Das Phänomen Zeit: „Ticken wir richtig?”

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Zeit Museum
Ein Blick in die Ausstellung: Im Neanderthal-Museum können sich die Besucher mit dem Phänomen Zeit beschäftigen. Foto: Neanderthal-Museum

Mettmann. Den einen vergeht die Zeit zu langsam, den anderen zu schnell. Wir versuchen, Zeit zu schinden und haben Angst, Zeit zu verlieren. „Ticken wir eigentlich noch richtig?”, fragt eine vielseitige Ausstellung im Neanderthal Museum.

Ein Volk im Andamanen-Urwald braucht weder Kalender noch Uhr - es erkennt die Zeit am jeweils stärksten Duft der Pflanzen. Während in Europa Schlange stehen als vergeudete Zeit gilt, schätzt man in China auch Momente, in denen „nichts” passiert. Von Pünktlichkeit hält man in Bolivien nichts - bei Einladungen sollte man sich immer ein bis zwei Stunden verspäten.

Zeit ist relativ, das zeigen diese Beispiele. Dem Phänomen der messbaren und gefühlten Zeit geht eine humorvolle und äußerst lehrreiche Ausstellung im Neanderthal Museum im nordrhein-westfälischen Mettmann nach. „Von Zeit zu Zeit - Ticken wir richtig?” ist der Titel der interaktiven Schau, die in der Schweiz entwickelt wurde und die von Samstag bis zum 25. September zu sehen ist.

„Was also ist die Zeit?”, fragte schon Augustinus im vierten Jahrhundert. Ist die Zeit ein Naturelement, eine Konstruktion des Menschen oder eine Notwendigkeit? Fest steht, dass der Mensch schon seit tausenden von Jahren die Zeit möglichst genau zu messen versucht. Für viele Kulturen war der Mond die erste natürliche Uhr, aber vor etwa 4000 Jahren wandten sich die Ägypter nachweislich der Sonne zu.

Die Zeit wurde mit Sonnenuhren am Tag oder Sternuhren nachts gemessen. Sanduhren zeigten den Mönchen in Klöstern ihre Gebetszeiten, den Verteidigern vor Gericht die erlaubte Länge eines Plädoyers, den Seeleuten die Geschwindigkeit eines Schiffes. Und den Kindern des 21. Jahrhunderts zeigt die Sanduhr die Dauer des Zähneputzens. Das Uhrenmuseum Wuppertal hat interessante Uhren als Illustration zu der Ausstellung beigesteuert, zum Beispiel eine Uhr in einem holzgeschnitzten Schädel aus dem Jahr 1720. Um zu erfahren, wie spät es ist, musste man einen Knopf in der Hirnschale drücken.

Da der Tod am Ende jedes Lebens steht, beschäftigt uns umso stärker die Frage, wie lang das Leben ist. Eine Bienenkönigin kann fünf Jahre alt werden, eine Arbeiterin im Bienenvolk lebt nur wenige Wochen. Die roten Blutkörperchen im Menschen leben 120 Tage, in dieser Zeit legt jedes von ihnen 480 Kilometer in den Blutbahnen zurück und durchquert das Herz 170.000 Mal. 20 Minuten lebt eine Bakterie, rund vier Jahre eine Meise, unsere Sonne hat eine Lebensdauer von acht Milliarden Jahren.

Damit sich die Welt auch nicht eine Sekunde verspätet, messen wir die Zeit heute mit Atomuhren, die die Zeit nach dem Schwingungszyklus von Cäsium-Atomen berechnen. Die derzeit besten Atomuhren würden erst nach 30 Millionen Jahren um eine Sekunde falsch gehen.

Was aber gab es vor der Zeit? Nach der Urknall-Theorie ereignete sich vor etwa 14 Milliarden Jahren eine gewaltige Explosion, aus der das Weltall entstand. In diesem Augenblick begann alles - auch die Zeit. Das vermuten jedenfalls die Wissenschaftler. Das Kernforschungszentrum CERN bei Genf versucht die Bedingungen zum Zeitpunkt Null nachzuahmen - die Teilchenbeschleuniger dort sind sozusagen eine riesige Zeitmaschine.

Wäre ewige Jugend nicht schön, um dem Zahn der Zeit ein Schnippchen zu schlagen? Das könnte gehen! Einsteins Relativitätstheorie hilft dabei: Demnach vergeht die Zeit bei Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit langsamer. Ein Raumfahrer, der seinen Zwillingsbruder auf der Erde zurücklässt, würde diesen bei seiner Rückkehr als älteren Bruder wiederfinden.
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