Aachen - Dachkammer wurde zur tödlichen Falle

Dachkammer wurde zur tödlichen Falle

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Feuer Lütticher
Die drei beim Brand in Aachen gestorbenen Kinder haben mit dem Feuer gespielt und so die Katastrophe ausgelöst. Darauf deute alles hin, erläuterte die Polizei am Freitag das Ergebnis von Sachverständigen. Foto: dpa

Aachen. Die drei kleinen Jungen waren alleine in ihrem Zimmer, als einer zu zündeln anfing. Irgendetwas in der Nähe eines Bettes fing Feuer, die Flammen griffen auf das Bett und dann auf andere Möbel über.

Die Jungs im Alter von zwei, vier und fünf Jahren flohen auf den Flur und dann - fatalerweise - über die Treppe nach oben ins Dachzimmer und nicht nach unten, wo ihre Eltern waren und sie gerettet gewesen wären.

So oder jedenfalls so ähnlich hat sich die Tragödie in dem Haus im Aachener Stadtteil Preuswald abgespielt, bei der am Mittwoch ein Ehepaar drei seiner sechs Kinder verlor. Davon sind die Ermittler überzeugt. Der Vater hatte noch verzweifelt versucht, mit einem Feuerlöscher zu seinen Kindern vorzudringen. Aber vergeblich. Die Dachkammer wurde zur tödlichen Falle, obwohl die Rettungskräfte „sehr schnell”, so die Polizei, an der Unglücksstelle eintrafen.

Exakt sieben Minuten habe dies von der Alarmierung an nur gedauert, erklärt Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff. Und er tritt energisch der Frage entgegen, die aktuell in Internetforen die Runde macht - nämlich warum man nicht die Feuerwehr im direkt benachbarten belgischen Kelmis alarmiert habe. Die dortigen Retter haben zwar einen deutlich kürzeren Anfahrtsweg als die Aachener Kollegen von ihrer Wache Nord oder der Hauptwache aus, doch handelt es sich hinter der Grenze um eine freiwillige Feuerwehr. Die Kollegen hätten keine Bereitschaft wie die Berufsfeuerwehr und müssten erst mobilisiert werden, sagt Wolff: „Die wären erst zehn Minuten nach uns da gewesen.”

Das Bewusstsein, dass sie den Kindern trotz allen Einsatzes nicht helfen konnten, dazu die schrecklichen Bilder von der Unglücksstelle, die immer wieder vor Augen treten - all das belastet die Rettungskräfte sehr. „Einige haben daran wirklich zu knabbern”, sagt der Feuerwehrchef, diverse Kollegen würden psychosoziale Unterstützung in Anspruch nehmen. „Das geht gar nicht anders.”

Derweil reißt die Welle der Hilfsbereitschaft für die ebenfalls schwer traumatisierten Eltern nicht ab. Das Mundarttheater „Alt-Aachener Bühne” kündigt zum Beispiel an, den Erlös seiner Vorstellung am Sonntag den Brandopfern zu spenden. Und etliche Bürger melden sich in der Redaktion und bei der Stadt und wollen der Familie mit Sachspenden helfen - von der Babykleidung bis zur Waschmaschine. Letzteres birgt jedoch logistische Probleme. Denn noch ist nicht klar, wann und wo die Familie, die zurzeit bei Bekannten untergekommen ist, eine neue Bleibe findet. Ebenso weiß noch niemand, was dann im Detail benötigt wird. „Wir bitten deshalb alle, die Sachspenden abgeben wollen, um etwas Geduld”, sagt Rita Klösges vom städtischen Presseamt. Erst müssen die Eltern, die auch seelsorgerisch betreut werden, zur Ruhe kommen. Finanzielle Hilfe wird die Familie aber sicher benötigen.

Spendenkonto für die Familie

Das Hilfswerk „Menschen helfen Menschen” unserer Zeitung hat ein Spendenkonto (Konto 776666 bei der Sparkasse Aachen BLZ 39050000) für die Familie aus Aachen eingerichtet.

Unter dem Verwendungszweck „Brandopfer” werden ab sofort ausschließlich Geldspenden angenommen. Das Geld wird der Familie ohne Abzüge und so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt. Wir werden von Zeit zu Zeit dokumentieren, wofür die Spendengelder verwendet worden sind.

„Menschen helfen Menschen” unterstützt seit 1984 Menschen aus unserer Region, die unverschuldet in Not geraten sind.
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