Cosplay: Verkleidungs-Trend in Perfektion

Von: Lee Beck
Letzte Aktualisierung:
7296959.jpg
Rund 45 Kostüme hat Lani Riddle aus Aachen schon genäht. Die Vorbilder für die Verkleidung stammen aus Film, Manga, Musicals und Zeichentrickfilmen. Fotos (2): Laura Beemelmanns Foto: Laura Beemelmanns
7295939.jpg
Von Kopf bis Fuß Foto: Laura Beemelmanns

Aachen. Manche denken, Lani Riddle heirate heute. Das weiße, lange Kleid passt ja – zumindest auf den ersten Blick. Denn eigentlich ist sie an diesem Frühlingstag in die Rolle von „Will of Abyss“ aus der Manga-Serie „Pandora Hearts“ geschlüpft. Cosplay nennt sich das außergewöhnliche Hobby der 25-Jährigen.

Bei Cosplay ahmt man verschiedene Rollen aus Manga, Film, Musical, Comic oder auch Zeichentrick nach. „Es geht dabei nicht nur um das Kostüm, sondern auch darum, die Rolle richtig zu verkörpern“, sagt sie und blinzelt mit ihren weiß geschminkten Augenlidern.

Von oben bis unten ist sie heute perfekt durchgestylt, auch die richtigen Posen beherrscht sie aus dem Stegreif. „Jedes Kostüm hat einen anderen Reiz, aber ich suche mir Charaktere, die zu mir passen“, sagt Riddle. Sie ist ein aufgeschlossener und freundlicher Mensch und ihr Herz schlägt für das Kreative: In Maastricht hat die junge Frau visuelle Kommunikation studiert, derzeit arbeitet sie als Illustratorin und außerdem ist Riddle Mitorganisatorin von Aachens erstem Comicfestival, Comiciade, das am 4. April beginnt.

Insgesamt hat die Cosplayerin rund 45 Kostüme im Schrank hängen, die sie alle selbst genäht hat. Ihr Lieblingskostüm ist das des Disney-Stars Rapunzel. „Das bin einfach ich, das wusste ich schon, als ich den Film das erste Mal gesehen habe“, sagt sie begeistert. Trotzdem vermischt sich das Hobby nicht mit ihrer Realität.

Rapunzel hat sie auch am Wochenende in London bei der „Super Costume Championship“ verkörpert. Bei dem Wettbewerb ist sie zwar vor dem Finale ausgeschieden, aber trotzdem glücklich, dabei gewesen zu sein.

Das Rapunzelkostüm hat sie für die Veranstaltung noch einmal neu genäht. Denn über die Jahre ist die 14 Meter lange Haarpracht verfilzt. „Sie sahen aus wie eine einzige große Dreadlock“, meint die Cosplayerin. Für die neuen Haare hat sie sich mehrere Perücken aus Hongkong bestellt und diese aneinandergenäht. Insgesamt hat sie eine Woche am Schreibtisch gesessen und genäht.

300 Euro musste Riddle in das Kostüm investieren, damit jedes noch so kleinste Detail exakt so aussieht wie im Film. Um sich das leisten zu können, näht sie auch für andere Cosplayer Kostüme, die mitmachen, aber selbst nicht nähen können. Auf Facebook hat ihre Seite „Riddle Costumes“ schon mehrere hundert Anhänger. Doch das Nähen ist nur die halbe Arbeit, denn um Rapunzel perfekt präsentieren zu können, muss sie noch eine Performance für die Jury einstudieren. In London hat sie Rapunzels Geschichte innerhalb von zwei Minuten präsentiert. „Insgesamt habe ich den Film auf Englisch und auf Deutsch dafür vielleicht so 80 Mal angeschaut“, sagt Riddle über die Vorbereitung. „Ich war ziemlich erleichtert, dass ich ein Audiotape vorher einreichen konnte, auf Englisch ist das Ganze dann doch etwas schwieriger“, sagt sie. Denn die Aufregung war seit mehreren Wochen ein täglicher Begleiter.

Während Lani Riddle so begeistert von ihrem Hobby erzählt, fragt man sich immer wieder, wie man eigentlich zu einem Cosplayer wird. „Ich habe schon früh, mit fünf oder sechs Jahren, damit angefangen. Damals liefen die Serien Sailor Moon und Cats Eyes im Fernsehen“, sagt Riddle. Mit einer Freundin hat sie die Serien im Keller nachgespielt und sich mit den Aerobic-Klamotten ihrer Mutter verkleidet. „Meine Mutter ist Schneiderin und so bin ich dann auch zum Nähen gekommen.“

Mit 14 Jahren ging es dann zu den ersten Cosplay-Treffen in Düsseldorf und Köln. Das waren die Anfänge dieses Trends, heute knackt die Zahl der Cosplayer in Deutschland die 10 000er-Marke. Auch die zweite Generation Cosplay ist schon geboren, denn manche bringen ihre Kinder mit zu den Treffen. Bei den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig sind sie dabei und auch auf Comicmessen in ganz Deutschland unterwegs.

„Ich will aber eigentlich mehr in die internationale Richtung. In Holland und London war ich ja jetzt schon mal“, erzählt sie. Spätestens mit 30 möchte Lani Riddle die Leidenschaft ganz aufgeben: „Ich möchte dann gern mehr reisen oder Zeit für eine Familie haben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert