Aachen - Cordula Stratmann: Der Applaus ist nicht ihre Motivation

Cordula Stratmann: Der Applaus ist nicht ihre Motivation

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
10352018.jpg
Sie lacht gern und viel: Cordula Stratmann sagt, dass sie den Humor in den Genen hat. Sie unterhält Menschen eben gern. Witze hingegen erzählt sie nicht so gerne. Foto: Stock/Andre Polin

Aachen. Komikerin Cordula Stratmann ist wieder da, und das gleich doppelt. Sie feierte mit der Figur der Annemie Hülchrath in „Zimmer frei“ und später in der „Schillerstraße“ große Erfolge. Seit 2006 war sie von der Bildfläche verschwunden – zumindest von der Fernsehbildfläche.

Die 51-Jährige widmete sich ganz ihrem Sohn Emil und schrieb in ihrer Kölner Heimat Romane. In der neuen ARD-Comedyserie „Die Kuhflüsterin“ (freitags/18.50 Uhr) ist Stratmann ab kommendem Freitag als Tierheilpraktikerin zu sehen, die sich gern in das Leben der Dorfbewohner einmischt. Drei Wochen später zeigt ZDFneo die sechsteilige Sitcom „Ellerbeck“, ebenfalls freitags. Darin mimt Stratmann eine Kindergartenleiterin, die als Bürgermeisterin kandidiert.

Frau Stratmann, Sie sind bald in zwei neuen Serien zu sehen. Freuen Sie sich, wieder da zu sein?

Stratmann: So denke ich nicht. Ich freue mich aber über beide Serien, weil ich beide Ideen mochte. Vorher war ich ja aber auch da. Die Leute haben in dieser Zeit zwei Romane von mir bekommen. Irgendwas bekommen sie immer von mir. Ich habe ja das Glück, dass ich einen anderen Beruf als den „im Fernsehen zu sehenden Menschen“ auch noch ausüben darf, als Autorin.

Sie haben in „Ellerbeck“ und der „Kuhflüsterin“ erstmals nicht improvisiert, sondern hatten ein Drehbuch. War das spannend für Sie?

Stratmann: Ich war quasi Seriendebütantin. Es war für mich eine ganz tolle Schule, zwei unterschiedliche Serien mit zwei unterschiedlichen Teams drehen zu dürfen. Da habe ich in kurzer Zeit eine intensive berufliche Erfahrung gemacht. Zum ersten Mal habe ich ein ganz normales Schauspielerleben gelebt – und nicht das exklusive Cordula-Stratmann-Leben.

Lieben Sie die Abwechslung?

Stratmann: Ja, das kann man meinem Werdegang auch ziemlich deutlich ansehen.

Ist das geplant oder Zufall?

Stratmann: Ich plane das nicht. Ich bin immer begeistert von irgendeiner Idee, und dann begebe ich mich daran. Kreative Menschen machen ja meist viele unterschiedliche kreative Dinge, sonst wären sie ja Beamte geworden.

Nichts für Sie, oder?

Stratmann: Nee, das wäre wirklich nichts für mich. (lacht)

Aber in „Ellerbeck“ werden Sie Bürgermeisterin. Könnten Sie sich damit anfreunden?

Stratmann: Ach, da muss man so viele Kröten schlucken. Das wäre nichts für mich. Ich schaue lieber nach den Einflussmöglichkeiten, die ein Bürger so hat. Ich gehe selbstverständlich wählen. Und engagiere mich für den Verein „Rheinflanke“ in Köln.

Sind Sie politisch?

Stratmann: Ich bin ein politischer Mensch, obwohl ich gar nicht so genau weiß, ob es unpolitische Mensch geben kann. Ich halte es für selbstverständlich, dass mich mein Umfeld außerhalb meiner vier Wände interessiert. Ich bin ausgebildete systemische Familientherapeutin. In meinem Denken ist eingepflanzt, dass alles miteinander verknüpft ist. Und das Kleine mit dem Großen und das Große mit dem Kleinen zusammenhängt. Insofern kann ich gar nicht anders, als ein politischer Mensch zu sein.

Vermissen Sie denn Ihren alten Job?

Stratmann: Ich habe bis heute die Verbindung gehalten, etwa zu den Menschen, die diese Arbeit nach wie vor machen. Außerdem bin ich bei einem sozialen Unternehmen in Köln Mitglied und informiere mich regelmäßig darüber, wie Sozialarbeit heute sein muss. Es gibt keinen glatten Schnitt. Es gehört zu meinem Leben, dass ich mich als Sozialarbeiterin und Familientherapeutin für die Welt interessiere.

Waren Sie als Therapeutin auch schon lustig?

Stratmann: Ich war bei meiner früheren Arbeit Komikerin und bin bei meiner heutigen Arbeit Therapeutin. Wahrscheinlich trifft es das.

Wie schwer ist es, lustig zu sein?

Stratmann: Für mich nicht besonders. (lacht) Ich habe es in den Genen. Ich mache mir mit meiner Art selbst mein Leben schöner. Das hat zur Folge, dass ich andere Leute unterhalte, schon immer. Ich habe nie das ganz große Publikum gesucht.

Sie sind aber auch nicht böse, dass Sie es gefunden haben.

Stratmann: Ja, genau so ist es. Natürlich ist das schön. Aber ich bin nicht getrieben davon. Ich bin genauso gut im Unterhalten, wenn ich eine kleine Zuschauerschaft habe, und gar nicht selten unterhalte ich mich ganz allein. (lacht)Ich lasse mich auch gern unterhalten, bin dankbar, wenn andere die Staffel mal übernehmen.

Sie sind also keine Rampensau?

Stratmann: Ich brauche nicht täglich Applaus, um mich wohlzufühlen.

Was reizt Sie denn besonders an Ihrem Beruf oder all ihren Berufen?

Stratmann: Ich bin im Hauptberuf Geschichtenerzählerin: mal vor der Kamera, mal in meinem Stübchen ganz alleine in Schriftform. Und ich liebe das total. Ich mag auch die Ruhe, mit der das verbunden ist. Dass Geschichten mich bewegen, zeigt auch meine Entscheidung vor vielen Jahren, Sozialarbeiterin zu werden. Ich habe mich immer für Lebensgeschichten, für Biografien interessiert. Wie das Leben so spielt – das ist ja eine große Geschichte. Mit jedem neuen Leben beginnt eine neue Geschichte. Das ist der Dreh- und Angelpunkt des Daseins.

Wie spannend ist die Geburt des eigenen Sohnes?

Stratmann: Ja, das ist in meinen Augen die spannendste Geschichte, die man erleben kann.

Sind Sie ein Familienmensch?

Stratmann: Dass Familie am wichtigsten ist, ist so klar wie eins und eins zwei sind. Wir starten alle in einer Familie, egal in welchem Verhältnis wir leben. Patchworkfamilie, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Alleinerziehende, mit oder ohne Kind: egal. Familie ist unsere Startpunkt ins Leben. Und ein Kind ist dabei ein ganz eigenes Kapitel.

Sind Sie als Therapeutin auch Expertin in der eigenen Familie?

Stratmann: Grundsätzlich ist man, wenn man persönlich betroffen ist, nie mit so einer Weitsicht gesegnet, wie wenn man andere ansieht. (lacht) Ich sehe manchmal auch ganz schön blöd aus an der Ampel, wenn ich meinen Sohn anmotze.

Und das als Therapeutin...

Stratmann: Ja nun. Wir sind alle Menschen. In eigener Sache ist man oft nicht der Profi, sondern Dilettant. Aber ich habe wahrscheinlich eine andere Übung darin, mich selbst zu beobachten oder aus einer Situation herauszugehen, um noch einmal neu anzusetzen. Deeskalation habe ich als Therapeutin sehr gründlich gelernt. Das muss man draufhaben, wenn man mit strittigen Familien arbeitet. Insofern befinde ich mich nicht lange in einem Streit. Aber manchmal werde ich eben auch lauter oder bin gereizt oder weiß gerade nicht, was die richtige Antwort ist.

Wann waren Sie das letzte Mal in so einer Situation?

Stratmann: Wahrscheinlich vor fünf Minuten. (lacht) Das kommt und geht.

Sie werden in viele Interviews gefragt, ob Sie einen Witz erzählen können. Legen Sie sich inzwischen einen parat?

Stratmann: Das sollte ich vielleicht tun. Ich hoffe aber, dass schnell die nächste Frage kommt. Ich bin jetzt nicht so die Pointenlieferantin, sondern wie gesagt eher eine Geschichtenerzählerin. Mittlerweile nenne ich mich gern Komödiantin.

Genauso unweigerlich kommt die Frage nach der in Köln lebenden Düsseldorferin...

Stratmann: Das ist aber genauso wie nach einem Witz zu fragen. Ich bin jedem Einzelnen dankbar, der das nicht wieder anspricht. Ich denke, dass ich überall hinpasse, wo Leute wissen, dass man mit Humor besser lebt, als ohne. Das kann auch Sachsen sein. Ich finde auch nicht, dass der Kölner den Witz gepachtet hat.

Das glaubt ja auch eigentlich nur der Kölner.

Stratmann: (lacht) Ja, aber wir teilen uns das im Rheinland ganz gut auf. In Düsseldorf gibt es den gleichen Typ Supermarktkassierer wie in Köln. Ach Mensch, jetzt habe ich doch auf diese Frage geantwortet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert