„Das Energeticon muss viel präsenter werden“

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Aufgereihte Grubenlampen des ehemaligen Steinkohlebergwerks Anna II in Alsdorf. Vor rund einem Jahr ist auf dem alten Zechengelände eine Museumslandschaft entstanden. Für das museale Konzept hat das Energeticon jetzt einen Designpreis gewonnen. Foto: Sigi Malinwoski
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In der Schwarzkaue: Zwei Säulenreihen, Bänke, fast wie in einem Kirchenschiff. Unter der Decke hängen Drahtkörbe für die Bergmannskleider. Foto: Schaum

Alsdorf. Mit internationalen Preisen ist Alsdorf bislang sicherlich nicht überhäuft worden, umso aufsehenerregender ist da die Nachricht, dass das Alsdorfer Energeticon mit dem „One Show Merit Award“ ausgezeichnet wurde – einem Designpreis von großem Renommee.

Rund 20.000 Bewerbungen aus rund 60 Ländern waren eingereicht worden. Maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt war Alexandra Vassilakou, Ausstellungsgestalterin des Ateliers Brückner (AtB) aus Stuttgart, das mit dem Projekt betraut war. Verena Müller sprach mit ihr über die Anfänge, die Projektumsetzung und die noch anstehenden Aufgaben.

Hallo Frau Vassilakou. Ich habe gehört, Sie haben im Moment viel um die Ohren. Wie geht es Ihnen?

Alexandra Vassilakou: Danke gut. Das stimmt, wir müssen heute mehrere Ausschreibungen rausschicken, da ist es immer etwas stressig. Aber ich habe kurz Zeit.

Sie haben die Ausstellung im Energeticon maßgeblich gestaltet. Wann waren Sie zum ersten Mal auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Anna II und was war Ihr erster Eindruck?

Vassilakou: Das war im Juli 2011. Ich war sehr beeindruckt von dem Ort, weil er stark von der Geschichte geprägt ist. Und wenn man die Räume betritt, ist das schon sehr inspirierend: die Geschosshöhen, die Patina, alles, was die Räume von sich aus mitbringen.

Die Patina haben Sie bewusst so gelassen.

Vassilakou: Genau. Das ist eines der Prinzipien der Ausstellung.

Welche Ausstellungen haben Sie vorher gestaltet?

Vassilakou: Zum Beispiel das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln, das BMW-Museum in München und diverse kleinere Ausstellungen. Die genaue Zahl kann ich Ihnen gar nicht sagen.

Warum ist – innerhalb des Ateliers Brückner – die Wahl auf Sie gefallen, als das Energeticon anstand?

Vassilakou: Wir haben sehr viele Gestalter hier im Büro, ich bin aber auch Architektin. Und wenn man was mit Architektur machen will und zusammen mit anderen Architekten am Bestand arbeiten kann, passt das ganz gut. Klimawandel, Energiewende – das sind außerdem sehr aktuelle Themen, mit denen man viele Zielgruppen ansprechen kann. Das versuchen wir auch: von der Schulklasse bis hin zum Professor, der sich damit auskennt. Das hat mich interessiert.

Mit welchen Herausforderungen hatten Sie beim Energeticon zu kämpfen, was war das Besondere?

Vassilakou: Der Umgang mit dem Bestand und dem Ort an sich. Wie geht man mit den Gegebenheiten um, damit es funktioniert? Was lässt man weg? Wir haben beispielsweise im ersten Ausstellungsraum, dem Sonnenraum, eine Wand rausgenommen, weil er sonst zu klein gewesen wäre. Außerdem ist der Bergbau ein Thema der Ausstellung, da mussten die Wünsche des Bergbauvereins berücksichtigt werden, deren Eindrücke und Erlebnisse, einfach, was den ehemaligen Bergleuten wichtig war.

Hatten Sie direkt mit dem Verein zu tun?

Vassilakou: Nein. Der Kontakt lief über die Kuratorin Dr. Birte Hauser. Sie hat uns die Wünsche übermittelt. Direkt haben wir am meisten mit ihr, dem Geschäftsführer Harald Richter und dem Architekturbüro Böll aus Essen zusammengearbeitet.

Wenn man durch die Ausstellung geht, hat man das Gefühl: Um ein Bergbaumuseum wurde die Klammer „Sonne“ gesetzt. Ist dieser Eindruck falsch?

Vassilakou: Nein. Die Ausstellung hat aber tatsächlich das Thema „Von der Sonne – zur Sonne“. Es geht um Energie, die von der Sonne kommt. Wir haben bewusst die Kernenergie weggelassen. Wir wollen vermitteln: Ohne die Sonne geht es nicht. Wie fossile Energie gespeichert wird, ist zum Auftakt der Ausstellung inszeniert. Das Thema Solarenergie haben wir im zweiten Teil mit raumgreifenden, farbintensiven Elementen abgesetzt, um die Wende zu markieren. Warum ist die Energiewende notwendig? Wegen der Endlichkeit. Wir haben keine dreieinhalb Millionen Jahre Zeit zu warten, bis sich wieder Kohle gebildet hat.

Haben Sie alles aus Ihrem Konzept umsetzen können oder mussten Sie Streichungen vornehmen?

Vassilakou: Wir konnten weitestgehend alles realisieren. Was leider nicht möglich war, war, größere Exponate ins Foyer zu stellen. Die waren zu groß, zu schwer, das hätte das Gebäude nicht ausgehalten.

Ach, ist deshalb der riesige Bohrer draußen, am Ende der ersten Unter-Tage-Strecke aufgestellt worden?

Vassilakou: Ja, genau.

Aber das ist doch ganz gut gelöst?

Vassilakou: Ja, schon. Das ist auch nur ein Beispiel. Jetzt stehen ein paar der großen Exponate auf dem Außengelände, die wir lieber drinnen aufgestellt hätten.

Würden Sie denn heute irgendwas anders machen?

Vassilakou: Nein. Es ist wirklich eine tolle Ausstellung geworden.

Das fand die Jury des „One Show Merit Award“ auch. Bewerben Sie sich routinemäßig für Preise?

Vassilakou: Ja, tatsächlich. Wenn wir von einem Projekt überzeugt sind – und das sind wir immer –, bewerben wir uns.

Wie hat die Jury ihren Beschluss begründet?

Vassilakou: Wir haben den Preis in der Kategorie „Design - Experiences/Indoor“ erhalten. In dieser Rubrik gab es geschätzt 2000 weitere Bewerber, insgesamt für den Preis sogar 20.000. Welche Details letztlich ausschlaggebend waren, weiß ich nicht.

Vor einer Woche waren Sie im Energeticon. Was fehlt noch?

Vassilakou: Die Außenwerbung fehlt. Das Energiemuseum muss einfach präsenter sein, im Netz, regional. Es gibt keine Beschilderung ab der Autobahn und auch nicht im Ort. Man kommt ja nicht so daran vorbei.

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