Das geheimnisvolle Innenleben von Schloss Benrath

Von: Edda Neitz
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Ob in herbstlicher Kulisse wie hier oder einer anderen Jahreszeit: Die rosa Fassaden des Schlosses Benrath in Düsseldorf – hier das Haupthaus – sind ein markanter Farbkontrast. Die gesamte Anlage bietet viel Abwechslung.
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Zur Anlage von Schloss Benrath gehört auch ein Museum für europäische Gartenkunst: Unter anderem werden dort auch Anlagen antiker Gärten erläutert. Foto: Edda Neitz

Region. Wir haben schon davon gehört, auch Fotos gesehen, und ja, wir wissen, dass es ein kleines Schloss mit einem großen Park am Stadtrand von Düsseldorf gibt: das Lust- und Jagdschloss Benrath. Als 1752 Kurfürst Theodor von der Pfalz Besitzer dieser Schlossanlage wurde, ließ er das alte Schloss – Brand und Feuchtigkeit hatten es stark beschädigt – abreißen und stattdessen einen neuen Prachtbau im französischen Stil eines „Maison de Plaisance“ errichten.

Mit dem Architekten und Baumeister Nicolas de Pigage traf er eine gute Wahl, denn dieser verstand es, Schloss und Park zu einem harmonisch perfekten Ensemble zu gestalten. Schloss Benrath gilt heute als das einzige Beispiel in Europa für ein „Maison de Plaisance“, das in seiner Gesamtheit mit allen Bau-, Garten und Wasserbassins noch erhalten ist. Doch ist der Adelssitz viel mehr als ein Lust- und Jagdschloss. Ein 61 Hektar großer Park im spätbarocken Stil mit vielen Kleinodien und zwei Museen sorgen für noch mehr Abwechslung.

Am Schloss beginnen die meisten Besucher ihre Besichtigung. Wenn Sonnenstrahlen auf die rosa Fassaden fallen, wirkt das Benrather Schlossensemble heiter und beschwingt. Der richtige Ort, um den Alltag zu vergessen. Auch der Kurfürst hatte das vor. Er wollte sich dort mit illustren Gästen als Schöngeist vergnügen. Doch dazu kam es nicht, weil ihn die Politik in den Süden, nach München führte.

Um einen großen Weiher gruppieren sich das Haupthaus, umrahmt von den zwei Kavaliersgebäuden, und die beiden Torhäuser. Das Haupthaus, „Corps de Logis“, liegt in erhöhter Terrassenlage. Zwar erscheint einem das Gebäude von außen wie ein großer Pavillon, doch in Wirklichkeit verbergen sich dahinter vier – mit dem Souterrain sogar fünf – Etagen.

Dem Architekten Nicolas de Pigage war es mit Tricks und Finessen gelungen, unter diesem Dach, 80 Räume zu schaffen, die teilweise von außen nicht sichtbar und symmetrisch um zwei Innenhöfe angeordnet sind. In sieben versteckten Treppenhäusern konnte sich die Dienerschaft unbemerkt zwischen den Diensträumen bewegen. Ein geheimnisvolles Innenleben. Spätestens bei der Führung „Verborgene Räume“, die einmal im Monat stattfindet, offenbart sich all dies dem Besucher.

Wer die Beletage besichtigen möchte, muss erst einmal in riesige Filzpantoffeln schlüpfen. Da gibt es kein Pardon. Auch nicht für die Musiker, die im Rahmen der Hofkonzerte mehrmals im Jahr ihre Zuhörer verwöhnen. Statt mit schwarzen Slippern dürfen – besser müssen – sie in den grauen Pantoffeln durch die Räume schlurfen, damit Marmor und Parkett auch weiterhin glänzen.

Künstlerische Pracht

Der runde Kuppelsaal zeigt mit stilvoller Stuckdekoration und formschönen Pilastern noch mehr als die anderen Räume künstlerische Pracht. Hier hat sich Architekt Pigage mit zwei ineinander übergehenden Kuppeln nochmals mit einer technischen Raffinesse überboten. Deckenfresko mit Himmelsboten und Jagdgöttin Diana, eine schmale Empore und eine krönende Laterne sind die Details. Er machte es auch möglich, dass ein Kammerorchester auf der schmalen Empore zwischen zweiter Kuppel und Laterne Platz fand.

Wer denkt dann nicht an himmlische Musik, wenn er nur die Klänge hört, aber die Musiker von unten unsichtbar bleiben? Doch mit der formvollendeten Architektur der Gebäude war der Anspruch des Kurfürsten und seines Baumeisters noch lange nicht erfüllt. Natur und Architektur sollten zu einer Einheit verschmelzen. Blickachsen im Schloss sollten mit der Symmetrie im Park in Verbindung stehen.

Ein scheinbar komplexes System. Wer mehr darüber erfahren möchte, setzt seinen Weg im Museum für europäische Gartenkunst fort. Das ist ganz einfach, weil es nur ein paar Schritte entfernt vom „Corps de Logis“ in einem der Kavaliergebäude beheimatet ist.

Kein anderes Museum in Europa präsentiere in dieser Fülle europäische Gartenkunst, so Stefan Schweizer, Museumsdirektor bei der Stiftung von Schloss Benrath. Weder in Frankreich noch in England, die doch für ihre Garten- und Landschaftsarchitektur sehr bekannt sind, sei eine vergleichbare Ausstellung zu finden.

In 41 kleinen, liebevoll restaurierten Räumen beleuchtet das Benrather Gartenmuseum die Stile der europäischen Gartenkunst, zeigt etwa die weiträumige Anlage des römischen Gartens der Villa Hadrian oder die landwirtschaftlichen Nutzgärten der Klosteranlagen im Mittelalter. Der italienische Renaissance-Garten mit seinen kunstvollen Terrassen, der französische Barockgarten, wo Sichtachsen und Perspektiven dominieren, und der englische Landschaftsgarten, dessen Gestaltungsprinzip die freie Natur ist, werden mit einer Mischung aus Malereien und Skulpturen, originellen Gartenutensilien, Modellen und Pflanzen anschaulich vorgestellt.

In die Boboli-Gärten von Florenz und das Gartenreich von Wörlitz führen Kurzfilme. Hörstationen erzählen von Gartenfiguren, Zwergen in unterirdischen Reichen und festlichen Jagdfreuden. Exponate wie das Floragemälde von Guillaume Courtois oder Garten-Putten und eine Blumenuhr aus Meißner Porzellan zeigen, wie sich Kunst und Kultur beim Thema Garten niederschlagen. Gartenkunst ist mehr als Landschaftsarchitektur, das wird in diesem Museum klar.

In einem weiteren Rundgang sind die Räume nach Themen aufgeteilt, wo etwa der Garten als Apotheke mit Sinneskästchen oder Carl von Linnés Klassifizierung von Pflanzen zu finden sind. Natürlich haben auch ausgewählte Gartenformen und Parks der Stadt Düsseldorf ihren Platz. Ein Beispiel sind die Gartenformen aus der Zeit der Nationalsozialisten. Dass Gartenstile durchaus Rückschlüsse auf die jeweilige Politik der Zeit zulassen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung und ihre Begleitinformationen.

Ein nettes Highlight ist noch das „Gucki-Modell“. Hier können Besucher ihr Gartenparadies als Dia in einen Modellrahmen einfügen. Sei es der blühende Apfelbaum, die Steinsammlung in der Beetecke oder das Federballnetz über dem Rasen. Jeder kann seine Vorstellung vom Traumgarten für andere sichtbar machen. Neue Dias sind immer willkommen.

Die Vogeluhr

Im anderen Kavaliergebäude befindet sich das Museum für Naturkunde. Die Themen wie Veränderungen des Rheinlaufs über die Jahrhunderte, Rheinfischerei sowie Fauna und Flora in der Region und im Benrather Schlosspark sind größtenteils im Stil „Ausstellungsvitrine und Informationsschild darunter“ ausgestellt. Ausnahme ist die Benrather Vogeluhr. Ein simulierter Sonnenaufgang lässt das Gezwitscher einiger Vögel wie Nachtigall, Amsel und Zaunkönig zum entsprechenden Zeitpunkt erklingen.

Neben der Vielfalt in den Museen lockt noch der Benrather Schlosspark. Blumengöttin Flora und Hirtengott Pan sowie Meleager und Atalante, Figuren aus der griechischen Mythologie, laden auf Sockeln hinter der Südterrasse stehend zum Spaziergang ein – am kanalförmigen Spiegelweiher entlang, durch das stille Hippodrom, zum Jagdpark durch breite Alleen und immer wieder an mythologischen Skulpturen vorbei.

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