Corvette-Prozess biegt langsam auf die Zielgerade ein

Von: Wolfgang Schumacher
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Mercedes, Corvette und BMW: Gerhard H. muss sich wegen Untreue verantworten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer am Dienstag auch nur im Entferntesten daran gedacht hatte, der sogenannte Aachener Corvette-Prozess gehe rasant wie dieser Sportwagen in die Zielgerade, wurde enttäuscht.

Im juristischen Gerangel um die von den Ermittlungsbehörden angeklagten Untreuevorwürfe gegen den ehemaligen Aachener DRK-Geschäftsführer Gerhard H., 58 - er fuhr solche PS-Boliden als Dienstwagen und soll außerdem unzulässige Beraterverträge abgeschlossen haben -, gibt es statt eines Urteils vor der 8. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts einen weiteren Verhandlungstag.

Ein letzter Zeuge aus der Buchhaltung des Aachener DRK-Kreisverbandes soll am 8. April vor Richter Harald Brandt, dem Vorsitzenden der Kammer, aussagen. Erst dann können die Plädoyers in der schlagzeilenträchtigen Sache eines Managers in einem Sozialverband gehalten werden, der mit seiner Vorliebe für schnelle Autos den geballten Unmut der Aachener Ehrenamtler auf sich zog - und dem Spendenaufkommen des DRK einen heftigen Tiefschlag verpasste. Bis heute hat sich das DRK nicht davon erholt.

Am Dienstag saßen wieder zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter als Zuhörer im Saal. Sie kommentierten trotz Ermahnungen des Richters das Geschehen. Eine Zeugin, die als Buchhalterin im DRK tätig ist, wurde von Verteidiger Gottfried Reims penibel und nicht besonders charmant befragt.

Wieder ging es um die Stichhaltigkeit von Beraterverträgen, unter anderem eines in Amsterdam und im Kreis Aachen tätigen IT-Experten. Dieser war nach eigener Aussage eng mit dem ehemaligen DRK-Kreisvorsitzenden befreundet, der von jenen Verträgen profitiert hat und gegen den nach Rückzahlung der kassierten Summen inzwischen das Strafverfahren eingestellt wurde.

Nicht so gegen Geschäftsführer H., über dessen Schreibtisch die Beraterverträge gelaufen sein sollen. Doch die gestrige Zeugin konnte nicht belegen, dass die bezahlten Rechnungen des IT-Fachmannes keinen echten Leistungshintergrund besaßen.

Als selbst der scharfzüngige Anwalt Reims keine Fragen mehr fand und bereit war, die Beweisaufnahme schließen zu lassen, kamen jetzt Staatsanwalt Rolf-Hanno Gläsker Zweifel. Nun soll auf Antrag des Verteidigers durch den neuen Zeugen geklärt werden, ob die Überweisung der IT-Rechnungen mit oder ohne Anweisung des Angeklagten veranlasst wurde.
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