Königswinter - Das „Ungetüm” vom Drachenfels muss weichen

Das „Ungetüm” vom Drachenfels muss weichen

Von: Christoph Driessen, dpa
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Blick über das Gebäude des Restaurants auf dem Drachenfels bei Königswinter: Der Bau aus den 1970er Jahren wird abgerissen und muss einem besser in die Landschaft eingepassten neuen Komplex weichen. Foto: dpa

Königswinter. Der Drachenfels bei Bonn gilt als meistbestiegener Berg Europas. Vom Gipfel der Rheinromantik verkam er allerdings zum Kaffeefahrten-Ziel. Nun wird ein Neuanfang versucht: Das Ungetüm vom Drachenfels, ein Betonklotz aus den 70er Jahren, wird abgerissen.

Das Ungetüm vom Drachenfels wird zur Strecke gebracht: Am Dienstag begann der Abriss des monströsen Beton- Restaurants, das sich seit den 70er Jahren um den Felsen wand. Es wird durch einen weit weniger auffälligen Glaskubus ersetzt. So soll das angestaubte Ausflugsziel wieder an Attraktivität gewinnen. Andreas Pätz von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Königswinter sagt: „Königswinter soll seine Patina verlieren, den Charme der 70er Jahre abstreifen.”

Um den Drachenfels ranken sich Sagen und Legenden. Eine davon ist, dass er jedes Jahr von drei Millionen Menschen besucht wird. Das wurde jahrzehntelang so behauptet, bis mal jemand nachgezählt hat. „Es sind so um die 400.000”, sagt Oliver Bremm, Geschäftsführer der Tourismus Siebengebirge GmbH.

Ins Reich der Fabel gehört auch, dass der Drachenfels der „Hausberg von Holland” sei. 90 Prozent der Besucher sind Deutsche, und von den vergleichsweise wenigen Ausländern kommen die meisten aus Belgien.

Nun sind 400.000 Besucher immer noch beachtlich für einen Berg, der gerade einmal 321 Meter hoch ist. Aber das ist vielleicht Teil seines Erfolgsgeheimnisses: Den Drachenfels schafft jeder, zur Not nimmt man die Zahnradbahn. Außerdem ist er eines der ältesten Ausflugsziele Europas.

Seit der englische Dichter Lord Byron zu Beginn des 19. Jahrhunderts den „castled crag of Drachenfels” besungen hatte, fuhren jedes Tausende von Engländern den Rhein hinauf nach Königswinter, um dort den Gipfel der Rheinromantik mit eigenen Augen zu sehen. Hundert Jahre später waren es die Tagesgäste aus dem Ruhrgebiet, die bereits angesäuselt am Drachenfels anlegten, um ihn nach wenigen Stunden völlig abgefüllt wieder zu verlassen.

Diese Art von Tourismus soll Vergangenheit sein. „Wir setzen auf Qualität”, sagt Wirtschaftsförderer Pätz. Schloss Drachenburg, das „Neuschwanstein vom Rhein”, wurde bereits für 30 Millionen Euro restauriert, nun werden noch einmal gute acht Millionen in den Drachenfels gesteckt. Anschließend wird der Berg zwar immer noch nicht hip sein, aber für Familien und Rentner aus Nordrhein-Westfalen vielleicht doch ein Ort, den man irgendwann mal besucht haben muss.
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