtlich sind die vorherigen Auf- und Abstiege nicht spurlos an dem jungen Mann vorbeigegangen. Doch sie sind kein Vergleich zu dem Anstieg, den er samt Ausrüstung vor sich hat.

Keine Zeit für Durchhänger

Wie hart man manchmal kämpfen muss, um die letzte Stufe zu erreichen, weiß auch René Serf nach den Läufen in den Jahren 2011 und 2013. Das spornt ihn an, auch dieses Mal wieder alles zu geben: „Meine persönliche Motivation sind die zwei vergangenen Wettkämpfe und dazu kommt noch das starke Team im Rücken.“ Auch seine Familie wird in Washington dabei sein und ihn anfeuern.

„Ich weiß, dass oben meine Kinder auf den Papa warten. Das ist Ansporn genug“, sagt er. Wie ist es ist, oben anzukommen, hat er noch gut in Erinnerung: „Man ist absolut am Ende, aber auch froh, dass man es gepackt hat.“ Und dann habe man sich auch das ein oder andere Bier verdient, scherzt er.

Um mit seinen Jungs am Ende auf einen Erfolg anstoßen zu können, trainieren sie hart. Für Durchhänger ist keine Zeit: „Manchmal ist die Couch näher als die Freilufttreppe, aber dann tritt mir meine Frau in den Hintern und sagt, dass ich die Beine in die Hand nehmen soll“, sagt Serf und wechselt die Turnschuhe gegen die schweren Feuerwehrstiefel, um trotz müder Beine noch ein Mal die Stufen in Landgraaf hinaufzulaufen.

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