Campinggefühl in der Mensa

Von: Nicola Gottfroh
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Mittagessen im Zelt: Damit die
Mittagessen im Zelt: Damit die Studierenden während der Umbauphase des Studentenwerk-Hauptgebäudes der RWTH nicht hungern müssen, wurde auf dem Innenhof des Kármán-Auditoriums eine Zeltmensa eröffnet, um 1000 Studenten täglich zu verköstigen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es staut sich ein wenig an der Essensausgabe. Der Stressfaktor der Mensa-Mitarbeiterinnen hinter den Theken steigt, je länger die Schlange wird.

Und lange Schlangen an den Theken der RWTH-Mensa sind in der vorlesungsfreien Zeit eigentlich selten - selbst wenn ein bei Aachener Studenten so beliebtes Gericht wie Cevapcici auf dem Speiseplan steht. Aber dieser Montag ist auch kein Tag wie jeder andere. Denn für die sonst so routinierten Damen ist diese Essensausgabe in einem Zelt eine Premiere. „Da muss sich alles noch einspielen”, sagt Mitarbeiterin Andrea Vonderbank.

Denn weil der Mensa- und Cafeteriabetrieb im Hauptgebäude des Studentenwerks wegen einer Kernsanierung desselben eingestellt wurde, mussten die Mensamitarbeiter vorübergehend umziehen: Um die Studierenden, die sonst in den dort angesiedelten beiden Mensen und der Cafeteria verpflegt wurden, weiterhin mit warmem Mittagessen versorgen zu können, setzt das Studentenwerk auf die Campingvariante. In einem großen Zelt auf dem Innenhof des Kármán-Auditoriums, dem Hörsaal-Gebäude der RWTH in der Aachener City, sollen für die nächsten 18 Monate hungrige Studentenmägen gefüllt werden. Das Zelt, in dem 360 Gäste gleichzeitig Platz finden, ist direkt mit dem Forum Cafete, der kleinen Kármán-Cafeteria, verbunden. Dort erfolgt die Essensausgabe. „Hier ist natürlich alles ein bisschen enger, als es in der Mensa im Studentenwerk war. Aber in zwei oder drei Tagen haben wir uns dran gewöhnt”, sagt Vonderbank.

Für die Studenten dürfte die Umstellung wohl einfacher sein. Denn auch wenn man es im ersten Moment gar nicht glauben mag: Die Zeltmensa ist eigentlich ganz gemütlich. Obwohl das weiße Ungetüm von außen nur wenig adrett aussieht und dem Innenhof statt Uni- eher Oktoberfest-Atmosphäre verleiht, haben sich die Verantwortlichen alle Mühe gegeben, den Studierenden im Innenraum ein Stück „Wohlfühl-atmosphäre” zu bieten. So kann man durch die Panoramascheiben das Geschehen auf dem Innenhof beobachten. „Und wir haben die Möbel aus der vorübergehend geschlossenen Mensa mit ins Zelt genommen. Die bringen Farbe und machen das Zelt gemütlich”, sagt Rüdiger Karbowski, der verantwortlich ist für die kaufmännische Verwaltung des Studentenwerks.

Plastik statt Porzellan

Ob die Farbe die Studenten auch dafür entschädigt, dass sie die nächsten 18 Monate von Einweg-Plastikgeschirr essen sollen? Eher nicht. „Wie in einer Pommesbude”, findet Maschinenbaustudent Thomas Teuben. Doch eine andere Möglichkeit, betont Karbowski, gebe es nicht: „Eine Spülküche haben wir hier nicht. Und der Aufwand, jeden Morgen sauberes Geschirr aus einer anderen Mensa anliefern und die schmutzigen Teller abends wieder in die Spülküche bringen zu lassen, lohnt sich nicht. Das wäre nun wirklich zu kompliziert.”

Er weiß, wovon er redet. Immerhin werden schon die stabilen Plastik-Tabletts und vor allem das Mittagessen - jeweils in drei Varianten - täglich aus zwei anderen RWTH-Mensen in die Zeltmensa geliefert. Denn auch kochen, braten, dampfen oder garen ist in der Zeltmensa nicht möglich. Die Köche der beiden nun geschlossenen Universitäts-Kantinen wurden deshalb auf zwei andere Mensen umverteilt, um dort für die Studenten zu brutzeln. Mindestens 1000 Gerichte jeden Tag. Die werden bereits gegen 10.30 Uhr in die wenige Kilometer entfernte Zeltmensa geliefert und dort bis zur Mittagszeit in Warmhalteschränken auf Temperatur gehalten.

„Das Essen ist trotz dieser Maßnahmen so wie immer”, findet Karbowski - und viele Studenten. Und überhaupt lassen sich die meisten von ihnen nicht von dem Projekt beeindrucken: „Mensa ist halt eben Mensa”, sagt Tanja Reichert. Dass die Zeltmensa sich zur Kultmensa entwickelt, das glaubt auch Student Torsten Hintzen nicht. „Dafür ist das Zelt dann doch nicht spektakulär genug”, sagt er. Aber vielleicht muss man auch Camping-Fan sein, um die Zeltmensa richtig lieb zu gewinnen.

Mehr als 120.000 Euro für Miete und Logistik

Bis der doppelte Abiturjahrgang im kommenden Jahr an die RWTH strömt, sollen die Umbauarbeiten fertiggestellt sein. Die Kosten für das Zeltmensa-Projekt liegen inklusive Zeltmiete und Logistikkosten bei weit über 120.000 Euro.

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