Grevenbroich - Das Gewächshaus, das aussah wie ein Ufo

Das Gewächshaus, das aussah wie ein Ufo

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Die Ursache des Leuchtens: Damit die Tomaten besser wachsen, hat die Neurather Gärtnergesellschaft am 11. November LED-Lampen in diesem Gewächshaus installiert. Foto: Daniela Mengel-Driefert
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Das ist Dirk Driessen, er ist einer der vier Eigentümer der Gärtnergesellschaft in Neurath gleich gegenüber dem Braunkohlekraftwerk von RWE. Wie seine Kollegen auch, betreibt er neben dem Betrieb in Neurath noch eine Gärtnerei am Niederrhein. Foto: Daniela Mengel-Driefert
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Roter Schein am Himmel: Die Tomaten-Beleuchtung sorgte für Notrufe. Foto: CUH

Grevenbroich. Am Abend des 11. November versetzte ein gelb-rotes Licht rund um das Kraftwerk Neurath viele Menschen in helle Aufregung, es sah aus, als sei ein Ufo gelandet. Unsere Redaktion erreichten Anrufe besorgter Anwohner, die sich das gleißende Licht nicht erklären konnten. Und in der Tat, die Ursache ist kurios.

Wo das Licht war, steht ein Tomatengewächshaus. Die Neurather Gärtnergesellschaft hat einen Teil ihres Betriebes mit LED-Lampen ausgestattet und am 11. November erstmals getestet. Mit dem anschließenden Spektakel hatte niemand gerechnet.

„Wir waren uns überhaupt nicht bewusst darüber“, sagt Ludwig Zeitheim, administrativer Leiter der Gärtnerei. Die Anlage war und ist noch in der Installationsphase, die Verdunkelung noch nicht einsatzbereit. Bis die Anlage komplett fertig ist, bleiben die Lichter nun in der Dunkelheit aus, solange brennen sie nur tagsüber.

7500 Tonnen Tomaten. Im Jahr.

Wer von der Energiestraße am Kraftwerk Neurath rechts abbiegt, steht direkt vor dem Gewächshaus und sieht es in oranges Licht gehüllt, in der Mitte verläuft ein rosa Leuchtstreifen. Eine Lichtinstallation, die der optimalen Aufzucht von Cherrytomaten dienen soll.

Das Gewächshaus ist 2,5 Hektar groß und nur ein kleiner Teil der riesigen Gesamtanlage. Der Betrieb produziert auf einer Gesamtfläche von 16 Hektar jährlich 7500 Tonnen verschiedener Tomatenarten. Das Unternehmen wird von den Gesellschaftern Wilhelm Baum, Matthias Draek, Dirk Driessen und Carsten Knodt geführt. Alle vier sind Gärtner. Am Niederrhein bewirtschaften sie eigene Betriebe. Seit 2011 besteht das gemeinsame Unternehmen in Grevenbroich-Neurath.

In der riesigen Halle fahren gestapelte Tomatenkisten wie von Geisterhand gesteuert. „Es gibt Induktionsstreifen im Boden“, erklärt Ludwig Zeitheim. Von der Halle gehen zwei Gewächshäuser ab. In der einen ernten Helfer die letzten Tomaten der Saison, in der anderen, dem beleuchteten Glashaus, sind junge Pflanzen gesetzt. Die Ernte startet im Februar und geht bis in den November hinein. 80 Helfer und sieben Festangestellte, darunter zwei Gartenbauingenieure, sind in Neurath beschäftigt. Verkauft werden die Tomaten überwiegend in der Region.

Betritt man das beleuchtete Gewächshaus, schlägt einem gleißendes Licht entgegen. Aus der Nähe sieht man, dass das Licht der LED-Module im Pflanzenbestand nicht rosa ist, wie es von draußen scheint, sondern rot und blau. Sogenanntes Assimilationslicht, die Zusatzbelichtung, wird mit Agrolux-Lampen von oben gegeben.

Hummeln und andere Nützlinge

Die LED-Beleuchtung ist relativ teuer, sagt Theo Reintges von der Landwirtschaftskammer NRW. Sie habe aber den Vorteil, dass sie für die gleiche Assimilationsleistung das Lichtspektrum besser nutzt als andere Beleuchtungsarten und somit Energie spart.

Die jungen Tomatenpflanzen wachsen an Seilen in die Höhe, zwölf bis 15 Meter lang. Hummeln fliegen umher, sie sind für die Bestäubung zuständig. Die Betreiber der Neurather Gärtnergesellschaft legen Wert auf Nachhaltigkeit, Zeitheim sagt: „Wir produzieren die Tomaten rückstandsfrei“, es werden also weder Fungizide noch Insektizide eingesetzt. Stattdessen werden zur Schädlingsbekämpfung Nützlinge eingesetzt.

Die schädigen dann nicht die Pflanze, sondern legen ihre Eier in die schädlichen Insekten. Die Schädlinge werden dann von den schlüpfenden Larven des Parasiten von innen gefressen, was sich grausam anhört, aber effektiv ist. Die Klimaverhältnisse in den Hallen werden von Computern gesteuert, um das mögliche Wachstum von Schadpilzen zu vermeiden.

Der Standort der Gärtner-Gesellschaft gegenüber dem Braunkohlekraftwerk von RWE ist nicht zufällig gewählt, denn die Gewächshäuser werden mit der Abwärme des Kraftwerkes geheizt. Geschlossene Kreisläufe und doppelt ausgeführte Wärmetauscher ermöglichen es, die Wärme in die Gewächshäuser zu transportieren. In einem Pufferspeicher wird nicht direkt benötigte Wärme zwischengelagert. Der zweite Vorteil liegt in der zur Verfügung stehenden großen Fläche. Denn die Möglichkeit zur Flächenausdehnung ist keineswegs in allen Gartenbau-Betrieben gegeben.

Und Größe wird auch beim Gartenanbau immer wichtiger. In der Region gibt es laut Zeitheim zwar keinen anderen Betrieb, der ähnlich viele Tomaten produziert wie die 16 Hektar große Gärtnergesellschaft in Neurath. Doch in Holland seien zehn bis 20 Hektar Standard, sagt Theo Reintges von der Landwirtschaftskammer NRW und wagt eine Prognose: „Ich denke, für die Zukunft wird es auch in Deutschland so kommen.“ Eine Reaktion der Betriebe auf die Bedürfnisse des Handels, der gleichmäßig in großen Mengen beliefert werden möchte.

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