Aachen - Citykirche: Es besteht keine Einsturzgefahr

Citykirche: Es besteht keine Einsturzgefahr

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Ausgebrannter Barockaltar in der Aachener Nikolauskirche
Verbrannte Holzbalken liegen vor dem Barockaltar in der Aachener Nikolauskirche. Der bei einem Feuer in der Silvesternacht stark beschädigte Barockaltar kann wahrscheinlich restauriert werden. Foto: dpa

Aachen. Im Schnee neben dem Haupteingang stecken auch am Montagmorgen noch Reste von Raketen, wie sie offensichtlich in der Neujahrsnacht den verheerenden Brand in der Kirche St. Nikolaus ausgelöst hatten. „Mit kleinem Abschusswinkel. Die gehen durch ein Fenster durch”, sagt City-Seelsorger Armin Drack.

Nach Polizeiangaben hat ein Zeuge eine Gruppe Jugendlicher dabei beobachtet, wie sie an Silvester Raketen vor der Kirche zündeten. Eine Rakete sei durch ein Fenster der „Citykirche” geflogen und im Gebäude explodiert. Der Zeuge berichtete laut Polizei von einem „Lichtblitz”. Die Jugendlichen werden nun per Zeugenaufruf gesucht.

Zu der Zeit ist noch völlig unklar, wie hoch der Schaden ist, wie lange die ausgebrannte Kirche nicht zu nutzen ist und wann der evangelische Pastor und sein katholischer Kollege Dieter Spoo die Arbeit in dem Gotteshaus wieder aufnehmen können. Dennoch gilt für die beiden Geistlichen das Prinzip Hoffnung: „Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Die Substanz des Gebäudes ist hoffentlich nicht betroffen. Ein neues Jahr ist eine neue Chance.”

Und während sich die Architekten, Brandsachverständige und Kriminalpolizisten noch die Klinke in die Hand geben, denken die beiden Seelsorger schon an die Zukunft: „Vielleicht kann man den Hochchor durch eine Bretterwand abtrennen, damit wir den Betrieb wieder aufnehmen können. Das Kirchenschiff ist komplett unbeschädigt.”

Auf der Bronzetafel an der Großkölnstraße sind die wesentlichen Eckdaten des im gotischen Stil gebauten Gotteshauses verzeichnet: Geweiht wird sie durch den Bischof von Lüttich am Nikolaustag des Jahres 1327, Zerstörungen gab es im Jahr 1656 (Stadtbrand), 1692 (Erdbeben) und 1944 (2. Weltkrieg), der Wiederaufbau erfolgte 1951. Über Jahrhunderte betreuten Franziskaner in dem Kloster Reisende und Kaufleute, die Kirche liegt verkehrsgünstig an der Handelsstraße nach Köln. 1630 entsteht der jetzt stark beschädigte dreigeschossige Hochaltar im Renaissance-Stil.

„Größer als angenommen”

Ob und wie er restauriert werden kann, ist derzeit offen. Möglicherweise könne zumindest die Holzkonstruktion wiederhergestellt werden, sagte Franz Kretschmann, Sprecher des Bistums Aachen, auf Anfrage: „Es wird aber in jedem Fall ein anderer Altar sein, da die Bilder komplett zerstört sind.” Zunächst müssten aber die Prüfungen abgewartet werden, was stark verkohlt sei oder nur Oberflächenruß aufweise, ob etwa die Farbfassung durch das Löschwasser beeinträchtigt seien. „Die Beschädigungen im rückwärtigen Bereich sind größer als angenommen.”

Erst nach der Begutachtung der Schäden sei es möglich, den Kostenrahmen zu bestimmen und ein Konzept für die Restaurierung zu erarbeiten. „Die Leitung des Bistums Aachen hat ein hohes Interesse daran, dass die Kirche schnell wieder in Betrieb genommen wird.” Zwei Architekten des Bistums hätten, so Kretschmann weiter, gemeinsam mit einem Statiker das Gewöllbe im Altarraum inspiziert und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Natursteine im Fensterbereich stark beschädigt sind, es bestehe jedoch keine Einsturzgefahr. Heute werden Gespräche stattfinden, welche Kosten die Brandschutzversicherung übernimmt. Neben vier Holzfiguren waren auch die drei in den Altar integrierten Bilder des Rubensschülers Robert von Depenbeek zerstört worden.

Unglaubliche Erschütterung

Groß war die Anteilnahme, die den City-Seelsorgern in den letzten Tagen zuteil wurde. Pastor Drack: „Ganz viele E-Mails sind gekommen. Die Menschen haben unglaubliche Erschütterung und Betroffenheit gezeigt. Wildfremde Leute, von denen wir gar nicht wussten, dass sie unsere Arbeit kennen, haben ihre Solidarität ausgedrückt.” Ein Dankeschön der Seelsorger gilt der Feuerwehr, die „unglaublich fix und umsichtig” vorgegangen sei und Schlimmeres verhindert habe. So blieben andere Kunstschätze wie eine Nikolausfigur aus dem 14. Jahrhundert verschont. Praktische Unterstützung gab es in der Josefskirche: Die Kollekte bei der Wiedereröffnung der Grabeskirche wurde für die Wiederherrichtung von St. Nikolaus zur Verfügung gestellt. Typische Reaktion einer Passantin in der Fußgängerzone: „Nein, ist das furchtbar.”

Tiefes Bedauern über den Brand der Nikolauskirche hat auch der SPD-Arbeitskreis Kirche ausgedrückt. Stellvertretender Sprecher Benjamin Fadavian: „Dass der historische Hochaltar sowie etliche Fenster und weitere Gegenstände schwer beschädigt oder gar zerstört wurden, macht uns traurig. Die Citykirche wird von katholischer und evangelischer Seite gemeinsam verwaltet. Sie steht wie kaum eine andere Einrichtung für einen Ort der Ökumene, Besinnung und Unterstützung karitativer und gemeinwohlorientierter Aktivitäten in Aachen.”

Zur Instandsetzung der Citykirche ist ein Spendenkonto eingerichtet worden: Nummer 101323600 bei der Paxbank, Bankleitzahl 37060193, Kennwort Brand.
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