Heinsberg - Das lange Warten auf den „Cityzug“ der Heinsberger Narren

Das lange Warten auf den „Cityzug“ der Heinsberger Narren

Von: Anna Petra Thomas
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Endlich ist es am kommenden Sonntag wieder so weit: Der Cityzug Heinsberg zeigt, was die Narren zu bieten haben. Hier darf man sich nur jedes fünfte Jahr zum närrischen Lindwurm formieren. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Närrische Lindwürmer schlängeln sich normalerweise Jahr für Jahr durch Städte und Dörfer der Region. In Heinsberg ist das anders: Dort müssen die Narren vier Jahre lang auf einen Karnevalszug warten, doch am kommenden Tulpensonntag, 26. Februar, ist es endlich wieder so weit.

Warum diese Intervalle? Antwort: Es war zu teuer, den „Cityzug“, der 1976 Premiere hatte, häufiger zu organisieren. Daran erinnert sich Heinz-Leo Heinrichs, der ehemalige Präsident des Komitees Heinsberger Karnevals (KHK), noch sehr gut.

Viele der dem Komitee angehörenden Gesellschaften planten damals in ihren Wohnorten gleichzeitig eigene Züge. Das hat die „Zusammenführung“ der Narren unter einem Hut verkompliziert, was auch die Festschrift zum drei Mal elfjährigen Bestehen des KHK von 1995 erzählt – unter der Devise: „Jeder Narr liebt seine Kappe“.

Konkurrenzdenken zwischen den Ortschaften, aber auch langjährige, unterschiedliche Traditionen haben nur langsam mehr Gemeinsamkeit erlaubt.

Nicht zuletzt neu entstehende Diskotheken, die für viele jungen Leute attraktiver wurden als der Karneval, sowie die Übertragung von Karnevalssitzungen im Fernsehen haben für vermindertes Publikum gesorgt.

Die Heinsberger Karnevalisten waren in dieser Situation dazu gezwungen, enger zusammenzurücken. Sie wollten Brauchtum erhalten – und fortentwickeln, wie sie in der Festschrift betonen. Nicht zuletzt ein demonstratives Zeichen des Zusammenhalts sollte der gemeinschaftliche Umzug sämtlicher Gesellschaften durch die Stadt sein – alle fünf Jahre.

Bälle und Konzerte

Bis zurück ins Mittelalter reicht die Tradition des Karnevals in Heinsberg. In einer Urkunde des Dietrich von Heinsberg aus dem Jahre 1342 wird in der Datierung bereits der „Vastelauent“ – unüberhörbar „Fastelovend“ – genannt.

Für die Zeit ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat der Heimatforscher Leo Gillessen in seinem Buch „Von Fastelovend bis Karneval“ anhand von Zeitungsanzeigen zahlreiche Hinweise auf karnevalistische Termine wie humoristisch-musikalische Abendveranstaltungen, Bälle, Theateraufführungen oder Konzerte dokumentiert. Karnevalssitzungen im heutigen Sinne gab es jedoch damals noch nicht.

Der erste Karnevalszug in Heinsberg fand 1904 statt. Neun Jahre später gründete sich der Heinsberger Karnevalsverein (HKV) als erste Karnevalsvereinigung im Heinsberger Land.

Bereits 1914 soll es am Rosenmontag einen Zug mit 25 Abteilungen, 16 Wagen, fünf Musikkorps, 50 Reitern und 200 Mitwirkenden gegeben haben.

In der Zeit der Alliierten Besatzung nach dem ersten Weltkrieg (bis 1919 war hier französisches, bis 1926 belgisches Militär stationiert) war der Karneval im Heinsberger Land komplett verboten. Doch die Narren blieben weiterhin aktiv: Große Umzüge gab es in den Jahren 1937, 1938 und 1939. Dann setzte der Zweite Weltkrieg dem närrischen Treiben erneut ein Ende. Doch schon ab 1948 traf man sich wieder zu Karnevalssitzungen in Heinsberg. Der erste Karnevalszug fand jedoch erst 1953 anlässlich des 40-jährigen Bestehens des HKV statt.

Und dann ein närrisch-historisches Ereignis: Den Heinsberger Gesellschaften gelingt es 1976, einen gemeinschaftlichen Karnevalszug zu organisieren. Für die Finanzierung sorgten das Komitee Heinsberger Karneval und der Heinsberger Karnevalsverein. Das Motto: „Heinsberger Hitparade“. 1981 hieß es: „Rund geht‘s in der City“, 1986 schwärmte man „Es war einmal“.

1991 verzichteten die Aktiven auf das närrische Treiben – der Golfkrieg ließ es nicht zu. Ein Jahr später durfte der Karneval wieder stattfinden – und auch der bunte Umzug. Ab sofort funktionierte wieder der Fünf-Jahres-Rhythmus, wobei das Prinzenpaar des Heinsberger Karnevalsvereins als strahlendes Stadtprinzenpaar den gemeinsamen Umzug anführen durfte.

Traditionen erfahren manchmal auch Variationen: So feierte man 2012 in Heinsberg sogar mit einem Dreigestirn – Pfarrvikar René Mertens hatte als Prinz Heinz Wesner als „Jungfrau Henriette“ und Heinz-Leo Heinrichs als Bauer an seiner Seite.

Prinzenpaar Elmar I. und Michaela

Und am kommenden Tulpensonntag gibt es erneut eine Veränderung: Ab 12.11 Uhr wird erstmals ein Stadtprinzenpaar den Narren in Heinsberg zuwinken, das nicht dem Heinsberger Karnevalsverein entstammt: Prinz Elmar I. und Prinzessin Michaela gehören zum Schafhausener Karnevalsverein und schwingen an diesem Tag als Tollitäten das närrische Szepter. Organisiert und finanziert wird dieser Zug unter dem Motto „Mit Spaß und Freud zieht mit uns durch die Stadt ihr Leut“ nun allein vom Komitee Heinsberger Karneval, das Sponsoren fand und Spenden sammelt.

Der Einladung zum gemeinsamen Umzug sind diesmal elf Karnevalsgesellschaften der Stadt gefolgt. Nur die Randerather Grasbürger sind beim Cityzug diesmal nicht dabei, denn sie veranstalten ausschließlich ihren eigenen Zug, der bereits am frühen Nachmittag startet.

Und was wird 2022 sein? Einen Beschluss gibt es zwar noch nicht, aber KHK-Präsident Wolfgang Weintz geht davon aus, dass es auch in fünf Jahren wieder einen Karnevalszug durch Heinsbergs City geben wird. Die Zeit bis dahin will man gut nutzen.

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