Aachen/Gillrath - Damit Sie am Steuer wissen, was Sie tun

Damit Sie am Steuer wissen, was Sie tun

Von: Christina Diels
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Verantwortungsbewusst am Steuer? Ältere Menschen sollten regelmäßig prüfen, ob Sie noch fit genug sind für die Teilnahme am Straßenverkehr und Hilfen nutzen. Foto: blickwinkel
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Unter Anleitung: Polizeihauptkommissar Lambert Roob (r.) zeigt einem Teilnehmer in einem Verkehrssicherheitsseminar für Senioren in Gillrath, wie die perfekte Sitzposition im Auto aussieht. Foto: Christina Diels

Aachen/Gillrath. Nicht mehr lange Strecken fahren, das ist vernünftig. Nicht bei Dunkelheit hinters Steuer setzen auch. Nicht bei schlechtem Wetter fahren ebenso. Aber ganz auf das Auto verzichten? Das will kaum ein Verkehrsteilnehmer, der sein ganzes Leben lang Auto gefahren ist.

 Wissen ältere Verkehrsteilnehmer, was sie tun am Steuer? Viele passen mit zunehmendem Alter ihr Fahrverhalten an und sind rücksichtsvoll. Doch wenn die körperlichen Einbußen schleichend kommen, wissen sie nicht mehr, was sie tun. Fragen und Antworten zum Thema Verkehrssicherheit im Alter.

Was ist ein sicheres Zeichen dafür, dass man sich nicht mehr hinter das Steuer eines Wagens setzen sollte?

Die Zeichen sind nicht immer eindeutig. „Am einfachsten ist es bei der Sehfähigkeit zu bestimmen“, sagt Burkhard Gerkens vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. „Der Augenarzt kann eindeutig feststellen, wann man das Autofahren aufgeben sollte.“ Eine Brille kann fehlende Sehschärfe korrigieren, aber: „Sie hilft nicht gegen die langsam einsetzende Blendeempfindlichkeit und das Nachlassen des Dämmerungssehens“, sagt Gerkens. Auch die Umstellung von hell auf dunkel dauere länger. Im Bezug auf Reaktionsfähigkeit und Beweglichkeit sind die Zeichen schwerer zu deuten. Auch hier könne ein Arzt Rat geben oder ein Fahrlehrer, mit dem man im öffentlichen Straßenverkehr eine Probefahrt unternimmt. Gerkens spricht auch die nachlassende Beweglichkeit an. „Der Schulterblick fällt nicht mehr so leicht oder gelingt nicht mehr“, sagt er. „Problematisch ist diese Entwicklung, weil sie langsam erfolgt und vom Betroffenen kaum oder gar nicht wahrgenommen wird. Letztlich muss der Fahrer selbst entscheiden, wann er das Auto stehen lässt.“

Kann man sich denn darauf verlassen, dass ein Fahrer sein Auto stehen lässt, wenn er körperlich oder geistig nicht mehr leistungsfähig ist?

Gerkens geht davon aus, dass die meisten das verantwortungsbewusst tun. „Sonst sähe die Unfallstatistik für die älteren Fahrer nicht so positiv aus“, sagt er. Handlungsbedarf sieht er trotzdem. „Da die Fähigkeiten schleichend nachlassen, schätzt sich eine Mehrzahl der Senioren besser ein, als sie objektiv sind.“ Wolf Peterhänsel, Fahrlehrer und Verkehrsberater, sagt: „Ab 75 Jahren ist es schon so, dass sie sehr häufig Unfallverursacher sind. Aber natürlich ist 75 nicht gleich 75. Das kalendarische und das biologische Alter sind sehr unterschiedlich.“

Was hilft, die eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen?

„Ein Training ist eine gute Möglichkeit, seine eigenen Fähigkeiten gefahrlos testen zu können“, sagt Gerkens. Die Senioren könnten lernen, was sich im Laufe der Jahre an Regeln geändert hat. Und sie könnten ihre Erfahrungen in der Runde austauschen. Er empfiehlt regelmäßige Gesundheitschecks und Trainings, bei denen man seine Fähigkeiten bewusst erleben kann. Peterhänsel rät Menschen, Hausarzt und Familie zu Rate zu ziehen bei der Einschätzung ihrer Fahrtüchtigkeit. Polizeihauptkommissar Lambert Roob, der Verkehrssicherheitsseminare im Kreis Heinsberg hält, rät zu jährlichen Kontrollen. „Und wenn ich merke, ich werde schwächer, muss ich das ausgleichen.“

Reagieren Senioren in Gefahrensituationen langsamer als jüngere Verkehrsteilnehmer?

Gerkens bestätigt, dass die nachlassende Reaktionsfähigkeit im Alter die Fahrtüchtigkeit einschränkt. Leichtsinnig sind Senioren nicht. Betrachtet man die Unfälle, in die Senioren verwickelt sind, deuten die Ursachen auf altersbedingte Einschränkungen der Wahrnehmungsfähigkeit hin. Zu diesem Schluss kommt das Statistische Bundesamt in seiner Statistik der „Unfälle von Senioren im Straßenverkehr 2011“. „Ältere Menschen verlieren in komplexen Situationen schneller den Überblick als Verkehrsteilnehmer der jüngeren Altersgruppe“, heißt es. Häufigste Unfallursache bei Senioren, die älter als 65 sind, seien „Vorfahrtsfehler“, gefolgt von „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“.

Bei rund 16,9 Millionen Personen im Alter von mindestens 65 Jahren in Deutschland (2011) lag der Anteil an der Gesamtbevölkerung bei 20,6 Prozent, als Beteiligte an Unfällen mit Personenschaden bei „nur“ 11,8 Prozent, heißt es im Bericht. Aus dieser unterproportionalen Unfallbeteiligung könne aber nicht geschlossen werden, dass ältere Fahrer die sichereren Fahrer sind. Sie spiegele in weiten Teilen deren geringere Verkehrsteilnahme als Fahrzeugführer wider.

Reicht es, mit zunehmendem Alter langsamer zu fahren?

„Eine Verlangsamung ist sicher die erste und richtigste Maßnahme“, sagt Gerkens. Außerdem empfiehlt er, Fahrten in der Dunkelheit, im Stoßverkehr und mit erhöhter Geschwindigkeit zu vermeiden. „Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalte- und Bremsassistenten können auch helfen. Aber man sollte sich nicht nur auf die Ingenieurkunst der Autobauer verlassen, sondern auch an sich selbst arbeiten.“

Warum ist ein Sicherheits- oder Fahrtraining für Senioren sinnvoll?

„Wir wollen die Menschen sensibilisieren“, sagt Polizeihauptkommissar Roob. Und zwar dafür, dass sie merken, wenn sie nicht mehr fit genug sind für den Straßenverkehr und freiwillig verzichten.

Wie kann denn ein Fahrtraining noch helfen, wenn die Reaktionsfähigkeit nicht mehr gegeben ist?

„Trainings allein sind kein Allheilmittel“, sagt Gerkens. „Aber im Zusammenspiel mit Gefahrenvermeidung und technischen Hilfen sicher ein gut geeignetes Mittel.“ Und in den Trainings lernen die Teilnehmer, wie sie technische Hilfen sinnvoll einsetzen können.

Wie können Senioren geistige und körperliche Einschränkungen ausgleichen?

Gerkens empfiehlt neben Gymnastik, Radfahren und Wandern für die körperliche Beweglichkeit vor allem auch die geistige Beweglichkeit zu trainieren. „Fit im Kreuzworträtsel-Lösen zu sein, reicht allerdings nicht aus.“ Roob will seinen Teilnehmern vor allem eines vermitteln: Ältere Menschen sollten Ruhe bewahren, langsam fahren und gut gucken. „Und ein höher gelegtes Fahrzeug kann helfen, besser den Überblick zu bewahren“, sagt er. Außerdem empfiehlt er: besser zu verkehrsarmen Zeiten fahren und ruhige Parkzonen suchen. Gerade bei Unfällen beim Parken seien häufig Senioren beteiligt. Und wer auf dem Rad unterwegs ist: „Wenn eine Situation zu komplex ist, sollten Sie absteigen“, empfiehlt Roob.

Was ist zu beachten, wenn Senioren vom Auto aufs Rad umsteigen?

„Wer nicht mehr in der Lage ist, aus gesundheitlichen Gründen einen Pkw zu führen, kann in der Regel auch nicht auf das Rad umsteigen“, sagt Gerkens. Darum solle man rechtzeitig den ÖPNV kennenlernen, um im Bedarfsfall mobil zu bleiben.

Wann ist ein Fahrverbot sinnvoll?

Für Gerkens ist das der Fall bei Krankheiten, die die Fahrfähigkeit in gefährlichem Maß einschränken wie etwa fortgeschrittener Demenz. Peterhänsel ist gegen ein generelles Verbot. Und auch gegen verpflichtende, regelmäßige Gesundheitschecks ab 70. Viele 70-Jährige führen nur noch auf bekannten Strecken und nicht mehr so schnell wie früher, und sie vermieden es, im Dunkeln unterwegs zu sein. „Der erfahrene Kraftfahrer schränkt seine Fahrten so ein, dass er sicher damit umgehen kann. Natürlich lässt die Reaktions-, Seh- und Hörfähigkeit im Alter nach, aber das Plus der Erfahrung steht dem Gegenüber“, ist er überzeugt.

Ist es gerecht, dass Kfz-Versicherungen teils für Senioren aufschlagen?

Gerkens verweist auf die Statistik: „Sie zeigt, dass Fahrer im Alter über 75 Jahren öfter schuldhaft in Unfälle verwickelt sind als Fahrer unter 75 Jahren. Ob das eine Steigerung der Versicherungsprämie rechtfertigt, kann ich nicht beurteilen“, sagt er. Eine klare Meinung hat dagegen Thosten Rudnik, Chef des Bundes der Versicherten (BdV): „Das ist eine Form von Altersdiskriminierung.“ Wenn Beiträge fast verdoppelt würden, grenze das an ein Fahrverbot durch die Hintertür. „Aufschläge für Senioren sind bei Kfz-Versicherern seit wenigen Jahren gängige Praxis“, sagt Unternehmensberaterin Ivana Höltring. Senioren gelten als Risiko, sie seien bei Unfällen überdurchschnittlich oft hauptschuldig. Das lasse die Kfz-Prämie ab 60 Jahren eskalierend steigen. Im Prinzip sei das gerechtfertigt, sagt sie. Ob das auch für das Ausmaß der Aufschläge gilt, sei eine andere Frage.

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