Düsseldorf - Das Hochschuldebakel des Armin Laschet

Das Hochschuldebakel des Armin Laschet

Von: Wilfried Goebels und Bettina Grönewald
Letzte Aktualisierung:
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Die Affäre um verlorengegangene RWTH-Klausuren ist inzwischen ein bundesweites Thema: Der CDU-Landesvorsitzende Armin Laschet am Dienstag im Düsseldorfer Landtag, wo Journalisten viele Fragen stellten. Foto: dpa

Düsseldorf. Am liebsten will Armin Laschet gar nichts sagen, als er am Dienstag vor den Türen der Düsseldorfer Landtagsfraktion zur „Noten-Affäre“ befragt wird. Er ist sichtlich nervös und zerknirscht. Hat er als ehrenamtlicher Dozent der renommierten Exzellenz-Hochschule RWTH Aachen mehr oder weniger freihändig Noten vergeben?

Erst nach fast einer Stunde stellt sich der CDU-Landes- und Fraktionschef den Journalisten. Heraus kommt eine Geschichte mit mehreren Sonderbarkeiten: Auf dem Postweg sollen vor Monaten Klausuren von mehr als 30 Teilnehmern des Master-Europastudiengangs der RWTH verlorengegangen sein. So schildert es Laschet, der die Arbeiten als Lehrbeauftragter zu bewerten hatte. Um den Studenten eine Wiederholung der Klausur zu ersparen, habe er der Universität vorgeschlagen, anhand seiner Notizen eine Bewertung zu „rekonstruieren“.

Merkwürdig: Dabei kamen auch Noten für Studenten heraus, die gar nicht an der Klausur teilgenommen hatten – und ausnahmslos gute. „Das ist sehr kompliziert“, sagt der CDU-Politiker, der auch Vizechef der Bundespartei ist. Wie das passieren konnte, sei noch unklar. Offenbar habe Laschet die Noten ausgewürfelt, spottet der Generalsekretär der NRW-SPD, André Stinka, in einer Mitteilung. Die Bilanz der „Noten-Affäre“ sei: „Kniffel-Armin verpasst den Bonus.“ SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Römer setzt obendrauf: „Wer sich so verhält, kann nicht Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden.“

Im Juli 2014 war Laschet mit 30 Studenten seines Europa-Kurses nach Berlin gefahren, später sollte die Gruppe eine Klausur über den Besuch schreiben. Gemeinsam mit seiner Co-Korrektorin hatte Laschet die Arbeiten nach eigenen Angaben benotet und mit der Post ohne Einschreiben zur Uni geschickt. In der Poststelle aber kamen sie offenbar nicht an. Ein Nachforschungsantrag wurde nie gestellt.

Nebulös ist, inwieweit die Hochschule im Vorfeld über die unorthodoxen Ersatzbewertungen im Bilde war. „Natürlich war das abgesprochen“, sagt Laschet. Die Dekanin der Philosophischen Fakultät der RWTH, Christiane Roll, teilt dagegen mit, Laschet habe die nachträgliche Bewertung anhand seiner Notizen „noch vor der Rücksprache mit dem Prüfungsausschuss“ vorgenommen.

„Das kann ein Missverständnis in der Kommunikation sein“, sagt die Sprecherin der RWTH, Renate Kinny. „Herr Laschet ist im Gefühl, er hätte vermittelt, dass er so vorgehen wird.“ Einwendungen der betroffenen Studenten habe es nicht gegeben.

Dass Klausuren eines kompletten Seminars auf dem Postweg verlorengehen, sei ihr aus der 135-jährigen Geschichte der Hochschule nicht bekannt. Eine Konsequenz sei nun aber gezogen worden: Prüfer nehmen nur noch Kopien mit nach Hause, die Originale bleiben an der Hochschule.

Spekulationen, ob Laschet das Malheur möglicherweise mit einem Noten-Lifting vertuschen wollte, weist Kinny zurück. Eine 2,3 als schlechteste Note sei „bei Veranstaltungen dieser Art“ nicht ungewöhnlich. „Ärgerlich“ sei der ganze Vorgang, räumt Laschet ein. Die nachträgliche Bewertung verteidigt er aber als „sachgerechte Lösung“. Ein Fehler sei es allenfalls gewesen, die benoteten Klausuren seines Blockseminars nicht persönlich abzugeben. Dazu war er allerdings auch nicht verpflichtet.

Hochschulrechtlich ist Laschets Vorgehen nach Darstellung des NRW-Wissenschaftsministeriums nicht zu rügen. Grundsätzlich müssten verschwundene Klausuren zwar nachgeschrieben werden. Wenn die Arbeiten aber bereits abschließend bewertet und das Ergebnis „zuverlässig festgehalten“ worden sei, könne davon abgesehen werden.

Wie zuverlässig das war, sehen SPD und Grüne allerdings nicht hinreichend klar erwiesen. Da der Oppositionspolitiker selbst bei jeder Gelegenheit Transparenz und Aufklärung von den rot-grünen Regierungsfraktionen fordert, dürften die ihn nun noch eine Weile in die Zange nehmen.

Dass sein Rückzug aus der Hochschule – nach immerhin 16 Jahren – zwingend war, weiß der Aachener. „Politik und Wissenschaft, das ist eine sensible Frage. Wenn das jetzt in einen parteipolitischen Streit gerät, ist es richtig, einen klaren Strich zu ziehen.“

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