Das idyllische Gemünd und die Urfttalsperre

Von: Reinhard Mäurer
Letzte Aktualisierung:
14750702.jpg
Idylle in der Eifel. Vom Steg aus sieht man dem Naturschauspiel zu. Foto: Rainhard Mäurer
14750713.jpg
Eingebettet in eine schöne Landschaft: Gemünd. Foto: Rainhard Mäurer

Region. Während meiner Eifeltour habe ich die Nepomukstandbilder nicht gezählt, auch in Gemünd führt er kein Schattendasein; er steht nur am rechten Ort – am Zusammenfluss von Olef und Urft. Die Siedlung heißt Gemünd, ehemals selbstständige Stadt und heute ein Stadtteil von Schleiden.

Die Urft war lange Zeit Grenzfluss zwischen dem Herzogtum Jülich und den Dreiborner Herren, die Drommer, für Insider: die Dreiborner, gehören heute zu Schleiden. Nochmals kurz zu Johannes Nepomuk. Der Mann lebte im 14. Jahrhundert und war böhmischer Priester, und seine Berufspflichten sollten ihm zum Verhängnis werden.

Die Legende erzählt, dass er gegenüber dem böhmischen König das Beichtgeheimnis gewahrt hat, und daraufhin soll er in Prag in die Moldau geworfen worden und ertrunken sein. Johannes sieht man oft mit einem Fünf-Sterne-Kranz, und der steht für das lateinische „tacui“ (fünf Buchstaben), soll heißen „ich schwieg“; in der barocken Darstellung ist er mit einer Märtyrerpalme zu sehen. Im Prager Veitsdom ist sein Hochgrab zu bestaunen, über eine Tonne Silber wurde verarbeitet.

Gemünd ist noch unser Thema. Die Eisenproduktion prägte einst Gemünds Wirtschaft; insbesondere die Industriellenfamilie Poensgen hat mit ihren Eisenhütten im 18. und 19. Jahrhundert den Schleiden-Gemünder Raum geprägt; das machen heute der Tourismus und die Kneipp-Kuren in Gemünd. Das Ortsbild von heute lässt schnell erkennen, dass der Zweite Weltkrieg die historische Bausubstanz erheblich zerstört hat. Im Ort finden Sie auf dem historischen Rundgang zahlreiche Tafeln. Der Rundgang startet am Marienplatz. In Gemünd finden Sie außerdem eins der fünf Nationalparktore.

Alternativer Wanderweg

Eine Alternative oder Ergänzung zum Gemünder Rundgang bietet der „Eisenwanderweg“, der gleichfalls am Nationalparktor startet und etwa zwei Stunden dauert. Der Wanderweg führt von Gemünd in den Ortsteil Mauel und berichtet über den Abbau von Eisenerz im Schleidener Tal, die Herstellung der zum Schmelzen benötigten Holzkohle und die Werkstätten der Reitmeister. Im Nationalparktor gibt es ein Faltblatt mit der Beschreibung des Wanderwegs.

Unweit von Gemünd finden wir die zu ihrer Bauzeit größte Talsperre Europas. Dort fahren wir jetzt hin. Zieleingabe fürs Navi: 53937 Schleiden, Urfttalsperre. Und wir erreichen die Staumauer. Baubeginn für das Bruchsteinmauerwerk war 1900. Ich sehe im Mauerwerk eingesetzt eine Bronzeplatte, die das Profil eines vollbärtigen Mannes zeigt: Otto Adolf Ludwig Intze, geboren am 17. Mai 1843 im mecklenburgischen Laage, später Professor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule, kurz RWTH, und Fachmann für den Bau von Wassertürmen und Talsperren.

Beim Bau von Talsperren entwickelt er eine bogenförmige Bruchsteinmauer, die auf der Wasserseite einen aus Lehm gebauten Keil hat. Dieser Keil am Maueransatz soll die Mauer abdichten – und trägt seinen Namen: der Intze-Keil. Mit dieser Baukonstruktion werden in der Folgezeit viele Talsperren gebaut. Der Talsperrenbau ist im Übrigen keine neuzeitliche Erfindung. Das konnten schon die Römer. In der Eifel haben sie gar eine Wasserleitung bis nach Köln gebaut.

Das Intze-Prinzip

Der Wasserverband Eifel-Rur hat an der Staumauer sehr informative Schautafeln aufgestellt, die das Intze-Prinzip und den Intze-Keil sehr gut erklären. Zur Ergänzung für Nicht-Eifeler: Die Urftstaumauer trennt die Urfttalsperre vom Obersee (Rursee) – und der ist die Vorsperre zur Rurtalsperre. Die Urft hat noch eine andere wichtige Funktion. Das Wasser wird zum Kraftwerk in Heimbach geleitet, und dort wird aus Wasserkraft Strom erzeugt. Der Hunger treibt mich in das Ausflugslokal vor Ort. Ich entscheide mich für die angebotene Erbsensuppe, und das war ein Volltreffer, den ich gerne als Tipp weitergebe.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert