Das Fernsehen von morgen

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Ist überzeugt, dass Youtube das klassische Fernsehen eines Tages ablösen wird: Christoph Krachten, Organisator der Videodays. Foto: dpa
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Für viele Jugendliche bereits wichtiger als das Fernsehprogramm: die Videoplattform Youtube. Foto: dpa
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FH-Student Julien Bam ist einer der bekanntesten YouTuber Deutschlands. Foto: dpa
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Daniel Grzondziel und Oliver Grinnes sind als DuO TV auf Youtube unterwegs. Foto: privat

Region. Christoph Krachten ist Youtube-Unternehmer der ersten Stunde: 2011 gründete er das „Mediakraft Network“, verhalf Youtube-Stars wie Y-Titty zum Durchbruch. Seit 2010 organisiert er die Videodays: Europas größtes Youtuber-Treffen, das unter anderem in Köln stattfindet. Im Interview mit Nina Leßenich erklärt er, warum das Fernsehen keine rosige Zukunft vor sich hat.

WirHier: Youtuber kommunizieren in Kommentaren mit ihren Followern, beantworten ihre Fragen in Videos und veranstalten Fantreffen. Ist diese scheinbare Greifbarkeit das Rezept, um Youtube-Star zu werden?

Christoph Krachten: Wichtig für den aktuellen Hype ist vor allem die Nähe: Wenn Sie zum Beispiel George Clooney in Aachen auf der Straße treffen würden, wäre das ein ziemlicher Zufall. Sie wären überrascht.

WirHier: Weil das auch ziemlich unwahrscheinlich wäre.

Krachten: Genau. Weil klassische Stars wie Schauspieler oder Musiker in der Regel immer unerreichbar waren. Bei Youtubern ist das anders: Das sind andere Jugendliche von nebenan. Und wenn die Fans dann einen Youtuber, den sie – und Millionen andere – täglich auf Youtube verfolgen, zufällig treffen, ist das für sie nicht nur Zufall, sondern großes Glück.

WirHier: Und was Millionen Menschen sehen, wird zum Kult?

Krachten: Genau das ist der Punkt. Die Youtuber sind für ihre Follower richtige Vorbilder, sogar noch mehr als Schauspieler oder Musiker. Da sitzen nicht irgendwelche Promis, die total unerreichbar sind, sondern Gleichaltrige, die die gleichen Probleme haben wie ihre Follower.

WirHier: Also so, als würde der große Bruder oder die große Schwester mir etwas erklären?

Krachten: Sogar noch stärker. Bei den eigenen Geschwistern hat man ja manchmal Zweifel, ob das so stimmt, was sie mir erzählen. Aber wenn Bibi (die Youtuberin Bianca Heinicke, Anm. d. Redaktion) zum Beispiel erklärt, wie man sich richtig schminkt, und eine Millionen Personen dieses Video liken, dann ist das im Zweifel richtig. Wenn ein Beauty-Youtuber sich einen schwarzen Strich auf die Stirn malen würde, würde das vermutlich auch zum Trend werden.

WirHier: Kann Youtube dadurch auch gefährlich werden?

Krachten: Youtube wird dann gefährlich, wenn wir uns nicht bewusst sind, dass es gefährlich werden kann. Wir haben heute eine Demokratisierung der Medien. Jeder kann Videos online stellen. Das schließt auch Rechtsradikale oder Terroristen ein. Auf Youtube findet auch viel Propaganda statt. Wir müssen unsere Kinder darauf vorbereiten. Dazu ist auch Medienbildung an Schulen notwendig.

WirHier: Ist das ein reines Youtube-Problem?

Krachten: Nein, das gab es schon immer. Es gab auch im ZDF-Magazin in den 70ern oder in bestimmten Spiegel-Artikeln immer wieder Inhalte, die grenzwertig waren. Aber im Internet ist das Problem viel präsenter.

WirHier: Seit 2010 organisieren Sie die Videodays. Es hat wohl niemand die Fanszene in den vergangenen Jahren so beobachten können, wie Sie. Wie haben die Fans sich verändert?

Krachten: Die Fankultur hat sich nicht verändert. Sie ist nur gewachsen. Da müssten Sie wahrscheinlich einen Psychologen fragen, aber ich würde sagen: Das ist auch ein Stück weit in unseren Genen verankert. Es wurden schon immer Fanartikel, Bücher oder Alben von Stars gekauft. Da unterscheidet sich die Youtube-Fankultur nicht wirklich von dem Hype um Take That oder die Beatles.

WirHier: Und die Youtuber?

Krachten: Auch die sind in erster Linie mehr geworden, haben sich aber durchaus auch verändert. Wer vor fünf Jahren auf Youtube populär war, hat immer den Eindruck gehabt: „Wir sind total anarchistisch und machen voll verrückte Sachen.“ Inzwischen gibt es auf Youtube professionelle Netzwerke, Werbetreibende. Es ist sehr viel mehr Geld im Umlauf. Youtube hat sich in den vergangenen Jahren deutlich professionalisiert.

WirHier: Ist das gut oder schlecht?

Krachten: Ich finde das positiv. Weil auch Dinge wie zum Beispiel rechtliche Grundlagen durch diese Professionalisierung besser eingehalten werden. Ich hoffe auch, dass durch dieses Mehr an Geld zukünftig bessere Inhalte auf Youtube entstehen können. Wenn man sich im Vergleich zu deutschen Inhalten die Inhalte der Amerikaner anguckt, dann gibt es bei uns noch viel Luft nach oben.

WirHier: Weltweit werden pro Minute 300 Stunden Videomaterial auf Youtube hochgeladen. Ist der Markt nicht langsam übersättigt?

Krachten: Im Gegenteil: Das ist erst der Anfang! Der Markt von Beauty-Youtubern, die vor pinken Hintergründen sitzen und erklären, wie man sich Smokey-Eyes schminkt: Der ist vermutlich gesättigt. Aber ansonsten ist da noch viel Platz. Die Sehzeit von Onlinevideos und Fernsehen ist noch lange nicht gleich. Wie viele Videos lädt eine Bibi denn in der Woche hoch? Da gibt es noch viel mehr Möglichkeiten.

WirHier: Löst Youtube das Fernsehen langfristig ab?

Krachten: Ich bin überzeugt, dass das Onlinevideo das klassische Fernsehen ablösen wird. Alles, was man on demand gucken kann, wird man auch on demand gucken. Der Trend ist doch heute schon absehbar: Wir haben Netflix-Abos und gucken Sendungen auf RTLnow. Und zwar dann, wenn wir wirklich Zeit dafür haben. Die Zeit von linearem Fernsehen ist längst vorbei.

WirHier: Also brauchen wir bald keine Fernseher mehr.

Krachten: Doch. Aber nur da, wo lineare Übertragung Sinn ergibt: bei Sport-Weltmeisterschaften, den olympischen Spielen, der Bundesliga.

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