Circus Roncalli: Poesie und Tradition bei der Jubilämsshow

Von: Sabine Rother
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Wie aus dem Nichts: Roncalli-Clown Paolo Carillon bezaubert mit schillernden Seifenblasen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Aachen. Dieser Duft nach Popcorn und frisch gebackenen Waffeln, nach Vanille und Plüsch ist einfach unwiderstehlich. Geduldig schieben sich die rund 1500 großen und kleinen Leute Richtung Zelteingang, die Vorfreude ist greifbar: Circus Roncalli ist in der Stadt und zelebriert die Jubiläumstour „40 Jahre Reise zum Regenbogen“ auf dem Aachener Blücherplatz.

Die Kinder stürmen glücklich in die engen wackeligen Sitzreihen, die Plätze sind schmal, der Kontakt mit den Nachbarn bei ausverkauftem Zelt zwingend – da kann es einem auch schon mal heiß werden und die Beine schlafen ein. Zirkus ist zwar poetisch, aber eben nicht immer bequem.

Wie ein riesiges Mobile kreisen drei Bildschirme vor Beginn über der Arena und zeigen Erinnerungsfotos aus 40 Jahren Roncalli: Direktor Bernhard Paul, der einst zusammen mit dem Österreicher André Heller das Phänomen Roncalli auf den Weg gebracht hat, ist immer wieder zu sehen – ganz jung, nach und nach in der Pose des reiferen Zirkusmachers, der inzwischen drei Kinder hat – einen Sohn und zwei Töchter. Und die jungen Damen – Vivi und Lili Paul – sind in Aachen sogar Teil des Programms.

Im Zelt steht die Zeit still

Die „Reise zum Regenbogen“ begann 1976, die Premiere der Jubiläumstour war dementsprechend im letzten Jahr. Nun ist Aachen an der Reihe – und die Besucher sind entzückt, bewegen sich durch flirrendes Konfetti, werden begleitet von Gestalten in barocken Kostümen und den live im Eingangsbereich spielenden, gut gelaunten Musikern des Roncalli Royal Orchestras unter der Leitung von Georg Pommer. Ein großer Storch neigt sich ab und zu pickend vor jungen Frauen, die kichernd ausweichen.

Im Zelt steht die Zeit still, haben Clowns und andere Künstler das Sagen. Für gut drei Stunden bleibt die Alltagswelt ausgesperrt. Im große Rund, wo die bunten Lichter wandern, wo Avital & Jochen halsbrecherische Nummern zeigen werden und 10.000 Glühbirnen in allen Farben leuchten, begrüßt Bernhard Paul die Gäste. Dann übernimmt Weißclown Fulgenci Mestres gravitätisch und mit feinsinniger Distanz die Rolle des Gastgebers.

Die polternden Kollegen lassen nicht lange auf sich warten: Eddy Neumann, der immer wieder Verbindung zum Publikum aufnimmt, Paolo Carillon, der mit einem Hochrad in die Manege rollt und einen Hang zum Skurril-Mechanischen hat, der frische Mexikaner Chistirrin, eine Entdeckung von Bernhard Paul, der mit erstaunlichen pantomimische Fähigkeiten wie ein freches Kind auftritt. Die Menschen im Zelt lieben sie alle, applaudieren spontan.

Der Einstieg in die Welt der Poesie verstärkt die Freude über grandiose artistische Leistungen. Da wirbeln die erfrischend hemdsärmeligen Akrobaten von der Gruppe Lift ihre Damen parallel durch den Raum, bewegt sich Vivi Paul souverän am Luftring, während Schwester Lili mit Kontorsionsakrobatik zeigt, wie ästhetisch sich eine schöne Frau verbiegen kann. „Showtime“ heißt es beim Circustheater Bingo aus der Ukraine, das in flotten Choreographien Akrobatik, Tanz, Performance und Rollschuhartistik verbindet.

Alle beeindrucken sie durch Leistung, aber zudem durch ihre fantasievollen, glitzernden Kostüme. Ty Tojo lässt die weißen Bälle fliegen, das Orchester unterstützt ihn mit scharfer Rhythmik, die das Wirbeln verstärkt. Dem Trio Csàszàr gelingen auf dem Schleuderbrett unerwartete Höhenflüge, das Duo Pykhovr weckt mit der schwankenden Mondsichel, auf der Yana den klassischen Seiltanz zelebriert, während ihr Mann als Tambour trommelt, traditionelles Zirkusgefühl, das mit dem Geruch der Pferde und der Präsentation von Karl Trunk verstärkt wird. Er schickt seinen hübschen schwarz-weißen Friesen, ein Minipferdchen und drei Ponys, durch das Rund, zeigt circensische Übungen.

Wie modern Zirkus sein kann, beweist Robert Wicke. Der Mann mit Kappe im Ringelshirt – ohne Schminke, ohne Glitzer – ist ein akustisches Wunder. Seine rappenden Spielereien mit dem Mikrofon, mit Sounds und Beats entwickeln sich zu einer komplexen Inszenierungen. Applaus, Lacher, die Zuschauer singen mit. Und endlich kommen die für Roncallli so typischen Seifenblasen. Es regnet Goldstaub und Konfetti – das gehört einfach zu diesem Zirkus. Er ist im Jahr 2017 angekommen, aber dennoch schön und poetisch. Viel Applaus.

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