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Casablanca am Rhein: Junge Nordafrikaner bereiten Sorgen

Von: Frank Christiansen, dpa
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Ein Schild in arabischer und deutscher Sprache hängt am im Fenster eines Ladens im Maghreb-Viertel. In dem Viertel, das auch «Klein-Marokko» genannt wird, ist der Anteil an Zuwanderern nordafrikanischer Herkunft besonders hoch. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Düsseldorf. Tausende junge Nordafrikaner sind in den vergangenen Jahren aus den Armenvierteln ihrer Heimatländer nach Deutschland gelangt. In den Metropolen am Rhein fallen viele von ihnen unangenehm auf. Auch ihre Landsleute sind über die Neuankömmlinge empört.

Da staunte sogar die Polizei: Bei einer Razzia im Düsseldorfer Bahnhofsviertel kam bei einer Überprüfung der Personalien heraus, dass von 72 Kneipengästen 90 Prozent bereits als mutmaßliche Diebe aufgefallen waren. Noch etwas hatten die Anwesenden gemein: Sie kamen aus Nordafrika. Gleiches stellen die Ermittler bei den „Antänzern” fest, die sie in der Altstadt als Trick- und Taschendiebe festnehmen: Die Maghreb-Staaten dominieren.

Deswegen rief die Polizei in der Landeshauptstadt das Projekt „Casablanca” ins Leben, um herauszufinden, was sich in der Szene abspielt. Eineinhalb Jahre später haben die Beamten eine beunruhigende Zwischenbilanz gezogen: Allein in Düsseldorf tummeln sich Klau-Banden mit 2244 Verdächtigen aus Nordafrika, die Mehrheit von ihnen (1256 Verdächtige) aus Marokko. Abschieben sei praktisch unmöglich, berichtet ein Polizist, der nicht genannt werden möchte. „Die Szene wächst und wächst. Für die Kollegen ist das sehr frustrierend.”

Nach der Silvesternacht in Köln stehen die Neuankömmlinge nun besonders unter Beobachtung: Die 13 Beschuldigten aus der Silvesternacht seien allesamt Nordafrikaner, berichtet die Kölner Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Ihnen werden Taschendiebstähle rund um den Dom vorgeworfen.

In Düsseldorf trifft sich die Szene in „Klein-Marokko”, wie das Maghreb-Viertel genannt wird. Dort sind die alteingesessenen nordafrikanischen Ladenbesitzer auf die Neuankömmlinge nicht gut zu sprechen. „Abschieben, sofort abschieben”, fordern sie. Doch das Viertel dient den Banden als Rückzugsort. „Da haben sie ihre Shisha-Bars und Cafés”, sagt ein Polizeisprecher.

„Wir haben hier eine sehr gut integrierte nordafrikanische Gemeinde, mit hohen Einbürgerungsquoten und immer besserem Bildungsstand, die nun in Sippenhaft genommen wird”, sagt Sozialpädagoge Samy Charchira. Erst seit einigen Tagen habe sich die Polizeipräsenz verstärkt. Die Problemgruppe, „das sind junge Leute im Alter von 17, 18, 19 Jahren. Die sind auf sich allein gestellt, ohne Papiere, ohne Einkommen”.

Die Kölner Polizei hat ebenfalls alarmierende Zahlen: Während von 1111 illegal eingewanderten Syrern in jüngster Zeit lediglich 0,5 Prozent als Verdächtige bei Straftaten auffielen, waren es bei 838 illegalen Einwanderern aus Marokko, Tunesien und Algerien 40 Prozent.

Die Nordafrikaner - überwiegend alleinreisende junge Männer - seien besonders häufig bei Raub, Ladendiebstahl, Taschendiebstahl und Diebstahl aus Autos vertreten. Sie seien oft aggressiv und leisteten erheblichen Widerstand.

Die marokkanische Nachrichten-Website „Hibapress” berichtete, aus den ärmeren Vierteln Casablancas hätten sich in den vergangenen Wochen Hunderte junge Marokkaner über die Balkanroute in Richtung Europa aufgemacht, nachdem bekanntgeworden sei, dass Syrer in Europa Aufnahme fänden. Im Internet sieht man sie beim Üben der syrischen Nationalhymne und des Dialekts.

Dass die Polizei nun verstärkt in „Klein-Marokko” auftauche, sei kein Aktionismus nach den Kölner Vorkommnissen, beteuert ein Polizeisprecher. „Das liegt daran, dass die Anwohner uns nun offensiv anrufen, wenn sie etwas beobachten. Das ist auch gut so.” Aber wenn die Festgenommenen zwei Stunden später wieder auftauchen, sei das natürlich für die Anwohner und für die Polizisten frustrierend.