Chorbiennale: Gesang erklingt aus fast allen Ecken der Stadt

Von: Naima Wolfsperger
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Eine Stadt im Klangfieber: Der Figuralchor trat in der festlichen Atmosphäre der Theresienkirche auf. Foto: Andreas Steindl
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Die Formation „Beilage Extra“ aus Heinsberg legten in der Aula Carolina einen kurzweiligen Auftritt hin. Foto: Andreas Steindl
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Der Kinderchor „Kimundi“ überraschte gar mit einem japanischen Lied. Foto: Andreas Steindl
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Die vier Dirigenten des Finales (v.l.n.r.): Harald Nickall, Kazem Abdullah, Martin te Laak, Fritz ter Wey.
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Nicht schwer zu erraten, in welchem Aachener Stadtteil der „CHORnelimünster“ seine Wurzeln hat.
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Der Hochschulchor des Collegium Musicum der RWTH Aachen trat in St. Paul auf.

Aachen. Rund 70 Chöre haben die Aachener Altstadt bei der „langen Chornacht“ in eine bezaubernde Klangvielfalt getaucht. Das reiche Repertoire der Chöre erfreut auch Ansgar Menze, den Produktionsleiter der Chorbiennale.

„Wir haben hier rund um ein richtiges Chorfest“, sagt er, als er entspannt und guter Dinge um Mitternacht auf der Treppe des Rathauses steht, um mit Chören und Besuchern beim „Farewell“ zu singen. Es ginge ihm bestens, sagt er, auch wenn die letzten Wochen von wenig Schlaf und viel Arbeit geprägt waren. „Aber es ist mir immer wieder Freude – und die Qualität der Chöre ist dieses Jahr überdurchschnittlich.“

Tausende von Chorsängern und Besuchern teilen seine Meinung. Bis auf die Straßen standen die Zuhörer, einige haben es sich in den gefüllten Gotteshäusern St. Paul, St. Peter, St. Nikolaus, Theresienkirche und in der Aula Carolina auf dem Boden gemütlich gemacht, um etwa den „Öcher Quinten“ oder dem „Vielharmonischen Chor Roetgen“, dem „Vocaal Ensemble Kerkrade“ und dem „Overgacher Kammerchor“ zu folgen oder bei „Sing-A-Pur“ in St. Peter bei „Walking on the Moon“ von „The Police“ mitzusingen. Auch der Münsterplatz war bereits vor Beginn der Chornacht gut besucht.

Glücklich und auch ein bisschen erschöpft wirkt Ernst von Marschall, als er aus der Kirche St. Paul tritt. Seit April leitet er den Hochschulchor des „Collegium Musicum“ der RWTH Aachen. Er ist neu in der Stadt und erlebt die Chorbiennale zum ersten Mal. „Ich bin hellauf begeistert“, sagt er. „Es ist vor allem die Pluralität an Liedgut, die hier aufeinander trifft.“

Bei seiner Auswahl hat er sich mit Mendelssohn Bartholdy und Joseph Haydn auf die deutsche Romantik konzentriert. „Wir haben eine sehr reiche Kultur, die auch auf Gesangsebene durchaus mit der angelsächsischen und französischen mithalten kann.“

Und gerade bei einer Veranstaltung wie dieser sei es ihm wichtig gewesen, nicht nach dem besten, sondern dem passenden Repertoire zu suchen. „Ich glaube, dass Romantik in unserer Zeit hoch aktuell ist.“ Bei der Liedauswahl hat er sich auf die deutsche Romantik konzentriert, „weil ich glaube dass sie hoch aktuell ist“.

Bereits bei „D‘accord“ versammelten sich die Zuhörer bis vor die Theresienkirche, und auch den „Figuralchor“ wollten sie nicht so recht gehen lassen. Trotz der Zugabe wurde dem A-Cappella-Chor noch begeistert applaudiert, als die Sänger bereits dabei waren die Bühne zu verlassen. Der freie Chor aus Aachen will sich in seinem Repertoire so gar nicht festlegen lassen.

Unter der Leitung von Kirsten Willnat-Barsig können die 20 Sänger Lieder vom 15. bis ins 21. Jahrhundert präsentieren, von Guillaume Dufay bis James MacMillan. Sabrina Grande (38) war bereits bei den Anfängen des Chors dabei und hat sich auch dieses Jahr den Auftritt bei der Chorbiennale nicht nehmen lassen. „Normalerweise sind wir bei Auftritten aber interaktiver mit den Zuschauern, gehen viel ins Publikum rein“, sagt sie. Die Theresienkirche sei wirklich schön, „aber wir hätten uns doch ein bisschen mehr Platz gewünscht“.

Der „Kinderchor Kimundi“, der am Münsterplatz den Auftakt gab, überraschte das Publikum mit einem mehrsprachigen Programm. Auf japanisch sangen die Fünf- bis 14-Jährigen das Trauerlied aus dem Kinderfilm „Prinzessin Monoke“ über die Zerstörung der Umwelt. Stimmten mit dem Friedenskanon „Nach dieser Erde“, von Gerd Kern nachdenklich, nur um ihre Fans mit „People Help The People“ von Birdy gut gelaunt zu den weiteren Chorveranstaltungen ziehen zu lassen.

„Die Fremdsprachen sind für die Kinder kein Problem“, sagt „Kimundi“-Chorleiter Manfred Lutter, „Kinder lernen da viel schneller als Erwachsene.“ Die sechsjährige Maya hatte vor allem Spaß bei dem Auftritt, so richtig nervös sei sie nicht gewesen. Und: „Japanisch war am Anfang schwer, aber dann wurde immer leichter und leichter.“

Jazz und Gospel waren der Schwerpunkt in St. Peter. Nicht nur schön, sondern auch mitreißend verbinden die zwölf Sänger des Aachener Chors „Einklang“ Gospel und A Cappella. Nicht weniger Schwung brachten etwa „KataStrophe“, „Sing-A-Pur“ oder der Männerchor „Bin Singen“ in die Kirche.

Der Heinsberger Jugendchor „Beilage Extra“ traute sich mit einem experimentellen Programm auf die Bühne der Aula Carolina. Inspiriert von den „Wise-Guys“, präsentieren die jungen Heinsberger eine A-Cappella-Version von „Mädchen lach doch mal“ und spielen das Lied inhaltlich nach. Mit ihrer Performance brachten sie nicht nur die Mädchen in der Aula zum lachen. Der Chor wurde 2002 von Jacqueline Nelissen gegründet. „Unsere Performances sollen vor allem Spaß machen“, sagt Nelissen.

Und nicht nur auf den Bühnen wird aus voller Kehle gesungen: die Stadt klingt regelrecht aus fast allen Ecken. Mehr oder weniger professionelle Sänger erheben ihre Stimmen, in den Gassen auf dem Weg von einem Veranstaltungsort zum nächsten – oder in den Straßencafés bei einem Gläschen Wein, sei es nach erfolgreichem Auftritt oder um Pause zu machen. Claudia Kolkenbrock ist mit der ganzen Familie in Aachen. „Wir ziehen den ganzen Tag in der Stadt herum“, sagt sie.

Und das Programm der Familie Kolkenbrock ist vielschichtig: „Einklang“ haben sie gesehen, die „Tempelsingers“ in St. Peter und den „Chor der Musikhochschule“ in der Aula Carolina. „Und das ‚Farewell‘ lassen wir uns nicht entgehen.“

Am meisten herumgekommen ist wahrscheinlich Organisator Ansgar Menze. Einen guten Teil des Abends hat er am Telefon verbracht, um noch letzte Anweisungen zu geben oder organisatorische Fragen zu beantworten. Als er um kurz vor Mitternacht noch den Notenständer für das „Farewell“ auf die Rathaustreppe stellt, beginnt aber auch für ihn „sozusagen der Feierabend“.

Kurz ist es ganz still am Markt, bevor die Gesangbegeisterten Besucher der Chorbiennale im Schein von Straßenlaternen, eingeschalteten Handys und Taschenlampen unter der Anleitung des Dirigenten Harald Nickoll zu Joseph Gabriel Rheinbergers „Abendlied“ anstimmen. Es folgen die drei Co-Dirigenten Martin te Laak, Fritz ter Wey und Kazem Abdullah. Doch als die Menge nach „Der Mond ist aufgegangen“, dem letzten Lied der „langen Chornacht“ verstummt, wollen nicht alle den Abend enden lassen. Glücklich und beseelt bleiben vereinzelte Gruppen auf dem Markt und singen weiter.

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