Aachen - Conterganopfer drohen mit Klagewelle

Conterganopfer drohen mit Klagewelle

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Das Schlafmittel Contergan, das 1957 auf den Markt kam und Missbildungen bei Neugeborenen verursachte. Mehrere Conterganopfer-Verbände haben zum Jahreswechsel eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, um ihre Forderungen nach zivilrechtlichen Entschädigungszahlungen durchzusetzen.

Aachen. Das Hungerstreikkomitee deutscher Conterganopfer hat am Dienstag die Verhandlungen mit der Firma Grünenthal für gescheitert erklärt und droht nun mit einer Klagewelle.

Das Komitee hat laut eigener Aussage seit November 2009 mit dem Unternehmen aus Stolberg und Aachen über Schadenersatz verhandelt. Es seien zahlreiche neue Dokumente aufgetaucht, die den Ursprung von Thalidomid, die Grundsubstanz von Contergan, in der NS-Zeit belegen. Ferner sei das Komitee im Besitz weiterer Unterlagen, die Grünenthal „schwerstens belasten”. Demnach sie die Gefährlichkeit des Wirkstoffs bereits frühzeitig bekannt gewesen. Diese Dokumente und die Anfang des Monats gestellte Strafanzeige gegen zwei Staatsanwälte des Alsdorfer Conterganprozesses seien von der Stolberger Firma jedoch ignoriert worden.

Eine Grünenthal-Sprecherin habe indes mitgeteilt, dass ein Dialog mit dem Hungerstreikkomitee erst nach der Neuwahl des Bundesvorstandes des „Bundesverbands der Contergangeschädigten” fortgesetzt werde. „Das legt die Vermutung nahe, dass hier ohne Legitimation kurzfristig und hinter verschlossenen Türen Absprachen zum Nachteil der deutschen Conterganopfer getroffen werden sollen”, heißt es seitens des Komitees. Man werde deshalb „umgehend angemessene legale Maßnahmen ergreifen”.

„Uns ist der offene und vertrauensvolle Dialog mit den Contergan-Betroffenen wichtig, denn Contergan ist und bleibt Teil unserer Firmengeschichte. Der Bundesverband der Contergan-Betroffenen ist und bleibt dabei unser wichtigster Ansprechpartner”, verdeutlichte Grünenthal in einer Presseerklärung.

Durch die schädlichen Nebenwirkungen des Beruhigungsmedikaments Contergan, das den Wirkstoff Thalidomid enthält, war es zu Missbildungen bei rund 10.000 Säuglingen weltweit gekommen. Nach massivem öffentlichen Druck zog der Hersteller Grünenthal das Mittel rund vier Jahre nach der Markteinführung am 27. November 1961 zurück.

Das Stolberger Pharmaunternehmen hat indes 50 Millionen Euro in die Contergan-Stiftung eingezahlt. Zuvor hatte die Bundesregierung eine Summe in gleicher Höhe an die Stiftung gezahlt. Contergan-Geschädigte erhalten das Geld in Form von monatlichen Renten und jährlichen Einmal-Zahlungen je nach Grad der Behinderung.
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