Das Unkraut wuchert in vielen Städten

Von: Madeleine Gullert
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Wie Kraut und Rüben: In Aachen kommt man wie in vielen anderen Städten bei der Unkrautentfernung nicht hinterher. Schuld ist der feuchte Sommer – und die Tatsache, dass viele Kommunen auf Herbizide verzichten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Löwenzahn, Disteln und Gräser wachsen dank des nassen und zugleich warmen Sommers besonders gut. Das bedeutet viel Arbeit für Gärtner, aber auch für die zuständigen Betriebe in den Kommunen. Mancherorts sprießt das Unkraut.

Das sei zwar nicht schön, aber auch nicht gefährlich, sagt Harald Beckers, Sprecher der Stadt Aachen. „Wir kommen im Moment nicht nach“, gibt er zu. Schuld ist die Witterung. Üblicherweise trockne die Sonne die Gräser aus – in diesem feuchten Sommer aber nicht.

Manch ein Grünflächenexperte spricht von 30 Prozent mehr Aufwand. Nun wird in vielen nordrhein-westfälischen Kommunen eifrig gezupft. In Aachen wie auch in Bonn oder Iserlohn wird das Unkraut nur mechanisch entfernt.

Grund: Die Unkrautvernichtung mit dem Wirkstoff Glyphosat ist in diesem Jahr nicht mehr erlaubt. Hintergrund ist ein Erlass des NRW-Umweltministeriums, der eine striktere Prüfung vorschreibt: Solange keine abschließende Einschätzung über das mögliche gesundheitliche Risikopotenzial von Glyphosat besteht, soll es aus Vorsorgegründen keine Genehmigungen für die Anwendung im städtischen Bereich geben, also auf Wegen, Plätzen oder Gleisanlagen. „Damit ist NRW Vorreiter“, heißt es aus dem Düsseldorfer Umweltministerium.

Verboten ist das Mittel offiziell aber nicht: Es wurde vonseiten der EU genehmigt. Landwirte dürfen Glyphosat wie bisher nutzen. „Wenn es ordentlich angewendet wird, dürfte es nicht im Wasser landen“, sagt Tomas Brückmann, Experte beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Da Glyphosat ein Wasserschadstoff ist, würde es auf versiegelten Flächen aber im Grundwasser versickern und es schädigen.

Düren nutzt weiter Herbizide

Der BUND begrüßt den Vorstoß des NRW-Umweltministeriums. Es sensibilisiere für das Thema Glyphosat. Der Erlass sei nur politischer Wille, sagt hingegen Anton Dissemond von der Landwirtschaftskammer in Bonn. Sie erteilt Sondergenehmigungen an Kommunen für andere Herbizide, wenn ihr Einsatz auf öffentlichen Wegen und Straßen der Verkehrssicherheit dient.

In den Genehmigungen heißt es dann aber ausdrücklich: Benutzen Sie kein Glyphosat. Für den Experten kommt das aber beinahe auf das Gleiche hinaus. „Ob man nun Glyphosat oder beispielsweise Pelargonsäure nutzt, da besteht kaum Unterschied“, sagt Dissemond.

Es komme ohnehin immer auf eine vernünftige Anwendung an – ganz gleich bei welchem Mittel. Genau diese richtige Anwendung ist laut BUND aber häufig ein Problem. Im Ackerbau oder in Christbaum-Kulturen wird Glyphosat weiterhin großflächig genutzt.

Wenn einige Kommunen wie eben Aachen aus politischen Gründen komplett auf Herbizide verzichten wollen, müsse man sich darüber im Klaren sein, dass die Straßenämter personell besser ausgestattet werden müssten, sagt Dissemond. „Das kostet dann Geld.“ Inzwischen gibt es bundesweit aber einige Kommunen, die sich selbst das Etikett „pestizidfreie Kommune“ geben, etwa Bielefeld.

Dass die Kommunen die Mehrkosten nicht schultern können, kritisiert Roland Schäfer, der Präsident des Städte- und Gemeindebundes. „Früher hatten wir Ein-Euro-Jobs oder ABM-Kräfte, die solche Arbeiten gemacht haben.“

In Düren hat die Politik sich anders entschieden. Dort hat man von der Landwirtschaftskammer eine Sondergenehmigung für Pelargonsäure erhalten. Zuvor habe die Stadt eine Erlaubnis für Glyphosat gehabt, sagt Sarah Fuchs, Leiterin Grünflächenunterhaltung des Dürener Service-Betriebs. „Auf dem Pflaster flämmen wir das Unkraut weg.“

In Iserlohn denkt man derweil über den Kauf eines Gerätes nach, das dem Unkraut mit 97 Grad heißem Wasser den Garaus macht. „Wir haben einen Test gefahren. Das Ergebnis sieht ganz gut aus“, sagt Betriebsleiter Hartmut Sonderhüsken. Es sei zunächst vor allem Handarbeit und Fantasie gefragt.

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