Titz/Aachen - Christina F.: Urteil könnte bald gesprochen werden

Christina F.: Urteil könnte bald gesprochen werden

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
9032089.jpg
Der Tatort in Linnich-Hottorf ein halbes Jahr nach der Tat: Diese Treppe soll die schwangere Christina F. heruntergestürzt sein, oder wurde sie hinuntergestoßen? Für die Gerichtsmedizin ist das nicht entscheidend: Sie starb durch mindestens sieben Schläge auf den Kopf. Foto: Guido Jansen

Titz/Aachen. Auf die meisten Fragen hatte Thomas Kamphausen überzeugende Antworten, jede einzelne Verletzung, die Christina F. erlitten hatte, konnte er detailliert beschreiben. Kamphausen, der am Institut für Rechtsmedizin der Uni Köln arbeitet, hatte für das Zustandekommen jeder einzelnen Wunde eine Erklärung. Nur eines konnte Kamphausen nicht: die Frage beantworten, wer Christina F. am Ostermontag auf einem Gehöft in Linnich-Hottorf ermordet hat.

Geht es nach den Vorstellungen des Vorsitzenden Richters Arno Bormann, steht der Prozess gegen die des gemeinschaftlichen Mordes angeklagten Patrick G. (32) und Corina Ö. (29) aus Titz kurz vor dem Ende. Wenn keiner der Rechtsanwälte weitere Beweis- oder andere Anträge stellt, könnte das Urteil nächste, spätestens übernächste Woche fallen.

Welche Aussage stimmt nun?

Bormann und die übrigen Richter haben keine leichte Entscheidung zu treffen. Zwar lässt sich nach den bisherigen Ergebnissen des Prozesses am Aachener Landgericht mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Patrick G. und Corina Ö. gemeinsam geplant haben, die im siebten Monat schwangere Christina F. (27) zu töten. Doch wer von beiden es war, der Christina F. erschlug, lässt sich auch nach dem Anhören von fast 30 Zeugen kaum gesichert beantworten.

Patrick G. hatte dem Gericht geschildert, Christina F. sei eine Treppe im Innenhof des Gehöfts in Linnich-Hottorf hinuntergestürzt und habe sich dabei am Kopf verletzt. Rechtsmediziner Kamphausen erklärte, auf Grundlage von Christina F.s Verletzungsbild könne sich dies so zugetragen haben. Patrick G. hatte weiter ausgesagt, er habe nach dem Sturz Corina Ö. angerufen, die zu dieser Zeit eine Ausbildung zur Gesundheitsassistentin absolvierte. Corina Ö. sei auch gekommen, habe sich Handschuhe angezogen und Christina F.s Wunde versorgt. Währenddessen sei er, Patrick G., in einen anderen Teil des Hofes gegangen, um ein Tor abzuschließen, er habe die beiden Frauen drei bis fünf Minuten allein gelassen. Als er wiederkam, habe er gesehen, wie Corina Ö. auf der auf dem Rücken liegenden Christina F. gekniet, ihr ein Handtuch aufs Gesicht gedrückt und ihren Kopf auf den Boden geschlagen habe.

Dies kann sich laut Rechtsmediziner Kamphausen durchaus so zugetragen haben. Allerdings habe darüber hinaus jemand Christina F. mindestens sieben Mal auf den Kopf geschlagen, vermutlich mit einer auf dem Gehöft gefundenen Schaufel. Patrick G. hatte dem Gericht erklärt, dies nicht beobachtet zu haben, er sei ja kurz in einem anderen Teil des Gehöfts gewesen.

Corina Ö. hingegen hatte ausgesagt, dass Patrick G. sie in der Tat angerufen habe. Doch als sie auf dem Gehöft ankam, sei Christina F. bereits tot gewesen. Patrick G. habe ihr geschildert, wie er Christina F. die Treppe hinuntergestoßen und, da sie noch lebte, ihren Kopf mehrmals auf den Boden geschlagen habe.

Welche Aussage stimmt nun, und welche ist falsch? Oder hat sich alles doch ganz anders zugetragen?

Christina F.s Verletzungen ließen keinen Rückschluss darauf zu, ob ein Mann oder eine Frau die Tat begangen hat, beide Angeklagten waren nach Auffassung von Rechtsmediziner Kamphausen körperlich dazu in der Lage, die tödlichen Schläge auszuführen. Zwar fanden sich an der Schaufel neben dem Blut von Christina F. auch Spuren von Patrick G. und keine von Corina Ö.; doch daraus abzuleiten, dass nur Patrick G. als Täter in Frage komme, wäre falsch. Denn Corina Ö. trug am Tatort Plastikhandschuhe.

Das tote Kind

Um beide Angeklagten wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilen zu können, muss das Gericht feststellen, wer die Tat begangen hat. Findet das Gericht dies nicht heraus, kann es weder Patrick G. noch Corina Ö. verurteilen. Richter Bormann hatte jedoch schon zu Beginn des Prozesses deutlich zum Ausdruck gebracht, starke Zweifel an Patrick G.s Schilderungen zu haben. Es gelang ihm und Corina Ö.s Rechtsanwälten in entscheidenden Punkten andererseits nicht, Patrick G.s Aussage zu widerlegen. Ein ungewöhnlicher Prozess.

Als Rechtsmediziner Kamphausen seinen Vortrag schon fast beendet hatte, kam er noch auf Christina F.s ungeborenes Kind zu sprechen, dessen Vater Patrick G. war. Während der Obduktion hatte Kamphausen Christina F. von ihrem toten Kind entbunden und festgestellt, dass es vor der Tat lebensfähig war. Ein Mädchen, 1070 Gramm schwer und 36 Zentimeter groß. Es hätte Marie Sophie heißen sollen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert