Region - Centre Charlemagne in Aachen zeigt eine Ausstellung rund ums Bier

Centre Charlemagne in Aachen zeigt eine Ausstellung rund ums Bier

Von: Andrea Zuleger
Letzte Aktualisierung:
15456504.jpg
degraa
15456535.jpg
degraa bierausstellung

Region. Karl der Große wäre diese Schau ein Dorn im Auge. Wie sein Schreiber Einhard festgehalten hat, soll der Kaiser kein Freund des Alkohols gewesen sein. Trinkgelage fand er geschmacklos, er genoss selbst Bier in Maßen und hielt auch seine Untertanen dazu an.

Kurz nach des Kaisers Tod soll dann ein „Wertewandel“ in Aachen vonstatten gegangen sein: „Es änderte sich dann sehr schnell. Bier wurde bald schon zum Allheilmittel“, erklärt Myriam Kroll, Kuratorin der Ausstellung „Bier und Wir. Brauen, Trinken und Feiern in Aachen“, die ab Samstag im Centre Charlemagne in Aachen geöffnet ist.

Wer wie Karl der Große eher abstinent lebt, kann sich diese Ausstellung sparen. Denn soviel sei versprochen: Es soll süffig werden. Es geht um das Bier in all seinen Facetten. Um seine Funktion in einer Zeit, in der es schwierig war, an gutes Trinkwasser zu gelangen, es geht um Brautechniken, um Geselligkeit in Kneipen, um regionale Wirtschaftshistorie und um feucht fröhliche Aachener Stadtgeschichte, die eben eng mit dem Bierbrauen verbunden war.

Denn Bier, so erklärt Holger Hermannsen, ebenfalls Kurator, wurde nicht nur in den mittelalterlichen Klöstern gebraut, sondern auch von städtischen Initiativen und vor allem in den Familien selbst. Beim Brotbacken blieb eine Art Brotsud übrig, der durch das Gären zu Bier wurde. Und das wurde als Brotsuppe oder als Brotbier von allen getrunken, auch von den Kindern. Denn das Wasser war oftmals verkeimt. „Bier war damals in erster Linie ein Nahrungsmittel, es war ein sehr dünnes Getränk, das auch nur wenig Alkohol enthielt“, erklärt Hermannsen.

In erster Linie Frauensache

Bierbrauen war durch die Verbindung zum Brot dann auch in erster Linie Frauensache. Und noch bevor es Kaffeekränzchen gab, lud die Dame des Hauses ihre Freundinnen zum Bierkränzchen ein, wenn ihr ein besonders gutes Gebräu gelungen war. Kränzchen sagte man dazu, weil die Damen in ihrer Runde dabei ein Kränzchen auf dem Kopf trugen. Aber natürlich gab es auch brauende Männer und professionelle Brauereien: In Aachen wurde zum Beispiel 1481 Bürgerbräu, 1490 die Brauerei Walfisch gegründet.

Zu den besten Zeiten gab es in Aachen an die 80 Brauereien, oft kleinste Geschäfte, die ihr frisch gebrautes Bier an Theken zur Straße verkauften. Die Industrialisierung veränderte dabei alles: Das Bier war mit Hilfe von Kühlmaschinen länger haltbar und wurde in größeren Mengen in Kupferkesseln gebraut. Nur wer bei diesen Entwicklungen mithalten konnte, blieb auf Dauer im Geschäft. Für die meisten kleinen Betriebe waren diese Anschaffungen zu teuer. Und so blieben nur wenige übrig: Degraa, Decker, Bürgerbräu, Karlsbräu, Abtei Bräu, Klinkenberg Bräu und Walfisch waren die bekanntesten.

Wichtig wird in einem weiteren Teil der Ausstellung die jüngere Stadtgeschichte, in der gerade die älteren Besucher ein wenig in Kneipennostalgie schwelgen können. Das beginnt bei den traditionellen Albrecht-Dürer-Stuben und dem größten Lokal der Stadt, dem Café Vaterland, das seit den 30er Jahren am Dahmengraben angesiedelt war, in dem es Festsäle, Modenschauen und Tanzveranstaltungen gab und in dem einige Lieben begannen – oder endeten.

Und das reicht hinein bis in die 70er und 80er Jahre, in denen sich viele Szene-Kneipen mit unterschiedlichen Konzepten in der Stadt gleichzeitig hielten. „Da gab es zum Beispiel das ‚Bimmelbähnchen‘, eine Kneipe, in die ein echtes Zugabteil eingebaut war oder das ‚Why not‘, wo man statt auf Stühlen auf Toilettensitzen an der Theke saß“, erzählt Myriam Kroll. Viele Gaststätten wurden aber allein schon durch die Wirte zu Kultorten.

Höchste Kneipendichte?

Das mit Trödel vollgestellte Etablissement „Charlys Leierkasten“ zum Beispiel lebte nicht zuletzt von Charlys raubeiniger Art und dessen legendären Ansagen per Mikrofon. Der „Scotch-Club“ wurde 1959 weltberühmt, weil es angeblich weltweit die erste Diskothek mit moderierendem Discjockey war. DJ Heinrich alias Klaus Quirini erzählt noch heute gerne aus dieser wilden Zeit. Die alleinerziehende Runi zog auf der Rennbahn Jazzfans an, Maria hatte im „Hauptquartier“ eine besonders bunte Gästeschar und Madame Dumont zapfte in ihrem Wohnzimmer mit Nachtlizenz Bier im „Dumonts“ , ein Schäferhund bewachte das Röhrenradio, das nur von Madame höchstpersönlich bedient werden durfte.

Bleibt nur ein Geheimnis: Stimmt es nun, das hartnäckige Gerücht, dass Aachen die höchste Kneipendichte der Republik besitzt? Das können die Kuratoren der Ausstellung weder bestätigen noch widerlegen. Aber bei Erstsemesterstudenten macht sich diese Legende auf jeden Fall immer gut, so dass sie auch weiterhin erzählt werden wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert