Aachen - Circus Roncalli: Mit Charme, Witz und ohne Schminke

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Circus Roncalli: Mit Charme, Witz und ohne Schminke

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Er tritt im Programm „40 Jahre Reise zum Regenbogen“ bei Roncalli auf: Robert Wicke (41) kommt aus Hannover. Er ist einer der Publikumslieblinge beim Aachener Gastspiel auf dem Blücherplatz. Foto: D. Meyer-Roeger

Aachen. Graue Strickmütze, Sweatshirt, Jeans, den leicht ramponierten Fußball in der Hand – wenn Robert Wicke mit seinen Kindern Ella (13) und Paco (8) zusammen ist, stehen Sport, Spiel und Spaß an erster Stelle, ein ganz normaler Papa, der mit seinen Kindern etwas unternimmt. Allerdings muss er irgendwann auf die Uhr schauen, denn seine Arbeitsplatz ist der Circus Roncalli, zwei Vorstellungen gibt es täglich.

Der 41-Jährige tritt als Comedian und Beatboxer auf, ohne Schminke, ohne Glitzer oder buntes Kostüm, aber mit einer enormen Wirkung auf sein Publikum, das ihn feiert, mit ihm lacht, sich von ihm zum Singen animieren lässt. Das Mikrofon nah am Mund, erzeugt er Töne und Geräusche, die elektronisch verstärkt und neu gemixt zu Rhythmen werden.

Das kann auch ein Kratzen am Mikrofon sein, das Knuspern von Chips, das Knistern der Tüte, alles wird Sound, Groove und Bewegung im extrem lässigen Hip-Hop-Stil. Wicke jongliert, bezieht die Menschen in der Zirkusarena mit ein, reagiert auf sie, verführt sie zur Faszination. „Manchmal ist das ein bisschen wie Magie“, sagt er.

Der Spiele-Erfinder

Noch bis zum 1. Mai wird er im nostalgischen Zelt auf dem Aachener Blücherplatz agieren. Robert Wicke kommt aus Hannover, dort lebt seine Familie, gehen die Kinder zur Schule. So oft es möglich ist, besuchen sie den Vater am jeweiligen Gastspielort. „Ich komme gern nach Hause, das ist ein tolles Gefühl, ich brauche diese Beständigkeit, das erdet mich.“ Zu oft hat er erlebt, wie das Künstlerleben Menschen aus der Bahn wirft, sie heimatlos und unglücklich macht.

Am liebsten ist Wicke in Bewegung – auf dem Skateboard oder bei Ballspielen. Zusammen mit Freunden hat er in seiner Heimatstadt sogar eine neue Sportart entwickelt: Fußball-Wand-Tennis, kurz „Fuwate“, das sogar ins Angebot des Hochschulsports aufgenommen wurde. Auf dem Gelände der Sportgemeinschaft 74 Hannover gibt es inzwischen einen festen „Fuwate“-Platz.

Ein Tennisnetz, drei feste Wände, Bälle, die möglichst lang in der Luft bleiben müssen – wenn Wicke davon erzählt, sieht man ihm die Lust am Ungewöhnlichen, Unkonventionellen an. Still und zäh hat er bereits als Schüler mit einer Leidenschaft fürs Jonglieren daran festgehalten, seinen Weg zu suchen.

„Meine Eltern haben mich immer darin bestärkt, etwas zu tun, das ich wirklich will“, erzählt Wicke. „Dass ich das so wörtlich nehmen würde, hatten sie wohl nicht gedacht. Aber ich glaube, mein Vater hat insgeheim selbst vom Theater geträumt, ist dann aber Lokführer geworden.“ An der Clownschule Hannover wurde Wicke abgelehnt – eine Enttäuschung, aber an seinem Entschluss hat das nichts geändert, das gehörte zum Weg.

Seit 25 Jahren ist Wicke bereits als Comedian unterwegs, reiste im Bulli mit einem Freund durch Europa, sammelte Erfahrungen sogar in Asien und Australien. Stets war die Straße seine Bühne, sein Raum, um Neues zu lernen. Und bis heute lässt er sich vom spontanen Kontakt zum Publikum inspirieren. „Wir haben richtige Shows entwickelt, und immer war es mir wichtig, die Menschen um mich herum zu spüren“, betont er. „Es muss eine Bindung entstehen. Sie aufrecht zu halten, ist eine Herausforderung.“

Das fantasievolle Spiel mit den Zuschauern ist in jeder Vorstellung ein wenig anders. „Ich schaue nicht schon vor dem Auftritt heimlich in die Runde, wer sich wohl eignen könnte“, versichert er. Ein wenig Psychologie ist dennoch im Spiel. Halten die Leute in seiner Nähe Augenkontakt, weichen sie aus oder sind sie zögerlich? Als er das erste Mal dazu aufforderte, das Brahms-Wiegenlied mitzusingen, war er ziemlich verblüfft vom Chor, der freudig mitmachte. „Ich habe es meiner Tochter vorgesungen, als sie nicht schlafen wollte, die Idee für die Manege kam spontan.“

Die kleine Liebesgeschichte

Die kleine Liebesgeschichte, die seinen Auftritt abschließt, ist immer wieder spannend: Wicke flirtet mit der Auserwählten und tut so, als ob er mit ihr verschwinden möchte. „An einem Abend schickte die Zuschauerin, die ich ausgesucht hatte, einfach ihren Mann zu mir“, lacht Wicke. „Aber wir haben die Nummer durchgezogen, bis zum Schluss. Um das zu machen, muss man frei im Kopf sein.“

Technische Feinheiten beim Beatboxing, dem elektronischen Umwandeln von Geräuschen, sind für ihn nicht so interessant. „Ich bin kein Tüftler, technische Sachen müssen funktionieren, mehr nicht“, sagt er.

Geplaudert wird in einem Gemisch aus Deutsch, Französisch und Englisch, eine Art Zirkussprache mit magischer Wirkung, wie der Comedian erfahren hat. Zu Roncalli kam Wicke durch einen Zufall, als der Circus im Düsseldorfer Apollo Varieté gastierte. „Bei mir war ein Engagement geplatzt, ich war deprimiert. Bernhard Paul hörte davon und rief mich an, großartig.“

Der Jubiläumszirkus „40 Jahre Reise zum Regenbogen“ zieht bald weiter. Und danach? „Das ist noch nicht so klar, aber es wird sich etwas finden“, meint er lachend. Erstmal geht es zur Familie, danach wieder in eine Show, ein Theater oder ein Zelt.

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