Das älteste „Gesicht” der ganzen Region

Von: Gerd Korinthenberg
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Sensationsfund in Merzenich (Kreis Düren): In einer jungsteinzeitlichen Siedlung haben Archäologen die Darstellung eines Menschen gefunden. Das 5,5 Zentimeter hohe Tonköpfchen ist in einer Abfallgrube zutage gekommen, erklärten Archäologen am Dienstag in Bonn. Links ist das dazugerhörige Ärmchen der Figur zu sehen, die zwischen 5090 und 5050 v. Chr. entstanden sein soll. Foto: dpa

Bonn/Merzenich. Der kleine Tonkopf hat einen kahlen Schädel, winzige Ohren, Stupsnase und Knopfaugen: Wirklich Ehrfurcht gebietend ist hingegen das Alter des Figürchens, das Archäologen jetzt in einer Siedlung aus der Jungsteinzeit bei Merzenich in Nordrhein-Westfalen entdeckt haben.

Das 5,5 Zentimeter hohe Tonköpfchen, Bruchstück einer größeren Menschendarstellung, sei bei der Ausgrabung einer Abfallgrube zutage gekommen, sagten Archäologen in Bonn.

Mit der Hilfe der Baumring-Datierung von Holzfunden und Keramikscherben aus der Steinzeit-Siedlung könne „der ganz außergewöhnliche Fund” sehr genau auf die Zeit zwischen 5090 und 5050 v. Chr. bestimmt werden, erklärte einer der Ausgräber. Damit sei das grau-schwärzliche Köpfchen als Fragment einer vielleicht 30 Zentimeter großen Kultfigur „das älteste Gesicht im Nordwesten Deutschlands”.

Während Gefäßscherben oder Steinwerkzeuge aus der Steinzeit-Epoche der „Bandkeramiker” nur den Alltag der damaligen Menschen sichtbar machten, „öffnet uns dieser Fund ein Fenster in die Gedankenwelt der ersten Bauern Mitteleuropas”, erklärte der Fachwissenschaftler für Vorgeschichte am Rheinischen Landesmuseum Bonn, Ralf W. Schmitz: „Es ist eine absolute Rarität”.

Das ebenfalls entdeckte Bruchstück eines kleinen Armes lege die Vermutung nah, dass die kompakt modellierte Tonfigur ursprünglich eine Opferschale gehalten habe. Möglicherweise sei sie in einem der 64 ausgegrabenen Häuser von Merzenich („Eine der bedeutenderen Siedlungen der Jungsteinzeit im Rheinland.”) als Schutz-Idol aufgestellt gewesen.

Steinzeit-Experte Schmitz spekuliert: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass in dem Ton auch menschliche Knochenstückchen eingeschlossen sind.” Geplante Durchleuchtungen mit dem Computer-Tomographen und chemische Analysen sollen hier Klarheit bringen, sagten die Wissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Zwischen Ungarn und Ostfrankreich sind nach Angaben der Experten rund 100 vergleichbare jungsteinzeitliche Mini-Kunstwerke gefunden worden, die allesamt nach dem wohl religiösen Brauch vermutlich absichtlich zerbrochen worden sind. Das Köpfchen aus der Voreifel, das derzeit in einem sicheren Museumsdepot gehütet wird, soll erstmals ab 2010 in der Archäologischen Landesausstellung in Köln und Herne öffentlich gezeigt werden.
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