Chorbiennale: 70 Chöre bei sechsstündigem Konzertmarathon

Von: Nadine Tocay
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Impressionen vom Abschluss der Aachener Chorbiennale: Der Damenchor Die Pfefferschoten brachte das Publikum auf dem Münsterplatz mit frechen Texten zum Schmunzeln. Foto: Andreas Steindl
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Großer Andrang und andächtiges Lauschen auch in der Citykirche. Foto: Andreas Steindl
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Nach erfolgtem Konzert gibt der Koninklijk Heerlens Mannenkoor St. Pancratius vor einem Lokal in der Innenstadt noch ein paar Proben seines Könnens. Foto: Andreas Steindl
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Nichts ging mehr vor der Annakirche: „Wegen Überfüllung geschlossen“. Foto: Andreas Steindl
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Hochzufrieden (v. r.): die Dirigenten Georg Hage, Harald Nickoll, Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, Fritz ter Wey und Martin te Laak. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eine Kirche, die wegen Überfüllung geschlossen werden muss, tausende Menschen, die sich durch die Innenstadt drängen und unzählige Lokale, in denen kein einziger Stuhl mehr frei ist, das gibt es nicht oft in Aachen. Doch bei der Langen Chornacht der fünften Internationalen Chorbiennale ist der Andrang auf die Konzerte der rund 70 Chöre riesig.

Sechs Stunden lang begeistern hunderte Sänger ihr Publikum an sechs unterschiedlichen, zentral gelegenen Orten, unter anderem in den Kirchen St. Foillan und St. Peter.

Auf dem Münsterplatz ist bereits vor dem Pre-Opening-Konzert des Aachener Gebärdenchors Hands Up einiges los. Viele gut gelaunte Besucher versammeln sich, um Namikas „Lieblingsmensch“ mitzuträllern, während die Kinder und Jugendlichen auf der Bühne Gebärden zu der Musik machen.

In der Aula Carolina ist der Auftakt von einer besonderen Fusion geprägt: Der Kinderchor Kimundi begeistert seine Zuschauer gemeinsam mit dem Kinderorchester der Kleinen Freiheit 77. Sie interpretieren bekannte Lieder wie „Faded“ von Alan Walker und „Money, Money, Money“ von Abba auf klassische Art mit Geige und Klavier. „Wir gehen einfach auf die Bühne und feiern. Nervös sind wir da nicht“, meint die Leiterin des Orchesters, Marion Simons-Olivier. Als alte Hasen im Geschäft kenne man das Gefühl. Da stimmt ihr auch die neunjährige Yumiko Bartz zu: „Es macht einfach Spaß.“

Auf zum nächsten Konzert

Neu hingegen waren Die Pfefferschoten auf dem Münsterplatz. Für den Frauenchor aus Brand ist es die Premiere bei der Chorbiennale. Mit den schlagfertigen und frechen Texten ihrer Lieder bringen sie Dutzende Passanten dazu, stehezubleiben und ihrem Gesang zu lauschen. „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“, tönt es über den Platz. Erleichterung, dass alles glatt lief, sei schon da, gibt die Leiterin Angelika Zaun zu: „Das ist ja eine ganz andere Lokalität als sonst. Da war natürlich eine gewisse Anspannung da“, sagt sie und macht sich auch schon auf zu ihrem nächsten Konzert mit dem Chor Der letzte Schrei in der Aula Carolina.

Und nicht nur Zaun, viele Gesichter trifft man bei dem Konzertmarathon an unterschiedlichen Stationen wieder. So auch Heike Krumbach aus Herzogenrath, die mit ihrem Mann ein straffes Programm eingeplant hat. Nach den Pfefferschoten steht für das Paar unter anderem noch KataStrophe und das Frauensextett Feynsang auf dem Programm. „Wir treffen uns noch mit Freunden, mit denen ziehen wir dann von Ort zu Ort. Zeit, um zwischendurch mal was zu essen oder zu trinken, bleibt heute definitiv nicht“, erzählt sie lachend.

Viele der Gäste gestalten ihren Abend etwas entspannter und nutzen das schöne Wetter, um es sich auf den Bänken der Stadt mit einem Eis oder kühlen Bier bequem zu machen. Von Stunde zu Stunde wird es in den Gassen voller, auch die Zuschauerzahlen der Konzerte steigen. In der randvollen Citykirche St. Nikolaus stehen die Besucher beim Jugendchor Lautstark aus Weisweiler in den letzten Reihen auf Zehenspitzen, um einen Blick auf die Sänger erhaschen zu können; und an der Annakirche heißt es: „Wegen Überfüllung geschlossen.“

Einige halten ihre Ohren an das geöffnete Fenster des Gotteshauses oder stehen vor der Eingangstüre und versuchen, doch noch ein paar Klänge des A-capella-Quartetts Lovely Mr. Singing Club mitzubekommen. „Ich habe den Eindruck, dass die Qualität der Chöre in diesem Jahr noch herausragender ist als in den letzten Jahren“, betont Ansgar Menze, der Produktionsleiter der Chorbiennale, als er um kurz vor Mitternacht ganz entspannt über den Marktplatz läuft.

Im Hintergrund hört man den Klang von Männerstimmen. Der Koninklijk Heerlens Mannenkoor St. Pancratius sitzt nach seinem Auftritt in St. Nikolaus mit Getränken vor einem Restaurant und gibt dort ganz spontan ein paar Stücke aus seinem Repertoire zum Besten, die mit lautem Applaus und anerkennenden Pfiffen honoriert werden.

Und auch die Dirigenten der Initiativchöre, Georg Hage, Harald Nickoll, Martin te Laak und Fritz ter Wey, und Aachens Generalmusikdirektor Kazem Abdullah finden sich mit und mit auf dem Platz ein. „Wir mussten in diesem Jahr die Preise für die Chorbiennale aufschlagen, da die Mittel der Stadt gekürzt wurden. Aber die Leute sind trotzdem gekommen“, freut er sich.

Um die Konzerte für die nächste Biennale sichern zu können, sei ein Förderverein ins Leben gerufen worden, dem man für einen Euro monatlich beitreten könne, erzählt er, ehe er sich aufmacht, um sich mit seinen Kollegen auf das „Farewell“ vorzubereiten. Tausende Zuschauer und die Chöre trudeln auf dem Markt ein und blicken gen Rathaus. Im Hintergrund spielt eine Blaskapelle. Dann wird es ganz still.

Die Dirigenten auf der Rathaustreppe treten in den Schein der Laternen, die Zuschauer schalten Taschenlampen ein. Leise hört man das Plätschern des Brunnens, bevor Fritz ter Wey als erster Dirigent auf das Podest tritt, „Oh du stille Zeit“ anstimmt und die Menge aus voller Kehle zu singen beginnt. Wenige Minuten später – nach dem Abschlusslied „Der Mond ist aufgegangen“ – machen sich viele der Besucher langsam auf den Heimweg und der Platz lichtet sich.

Doch einige wollen sich dem Zauber des Abends noch länger hingeben – sie unterhalten sich in kleinen Gruppen oder summen Melodien.

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