Comiczeichner Alfred Neuwald schwärmt von seinem Beruf und von Aachen

Von: Bernd Büttgens
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Sein großer Erfolg ist der kleine Karl: Der Aachener Comiczeichner Alfred Neuwald erfährt auf den sympathischen Mini-Kaiser, der am liebsten Printen mampft, eine schöne Resonanz. Foto: Bernd Büttgens
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Sein großer Erfolg ist der kleine Karl: Der Aachener Comiczeichner Alfred Neuwald erfährt auf den sympathischen Mini-Kaiser, der am liebsten Printen mampft, eine schöne Resonanz. Foto: Bernd Büttgens

Aachen. Er kommt aus Hamburg. Nordlicht, Großstädter, Hanseat. Doch heute, nach 30 Jahren fern der Geburtsstadt, sagt er: „Ich bin Aachener.“ Europastädter, Rheinländer. Auf der Emotionsschiene ist das ein großer Schritt, eine Transformation, aber Alfred Neuwald nimmt man gerne ab, dass er den Sprung locker geschafft hat.

Und wer noch Zweifel daran hat, dass der Comiczeichner mit dem flotten Federstrich und der kessen Lippe in der Kaiserstadt angekommen ist, dem sei sein jüngster und derzeit liebster Spross ans Herz gelegt: Karl der Kleine ist die Comicfigur, auf die man in Aachen gewartet hat. Ein nettes Blaublut mit Bart, güldener Krone und rotem Umhang, der zwei Dinge über alles liebt: Printen und Aachen!

Wenn Neuwald über den kleinen Kaiser spricht, hat er immer ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. „Ich bin sehr glücklich mit der Entwicklung“, sagt der Zeichner, während er die letzten Striche einer Karl-Episode auf dem Zeichentablet zieht. Der klassische Zwei-Bild-Comicstrip, wie man ihn aus der regelmäßigen Veröffentlichung in Zeitungen kennt – in unserer Zeitung etwa der Hägar – ist auch die Basis für Karl den Kleinen. „Aachen ist eine so großartige Fundgrube für einen Comic“, schwärmt Neuwald und blättert in seinem Karlsbuch „Stadt der Printen“. Knapp 100 Strips führen den kleinen Kaiser durch die Stadt, die er im Übrigen nie verlässt. Orte sind gut zu erkennen, Dom, Rathaus, Elisenbrunnen, Ponttor, die Archäologische Vitrine – mit Karl und seinen Freunden geht es in diesem auf ein erwachsenes regionales Publikum zugeschnittenen Comic durch die Stadt.

Mit spitzer Feder (das abgedroschene Bild sei erlaubt, weil es hier ja wirklich stimmt) greift Neuwald Alltagsthemen auf, allgegenwärtig ist Karls große Liebe zum Stadtgebäck, und gerne tauchen aktuelle Themen auf. Natürlich kommt es darauf an, dass die Pointe sitzt, das Lächeln des Betrachters freut schließlich auch den Zeichner und Texter Neuwald.

Aachen hat der Vater von zwei Töchtern vor gut 30 Jahren als Studienstadt gewählt, weil es hier erstens eine gute Fachhochschule für visuelle Kommunikation und Grafikdesign gibt und „weil Belgien, das Land des Comics, so nahe ist“. Neuwald griemelt, wenn er an die FH und die Comics denkt: „Das war wirklich verpönt an der Hochschule.“ Eine damals noch weitverbreitete Haltung, weil der aus Amerika stammende flotte Pinselstrich als künstlerisch minderwertig galt. „Das hat sich im Laufe der Jahre dann doch ordentlich gewandelt“, sagt der Mittfünfziger, Comiczeichnen ist heute als Kunstform etabliert.

Er hat diese Kunst, die ihn schon als Kind faszinierte, von der Pike auf gelernt. Auch wenn die Eltern das Haus aus oben genannten Gründen comicfrei halten wollten, waren die Bilder, die Sprechblasen, die Raubeine, Häuptlinge, Piraten und Mickymäuse doch immer da. Neuwald macht nicht nur Comics, er verehrt sie auch. Glücklich zeigt er ein „Mickyvisions“-Heftchen von 1969, „bei E-Bay erstanden, eine Rarität“. Jugenderinnerungen werden wach, an den Kiosk an der Ecke, wo dieses Heftchen schön im Regal neben „Fix und Foxi“, „Tibor“ und „Lasso“ lag. Das Besondere an dem gut erhaltenen Heft, das Neuwald dem Gast zeigt: In dieser Ausgabe wird in einer Bilderfolge erläutert, wie man selbst einen Trickfilm machen kann.

Den Jungen packte damals das Fieber. Al-fred zeichnete, was das Zeug hielt. Und später, da war er 15 Jahre, schuf er in einem Kreativitäts- und Produktionsflash rund 2000 Zeichnungen, die er mit der Super-8-Kamera fotografierte und die in seinen ersten Trickfilm mündeten: „Vampura“ hieß das Werk, das beim „Festival der jungen Filmer“ gezeigt und dann bei der Photokina mit einem Preis ausgezeichnet wurde.

Neuwald kann wahrscheinlich tagelang über Comics sprechen. Tief ist die Verneigung vor den großen Meistern des Genres, vor dem brillanten Zeichner Albert Uderzo und dem genialen Texter René Goscinny, die „Asterix“ schufen. Nicht weniger begeistert blickt der Aachener Künstler auf den belgischen Kollegen Hergé, der „Tim und Struppi“ auf so viele Abenteuerreisen schickte. Der Name Enki Bilal fällt, der mit seinen Veröffentlichungen in den Comic-Magazinen „Pilote“ und „Métal hurlant“ berühmt wurde. „Bilal kennt Startauflagen von 200.000 Stück in Frankreich“, schwärmt Neuwald von der Popularität der Kunstform Comic in anderen Ländern. „Wer in Deutschland 3000 Stück schafft, ist schon richtig gut.“ Es ist eine andere Tradition.

Neuwald kommt auch so klar. „Ich habe mein Hobby zu meinem Beruf gemacht, das ist ein Privileg“, sagt er und coloriert nebenbei sein Kaiserlein für das Heft „Karl der Kleine bei den Karolingern“, das in wenigen Wochen auf den Markt kommt. Er blickt auf ein stattliches Werk. Auf ungezählte Illustrationen von Pixi-Büchern, auf eigene Bilderbücher („Kapitän Sternhagel“ oder „Der wilde Klaus“ oder „Al Potato“), auf Auftragsarbeiten aus unterschiedlichen Branchen. „Ich habe für die Getränkeindustrie in Fernost Kartons verziert, ich habe für Pharmaunternehmen unzählige komplizierte anatomische Zusammenhänge illustriert.“ Es gibt Arbeit für Menschen, die sich mit Feder und Tusche (neudeutsch: Cyntiq, also Zeichencomputer) auszudrücken wissen.

Und jetzt Karl der Kleine. Regional verwurzelt, die eigene Figur, ein süßer Gegenentwurf zum übermächtigen Jubiläumsjahrskaiser. Neuwald ist bescheiden: „Ich freue mich über die Resonanz und habe noch ein paar gute Ideen.“

Mehr zu Neuwald unter www.alfred-neuwald.com oder bei Facebook unter www.facebook.com/neuwald.alfred.

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