„Das Herz ist ein Muskel, mehr nicht“

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Steckt in einem Herz vielleicht doch mehr drin? Vielleicht unsere Seele?
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Professor Rolf Mertens gibt Antworten und stellt den Kindern das Herz als Pumpe vor. Foto: M. Jaspers

Aachen. Vom Kopf bis in die Zehenspitzen: Das menschliche Herz pumpt das Blut in alle Zellen, um den Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Im Interview spricht Professor Rolf Mertens (65), Kinderarzt am Uniklinikum Aachen, über den Muskel, der auch nachts nicht ruhen darf.

Ist unser Herz überhaupt herzförmig, Herr Professor Mertens?

Mertens: Nein, das menschliche Herz ist nicht herzförmig, es ist etwa so groß wie eine Faust, besteht aus vier Kammern – zwei kleinen Vorhöfen und zwei großen Kammern.

Wohnt denn die Seele im Herzen?

Mertens: Man würde zwar denken, das Herz ist die Seele des Menschen, aber das ist es leider nicht. Es ist eine einfache, muskuläre Pumpe, die das Blut in alle Teile des Körpers befördert und den Körper so mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen versorgt. Das Herz wird angesehen, als wären da die Empfindungen, Gefühle und alles drin. Aber ein Mensch mit Kunstherz hat die gleichen Empfindungen. Das Herz ist schlicht und einfach ein Muskel, mehr nicht.

Darf das Herz nachts schlafen?

Mertens: Nein, das Herz darf nie schlafen. Man gibt ihm keine Ruhezeit. Wie häufig ein Herz schlägt, kann man am Puls messen. An einer Arterie, die an der Daumenseite am Ende des Unterarms getastet werden kann. Betreibt man Sport, geht der Herzschlag hoch. Da muss das Herz enorm arbeiten, weil der Sauerstoffbedarf höher liegt. In der Nacht darf es ruhiger arbeiten. Lebt man vernünftig und bleibt gesund, kann es durchaus länger als 100 Jahre schlagen.

Wie oft schlägt das Herz in der Minute?

Mertens: Das Herz eines Säuglings schlägt etwa 120 Mal in der Minute, das eines Kleinkindes 100 Mal. Mit dem Älterwerden wird die Herzfrequenz allmählich geringer. Ein Erwachsener hat eine durchschnittliche Frequenz von etwa 70 Schlägen pro Minute – im Ruhezustand.

Und bei Anstrengung?

Mertens: Wenn man sich körperlich belastet, muss mehr sauerstoffreiches Blut durch den Körper gepumpt werden, da steigt die Frequenz. Nimmt man allerdings einen Leistungssportler, zum Beispiel einen Radprofi, sieht man, dass sich sein Herz vergrößert. Die Auswurfleistung seines Herzens wird durch das Training viel größer. Das bedeutet, dass mit einem Herzschlag mehr Blut in den Körper gepumpt wird. Darum hat ein Radprofi eine niedrigere Herzfrequenz im Ruhezustand: in der Minute nur 40 Schläge.

Welchen Weg nimmt das Blut durch den menschlichen Körper?

Mertens: Das sauerstoffreiche Blut geht vom Herzen über die Arterien in den Körper und den Kopf. Überall gibt es Abgänge von der großen Hauptschlagader, so dass das Blut in den Kopf, in alle Organe und bis hin zu den kleinen Zehen gelangt. Von dort geht das sauerstoffarme Blut dann über die Venen zurück zum Herzen und in die Lunge, wo es wieder Sauerstoff aufnimmt.

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