Das gesprengte Wahrzeichen von Köln

Von: Katja Heins
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Die beiden Türme, in der bis 2003 die Deutsche Welle untergebracht war: Der Projektleiter Thomas Albers organisiert die Sprengung des mit Asbest belasteten Gebäudekomplexes im Kölner Süden. Nächstes Frühjahr soll es so weit sein. Foto: dpa

Köln. Steil ragen die Türme in den Himmel, es ist zugig rund um den verlassenen Gebäudekomplex. Bei einer Höhe von 138 Metern wirken hier Fallwinde ähnlich wie beim Kölner Dom, der aus den ehemaligen Studios in den oberen Stockwerken gut zu sehen ist. Mehr als drei Jahrzehnte lang produzierte die Deutsche Welle in den zwei Hochhäusern am Raderberggürtel im Kölner Süden ihre Auslandsnachrichten – mit eindrucksvoller Aussicht.

Im nächsten Frühjahr werden die Türme gesprengt. Nur zehn Sekunden soll es dauern, sie aus der Stadtsilhouette zu entfernen. „Es ist wie bei einem Marathon“, sagt Bauingenieur Thomas Albers. „Alles fiebert auf diesen einen Tag hin. Und dann muss die Leistung punktgenau abgerufen werden.“

Bis zu 50.000 Schaulustige

Der Projektleiter kommt ein bis zwei Mal pro Woche aus seinem Düsseldorfer Büro nach Köln und überwacht den Rückbau, wie solche Vorhaben in der Baubranche genannt werden. Doch angesichts des Aufwands erscheint der Begriff harmlos. Denn die Türme sind Schätzungen zufolge mit 500 Tonnen Spritzasbest belastet: einer der Hauptgründe, warum die Deutsche Welle mit ihren 1000 Mitarbeitern bereits 2003 auszog.

Für die Vorbereitung, die aufwendige Entkernung, den Abtransport des Asbests und die Sprengung des Rohbaus haben die Investoren, die anschließend auf dem Gelände 750 neue Wohnungen bauen wollen, knapp zwei Jahre eingeplant. Seit Juni laufen die Arbeiten.

Noch sind in den Hochhäusern aber keine sogenannten Schwarzbereiche eingerichtet worden: In diesen Zonen soll unter strengen Sicherheitsvorkehrungen mit der Asbestentsorgung begonnen werden. Dafür wird in den Etagen ein Unterdruck erzeugt, der verhindert, dass sich die Fasern über die Luft ausbreiten und nach außen dringen. Arbeiter in Schutzanzügen sollen den gefährlichen Dämmstoff, der in den Hochhäusern unter der Deckenverkleidung schlummert, luftdicht verpacken, das ist der Plan.

Im Inneren des blauen Büroturms sieht schon alles nach Abbruch aus. Der einstige Empfangstresen steht noch, belegt mit einer zentimeterdicken Staubschicht. Drumherum: blanker Beton. Der Boden ist längst herausgerissen, die Wandverkleidungen auch, überall ist es feucht und kalt. In einigen Ecken riecht es nach Urin, im Keller hört man einen Bagger wüten.

„Das Gebäude geht 14 Meter tief in die Erde. Die Sendeanstalt wurde in Zeiten des Kalten Krieges geplant und gebaut. Die Haustechnik des Gebäudes war so ausgelegt, dass der Sendebetrieb bei äußeren Störungen von dort aus mehrere Monate aufrechterhalten werden konnte“, sagt Albers. Der Strom wäre aus Dieselaggregaten gekommen. Auch die müssen entsorgt werden, bevor 20.000 Kubikmeter Stahl und Beton gesprengt werden dürfen.

Das alles geschieht in unmittelbarer Nähe zum Hochhaus des Deutschlandfunks. Nur 35 Meter liegen dazwischen. Die Sprengexperten prognostizieren jedoch, dass drumherum nichts kaputt geht. Der große Knall soll Köln voraussichtlich an einem Sonntag im März 2017 erschüttern. Bis zu 50.000 Schaulustige erwartet die Stadt Köln, immerhin ist das Gebäude ein Wahrzeichen wenn nicht von Köln, dann zumindest der Südstadt.

„Nerven werden blank liegen“

Schon die Sprengung des 116 Meter hohen Frankfurter Universitätsturms im Februar 2014 war spektakulär, vom höchsten je in Europa gesprengten Haus war damals die Rede. In Köln sind es noch 22 Meter mehr. Aus Sicherheitsgründen muss in Köln im Radius von 200 Metern um das ehemalige Funkhaus alles abgesperrt, mehrere Wohnhäuser müssen evakuiert werden. „Alles Aufgabe des Veranstalters“, erklärt ein Sprecher der Stadt. „Ordnungsamt und Bezirksregierung sind in dem Fall nur für die Überwachung des Vorgangs zuständig.“

Die letzte Genehmigung des Ordnungsamtes für die Sprengung steht noch aus. Erst muss eine Endabnahme des „Gebäude-Gerippes“ durch die Bezirksregierung erfolgen. „Änderungen und Verzögerungen sind nie ausgeschlossen“, erklärt ein Sprecher der Bezirksregierung.

„Das wäre der Fall, wenn irgendwo in den Gebäuden noch Asbest gefunden würde.“ Davon geht Projektleiter Albers nicht aus. Die Firmen seien gründlich. Sein persönliches Horror-Szenario: Irgendwo bleibt noch ein Treppenhaus stehen, die Arbeiter müssten noch einmal ran. Deshalb ist er trotz Vorbereitung sicher: „Die Nerven werden blank liegen.“

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