Maastricht - Das neue alte Filmhaus an der Maas

Das neue alte Filmhaus an der Maas

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:
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Publikumsmagnet an der Maas: Im neuen Maastrichter Stadtviertel Bassin wurde in historischem Ambiente das Kino „Lumière“ untergebracht. Auch eine Kneipe und ein Restaurant sind hier nun zu Hause. Foto: Philip Driessen

Maastricht. Nach den Wochen des „Grand Opening Festivals“ ist das aufsehenerregende neue Filmhaus Lumière in seinem neuen Zuhause und im Normalbetrieb angekommen. 8500 Besucher erlebten in den restaurierten historischen Gemäuern Avant-Premieren und Filmkonzerte.

Zum Start lief der deutsche Film des Jahres, der auch in Aachen gedrehte „Toni Erdmann“ mit der aus Maastricht stammenden Darstellerin Hadewych Minis als Star des Abends. Einen weiteren Blick über die Grenzen erlaubte an zwei Tagen der komplette 15-stündige „Heimat – Eine deutsche Chronik“ von Edgar Reitz.

Schicke Schäbigkeit

Das aufregendste Kino der Region ist nun das neue Lumière in Maastricht. Nach langer Planung und zwei Jahren kompletter Restaurierung eines historischen Kesselhauses entstand für über acht Millionen Euro ein einmaliger Komplex mit dem Charme verfallener Industrie und allem, was ein modernes Kino braucht.

Es war von Anfang an ein Filmmärchen: Das Maastrichter Lumière, echtes und florierendes Programmkino, bekam ohne Not von der Stadt das Angebot eines neuen Hauses. Größer, besser, schöner. Der Hintergrund ist die gewaltige Rekultivierung des ehemaligen Sphinx-Geländes im Norden des Zentrums. Bevor demnächst Büros und Wohnungen auf der Brache der Porzellanfabrik verkauft werden, sollten Film- und Musikkultur die städtebauliche Leere beleben. Was man sich insgesamt über 20 Millionen Euro kosten lässt.

Zwischendurch kürzte eine rechts-liberale Regierung den Kulturhaushalt brutal, doch Lumière-Leiter David Deprez gab auch an diesem Tiefpunkt nicht auf. Nach etwas mehr als 13 Jahren im alten Gebäude und 40 Jahren seit der Gründung des „Filmhuis Lumière“, ist nun das neue Lumière mit 300 Quadratmeter Restaurant, Bar, zukünftiger 80-Quadratmeter-Terrasse und nicht zuletzt mit sechs modernen Kinosälen für 500 Zuschauer ein Publikumsmagnet an der Maas.

Nicht nur im Kino gibt es viel zu sehen: Der Blick vom Café aufs Hafenbecken am Maas-Ausläufer „Bassin“, auf Haus- und Ausflugsboote ist einmalig. Im historischen Kesselhaus haben die Ausstatterinnen Dorine de Vos und Rosie Stapel den riesigen Raum mit einer schicken Mischung aus Maastrichter Gemütlichkeit, Schäbigkeit und Großstadtatmosphäre belebt. Filmzitate, Kleinkram aus dem Antiquitätenladen, Mobiliar mit verspielter Vielfalt.

An den Wänden erinnern reihenweise Teller und Schüsseln an die Geschichte des ehemaligen Bewohners, der Porzellan- und Sanitärfabrik Sphinx. Kronleuchter reiben sich an rostigen Rohren. In der Bar eine Etage tiefer zeigt das Klinkergewölbe Spuren der riesigen Turbinen, die Jahrzehnte die Fabrik mit Strom versorgt haben. „Wir sind bei der Einrichtung mit sehr viel Fingerspitzengefühl rangegangen, es ist uns sehr wichtig, dass sich die Leute wohlfühlen“, sagt David Deprez.

8,5 Millionen Euro kostete die komplette Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes, das vor Baubeginn noch eine Ruine war. Die gesamte Stahlstützkonstruktion wurde ausgebaut und in Valkenburg aufgemöbelt. Die Hälfte der Kosten, also die komplette Innenausstattung, trug das Lumière, den Rest die Stadt Maastricht. Der Restaurantbetrieb läuft in einer ungewöhnlichen Rechtskonstruktion als Stiftung mit dem Zweck, durch Gewinne das Kino zu unterstützen.

Multiplex gleich gegenüber

Nun spürt ein ganzes Viertel die Energie des Ortes: Täglich ab 11 Uhr geöffnet, die Filme laufen ab 13.30 Uhr, schon das Restaurant im restaurierten Gebäude ist Anziehungspunkt genug. Dass gleich gegenüber die Multiplexkino-Kette Pathé ihren Neubau schon seit einigen Wochen betreibt, stört David Deprez nicht. Im Gegenteil, er ist froh, dass er weiterhin Filme weiterreichen kann, die den Ansprüchen des Lumière-Publikums ohnehin nicht genügen würden.

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