Cirque du Soleil zeigt turbulente Produktion „Varekai“ in Köln

Von: Susanne Schramm
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Da geht es rund: Cirque du Soleil versammelt in seinem fantasievollen Stück „Varekai“ alle Bühnenkünste und Temperamente. Es wird getanzt, geturnt, gelacht und gesungen – und das natürlich in opulenten Kostümen. Foto: Thomas Brill

Köln. Als Jacques Brel 1959 flehte „Ne me quitte pas“ (Verlass‘ mich nicht), hatte er bei diesem Chanson eine geliebte Frau im Blick. Mittwochabend, bei der Premiere von „Varekai“ in der Lanxess-Arena, gewinnt dieser Bittgesang eine völlig neue Dimension.

Denn in der Produktion des kanadischen Cirque du Soleil befürchtet der Darsteller Steve Bishop nicht etwa den amourösen Supergau, sondern es geht ihm, ganz profan, darum, im Rampenlicht zu stehen.

Doch der Lichtkegel erweist sich als äußerst kapriziös. Er flitzt von hier nach dort – und Bishop immer hinterher. Mitten in die Zuschauer im Innenraum führt die Jagd, bis hoch auf die Ränge und tief in die Kulissen hinein. Am Ende ist der vom Licht Verlassene total aus der Puste. Und das Publikum entzückt.

Ein verletzlicher Held, der in den Lüften einem Engel gleicht (Fernando Miro), aber auf dem Erdboden nicht zu existieren vermag. Ein exzentrischer Erfinder (Andrey Kislitsin), der einer skurrilen Maschine die Stimmen der Vögel entlockt und mit ihr die Erinnerungen der Menschen sammelt. Eine biegsame Schöne (Anna Ostapenko), die im Gewand einer gelben, geflügelten Echse erscheint, um sich hernach in eine strahlende Prinzessin zu verwandeln. Und ein alter, ganz in schwarz gekleideter Mann (Rodrigue Proteau), von dem man anfangs nicht weiß, ob er Böses im Schilde führt. Das sind die vier Protagonisten von „Varekai“, der Produktion des kanadischen Cirque du Soleil, die 2002 in Montreal uraufgeführt wurde, um seitdem weltweit mehr als acht Millionen Menschen zu begeistern.

Das ist bei der Premiere in Köln nicht anders. Zwei Stunden und 20 Minuten (mit Pause) lassen sich die Zuschauer von den Bewohnern eines Waldes und ihrer wunderbaren Welt verzaubern. Eingebettet in die Geschichte des gestürzten Engels, der den Namen Ikarus trägt, sind 14 hochkarätige Artistik-, Tanz-, Clown- und Gesangsdarbietungen. „Varekai“ ist poetisch und lustig, dramatisch und spannend, atemberaubend schön und äußerst kurzweilig.

Zusammen mit den farbenprächtigen, fantastischen Kostümen, der einfühlsamen Lichtregie, den sieben äußerst eigenwilligen Musikern der Band und einem surreal anmutenden Bühnenbild wird daraus ein Hochgenuss.

Was im Nachhinein bleibt, ist ein Rausch der Bilder. Es gibt ein Ballett goldfarbener Glühwürmchen, einen Wasserfall aus weißen Federn, menschliche Seeanemonen, die über ein azurblaues Meer wogen und gleiten, aber auch georgische Tänzer, gekleidet in flammendes Rot, flink und präzise wie Pfeile. Ein männliches Zwillingspaar schlägt hoch in den Lüften an Seilen Salti. Die in Lila gekleideten Sänger Craig Jennings und Isabella Corradi sind so würdevoll und futuristisch anzuschauen wie ein Regentenpaar aus einer fernen Galaxie. Schön ist das nimmermüde, kindlich vergnügte Spiel der Waldbewohner. All das könnte in einer übergroßen Arena seine Wirkung verfehlen. Tut es aber nicht. Denn nur die Hälfte des Raums wird bespielt. Hoch über den Köpfen windet sich eine riesige Treppe, ganz aus Ästen, die an das Gerippe eines Vogels erinnert. Ein blau beleuchteter Ballon schwebt von dort hinab, geheimnisvoll glühend, Nebel wallt auf zu einer Musik, die so klingt, als habe man sie aus Träumen gewoben: melancholisch, verführerisch, nicht von dieser Welt. Gesprochen wird zumeist in einer Fantasiesprache, die aber so ausdrucksstark und lautmalerisch ist, dass sie jeder versteht. Nach dem furiosen Finale mit 15 Artisten auf russischen Schaukeln herrscht einen Moment lang atemlose Stille, ehe der Orkan des Beifalls losbricht.

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