Region - Das kleine Mons zeigt Größe

Das kleine Mons zeigt Größe

Von: Rolf Minderjahn
Letzte Aktualisierung:
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Die Stiftskirche Sainte-Waudru in Mons ist im Stil der brabantischen Gotik erbaut. Rechts daneben ragt der Belfried in die Höhe.
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Hof de Draeck zu Beginn der Wanderung: Neugierig beäugt das Rotwild die Wanderer, die vorbeigehen. Foto: Petra Vanderheiden Berndt (2), imago/Peter Widmann, imago/STPP
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Eines der historischen Hebewerke, die man in der Region Mons besichtigen kann.
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Hof de Draeck zu Beginn der Wanderung: Neugierig beäugt das Rotwild die Wanderer, die vorbeigehen. Foto: Petra Vanderheiden Berndt (2), imago/Peter Widmann, imago/STPP
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Rathaus von Mons

Region. Sie will ein wenig wie „Phönix aus der Kohle“ heraustreten. Die kleine Stadt Mons (rund 93.000 Einwohner) in der ehemaligen Bergbauregion im Westen Belgiens war 2015 Kulturhauptstadt. Wer es damals nicht hierher geschafft hat, braucht sich nicht zu ärgern.

Denn eigentlich zeigt die Stadt erst heute all das, was der Besucher 2015 nur ahnen konnte. Neben vielen Restaurierungen wie dem Musée Beaux-Arts (BAM) und dem zum Kulturzentrum umgebauten alten Schlachthof (Anciens Abbatoirs) hat Mons gleich vier neue Museen zu bieten: das Mons Memorial Museum (MMM), das Museum Doudou, die Artothèque sowie das Silex’s Feuersteinminen-Museum – eine der vielen Weltkulturerbestätten in der Provinz Hennegau rund um Mons.

Dazu kommen zwei Prestigebauten, zum einen das Kongresszentrum, entworfen von Daniel Libeskind, und zum anderen der neue TGV-Bahnhof des Architekten Santiago Calatrava, der aber immer noch eine halbe Baustelle ist (bis 2018 voraussichtlich). Nimmt man dazu noch die Altstadt rund um die Grand-Place und die vielen Sehenswürdigkeiten in der Region in unmittelbarer Nähe, dann ist ein Wochenende in Mons fast zu kurz.

1. Tag, Samstag: Wir machen uns auf den Weg

Über die Autobahn Richtung Mons fällt uns kurz vor der Stadt das riesige Schiffshebewerk auf, das in einer Senke aus der Landschaft herausragt. Strépy-Thieu gilt als das größte seiner Art in der Welt. Es sind nur wenige Minuten Aufwand, um von der Autobahn herunterzufahren, wenn man diesen Koloss aus der Nähe betrachten möchte. Spektakulär ist die Tour mit dem Aufzug hinauf in den gewaltigen Maschinenraum (Ausstellung).

Technikbegeisterte werden staunen, und der Panoramablick ist grandios. Er schweift hinüber bis zu den Vorgängern von Strépy-Thieu, den vier historischen hydraulischen Schiffshebewerken am Canal du Centre (beschildert). Sie befinden sich wenige Kilometer dahinter und gehören zum Weltkulturerbe. In der Sommersaison werden sie als Touristenattraktion noch befahren – romantisch durch die Natur mit echter alter Technik.

Ankunft in Mons

Mittlerweile hat Mons eine ganze Reihe guter bis luxuriöser Hotels anzubieten. Mit dem Dream Hotel bietet sich uns eine ansprechende Unterkunft, die auf originelle Art und Weise in einem ehemaligen Kloster untergebracht ist. Nach dem Check-in machen wir uns durch die alten Gassen von Mons über Kopfsteinpflaster auf den Weg Richtung großer Platz (rund 15 Minuten Gehzeit über Rue la Grande Triperie und Rue de la Coupe).

Doch jetzt heißt es zunächst, eine kleine Stärkung für die Tour durch die Stadt zu sich zu nehmen. In einem der schönsten Gebäude an der Grand-Place werden wir fündig. Drinnen stehen wir vor der Wahl im großzügig gestalteten „Saint-Germain“: Brasserie, Eiscafé, Pâtisserie oder Sandwicherie?

Stadtrundgang: Grand-Place, Rathaus, Jardin du Mayeur, Belfried, Stiftskirche, Grand-Place

Nun sind wir also im Herzen der Stadt, auf der Grand-Place, angelangt. Die Gebäude rundum zeigen verschiedene Architekturstile, von gotisch bis modern. Der Platz zählt zu den schönsten in Belgien. Unser Blick fällt sofort vis-à-vis des Cafés auf das gotische Rathaus. Über seiner mächtigen Front ragt ein Glockenturm auf. Dahinter streckt sich elegant, noch eine Empore höher, wie es ihm gebührt, der Belfried, der barocke Star von Mons.

Manche Passanten bleiben vor dem Durchgangstor des Rathauses stehen. Die kleine Affenskulptur an der Mauer soll denjenigen Glück bringen, die sie mit der linken Hand streicheln. Der Torgang führt zum Innenhof des Rathauses und hinten hinaus zum Garten des Bürgermeisters, dem Jardin du Mayeur. Der kleine Gartenpark ist ein öffentlicher Ort, ruhig, erholsam und voller Idylle. Diese wird regelmäßig vom Glockenspiel des Belfrieds untermalt, zu dessen Füßen der Park quasi liegt. Wir durchqueren ihn.

Vorbei am neuen Museum Doudou, das die Geschichte des heiligen Georg und des Drachenkampfes anlässlich der berühmtesten Prozession Belgiens, der „Ducasse“ (dieses Jahr am 11. Juni) dokumentiert, wenden wir uns in die Rue Bervoets und erspähen im letzten Moment den unscheinbaren, winzigen Eingang der Gasse Ruelle César. Ein Geheimgang?

Er führt uns mit schmalen Treppenstufen hinauf zum César-Turm, zum alten Schlosspark, dem Herzen von Mons. Es ist geschafft. Der Belfried ragt direkt vor unserer Nase auf, dahinter die Dächer von Mons. Ein auffallend schlanker und graziler Turm, 87 Meter hoch (1662 bis 1669 errichtet). Er wurde für 2015 restauriert und mit einem kleinen Besucherzentrum mit Aufzug zur Turmspitze versehen.

Über die Rampe vom Schlosspark auf der anderen Seite hinunter erreichen wir danach die Stiftskirche der Heiligen Waltrudis mit beeindruckendem Kirchenschatz, darunter der Reliquienschrein der Stadtheiligen im Chorraum und der „Car d’Or“. Auf ihm, dem barocken „Goldenen Wagen“ wird der Schrein anlässlich der „Ducasse“ hinauf zur Grand-Place gezogen.

Nur wenige Meter hinter der Stiftskirche, am Square Franklin Delano Roosevelt 12, liegt das Museum Francois Duesberg. Es ist bekannt für seinen Schatz an wertvollen Pendeluhren in einem denkmalgeschützten Gebäude. Von der Stiftskirche aus machen wir kehrt und flanieren an vielen alten, schön restaurierten Häusern über die Rue Samson, dann links durch die Rue de la Chaussée wieder zurück zur Grand-Place und zum Hotel.

Abendessen im „La Table du boucher“

Die Rue d’Havré liegt rund 15 Minuten vom Hotel entfernt. Hier kehren wir abends ein. Das sehr beliebte Restaurant „La Table du boucher“ bietet traditionelle französische Küche. In der klassisch-gediegenen Brasserie mit modernen Dekorakzenten werden von den Gästen vor allem Fleischgerichte geschätzt. (Eine Übersicht über Adressen, die Mons zur Stadt für Genießer machen, gibt die Internetseite „visitmons“).

2. Tag, Sonntagmorgen: Rue de Nimy und „Mundaneum“

Nach dem Frühstück begeben wir uns in die Rue de Nimy, die von der Grand-Place abgeht. Im „Mundaneum“ wollen wir uns ein Karteikastensystem anschauen, das weltberühmt ist. Sechs Kilometer Spalier dieser „Server aus Holz“ sind heute noch im „Mundaneum“ zu bewundern.

Es steht in der Nachfolge des 1895 in Brüssel von Paul Otlet und Henri La Fontaine gegründeten Office International de Bibliographie. Die Bibliothek sollte nach der von ihnen entwickelten Universellen Dezimalklassifikation systematisiert werden, quasi ein Web in Papierform. Damals waren rund 15 Millionen Werke handschriftlich verzeichnet und nach Themengebieten geordnet.

Schon 1912 war man in der Lage, bis zu 1500 schriftliche Anfragen zu zahlreichen Wissensgebieten zu beantworten. 1993 wurde diese Bibliothek nach Mons geholt. Sie erhielt in diesem Art-Déco-Gebäude ein neues Refugium, in dem auch die persönlichen Dokumente der Gründer, Sammlungen von Tageszeitungen, Postern und Postkarten zu sehen sind.

Alternativ: das Museum Maison van Gogh

Kunst-Fans können in Mons den Ort sehen, an dem Van Gogh zum Künstler wurde. Er lebte knapp zwei Jahre in der Region Mons, von Dezember 1878 bis Oktober 1880. In Cuesmes, am Stadtrand von Mons, steht heute das Maison van Gogh, ein ihm gewidmetes Museum. Hier zeigt sich, dass in der Vita des Künstlers Mons eine besondere Rolle spielte.

Vincent van Gogh (1853-1890) kam als Prediger in die Region, dem sogenannten Borinage, einem Kohlerevier mit schwer arbeitender und armer Bevölkerung. Er hatte engen Kontakt zu den Bauern und Minenarbeitern, zu deren hartem Alltag, der ihn derart beeinflusste, dass es ihn zu künstlerischen Motiven inspirierte. Schließlich traf er hier die Entscheidung, Maler zu werden.

Früher Sonntagnachmittag: Rückfahrt mit Abstecher ins Schloss Seneffe

Das Schloss von Seneffe ist heute ein Museum der Goldschmiedekunst der Französischen Gemeinschaft Belgiens mit vielen Exponaten aus ganz Europa des 17. und 18. Jahrhunderts. Es ist ein Paradestück aus dem 18. Jahrhundert, prunkvoll mit seinen Säulenreihen, dem Ehrenhof mit der Blausteinfassade und den großen Proportionen der Innenräume.

Reicher Deckenstuck, Spiegelflächen und luxuriöses Parkett drücken die Erhabenheit des Gebäudes aus. Der Komplex umfasst zudem einen 22 Hektar großen Park im englischen Stil, Wirtschaftsgebäude und Gesindewohnungen, eine Orangerie, ein neoklassisches Theater, ein Kühlgebäude und einen wunderbaren französischen Garten mit terrassenförmiger Anlage, Bassins, Springbrunnen und Parkbänken.

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