Butler-Akademie in Valkenburg: bedienen, abräumen, lächeln

Von: Robert Baumann
Letzte Aktualisierung:
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Die perfekte Haltung und ein freundliches Lächeln: Es gibt Vieles, woran die jungen Butler denken müssen.
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Imposantes Gebäude: In Valkenburg lernen die Butler von Morgen.
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Auch reine, weiße Handschuhe gehören zur Uniform der Schüler.
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Seinen Blicken entgeht nichts: Head-Butler Christopher Cantlon ist zuständig für die Ausbildung der zukünftigen Butler.
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Penibel: In der Küche vom Kasteel Oost werden Tee und Kaffee für die Gäste gemacht. Auf Sauberkeit und Ordnung wird auch hier größten Wert gelegt.
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Zur „Tea Time“ gibt es Süßigkeiten und Schnittchen. Butler-Azubi Wahid Ibdah rennt dafür ständig mit Etageren und Silbertabletts zwischen Küche und Speisesaal hin und her.
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Der Vorsitzende der „International Butler Academy“, Robert Wennekes, bedankt sich bei seinen Butlern für ihre geleistete Arbeit. Mit dem Auftritt der angehenden Butler zur „Tea Time“ ist der Hausherr sehr zufrieden und spendet Applaus.

Region. Im niederländischen Valkenburg trainieren junge Butler acht Wochen lang für den perfekten Umgang mit der Etikette. Sie decken Tische ein, kochen, reinigen und servieren. Die Ausbildung kostet 13.750 Euro pro Person. Später landen die Absolventen nicht selten bei reichen Geschäftsleuten.

Er trinkt Wein aus einer Blumenvase, stolpert immer wieder über den Kopf eines ausgelegten Tigerfells und stellt der Hausherrin ständig dieselbe Frage: „The same procedure as last year, Miss Sophie?“ (auf Deutsch: „Der gleiche Ablauf wie im vergangenen Jahr, Miss Sophie?“) - und das zunehmend mit lallender Stimme. Butler James ist der bekannteste Butler überhaupt - zumindest in Deutschland. In der Fernsehproduktion „Dinner for One“ des NDR aus dem Jahr 1963 wird er gespielt vom englischen Komiker Freddie Frinton. Für viele gehört der Fernseh-Sketch zu einem guten Silvesterabend einfach dazu.

Solch eine Bewirtung könnte Butler Wahid Ibdah nicht passieren. Für ihn herrscht striktes Alkoholverbot. Und auch von einer Festanstellung, wie sie Butler James bei Miss Sophie hat, kann der 27-Jährige nur träumen. Er befindet sich noch in der Ausbildung zum Butler. Das nötige Handwerkszeug lernt er in der „International Butler Academy“, einer Butlerschule im niederländischen Valkenburg. Acht Wochen lang geht es dort um Etikette, Kochen, Reinigen, Tische eindecken oder Haushalts-Management. Für die Ausbildung bezahlt der Duisburger mit jordanischen Wurzeln satte 13.750 Euro - Unterkunft und Verpflegung inklusive.

Dreimal im Jahr - im Frühling, Herbst und Winter - bietet die „International Butler Academy“ jeweils achtwöchige Ausbildungen an. Ihr Ruf ist exzellent, und die Absolventen arbeiten später nicht selten bei renommierten Hotels oder reichen Geschäftsleuten im Privathaushalt - von Frankreich und Italien bis in die USA und Abu Dhabi. „Es wäre ein Traum, nach der Ausbildung in einem Hotel in New York zu arbeiten“, sagt Ibdah.

Der gelernte Speditionskaufmann und Verkehrsfachwirt war sechs Jahre lang bei einem Logistikunternehmen angestellt. Im Oktober dieses Jahres hat er gekündigt. „Es war einfach die Luft raus. Es musste etwas Neues her“, sagt er. Aber warum Butler? „Ich habe schon immer Spaß daran gehabt, anderen Leuten eine Freude zu machen, ihnen etwas zu servieren und sie zu bedienen“, sagt Ibdah.

An diesem sonnigen Herbsttag warten die Studenten der Butlerschule im Kasteel Oost in Valkenburg auf die Ankunft von 60 Gästen. Es ist ein weiterer Praxistest innerhalb ihrer Ausbildung. Heute auf dem Programm: Tea Time, also das Servieren von Tee und Gebäck am Nachmittag. Ibdah steht neben der großen, hohen Eingangstür des Schlosses, über ihm prangt ein goldenes Schild mit dem Schriftzug „The International Butler Academy“. Sein Job heißt „Staying to attention“.

Das heißt, er empfängt die Ankömmlinge auf dem langen roten Teppich, der vor dem Kasteel ausgerollt ist, und begrüßt sie freundlich. „Es ist wichtig, immer ein Lächeln auf dem Gesicht zu haben“, sagt er. Doch nicht nur das. Auch seine Butler-Uniform muss sitzen: weißes Hemd, graue Weste, darüber ein Frack. Er trägt eine schwarze Krawatte und weiße Handschuhe. Alles sauber und gebügelt. Etwas anderes würde auch nicht geduldet.

Das äußere Erscheinungsbild der Studenten steht in der achtwöchigen Ausbildung permanent auf dem Prüfstand. Chef-Ausbilder Christopher Cantlon entgeht nichts: Sind die Fingernägel sauber? Mundgeruch? Achselschweiß? Haarschuppen auf dem Frack? „Hier wird auf alles geachtet“, weiß Ibdah.

Nicht immer ist Chef-Butler Cantlon mit dem Auftreten seiner Schüler zufrieden. „Dann gibt es schon mal eine deutliche und laute Ansage zum Wachrütteln. Das trifft aber nie jemanden speziell, und es wird keiner bloßgestellt, sondern die Kritik richtet sich immer an die ganze Gruppe“, sagt Ibdah.

Die Auszubildenden der Butler Academy kommen aus der ganzen Welt: Deutschland, Kanada, Rumänien, Niederlande, Philippinen, Griechenland, Rumänien. Der jüngste Butler war 18 Jahre alt, der älteste 68.

25 Prozent der angehenden Butler sind Frauen. Vor ihrer Ausbildung haben die Anwärter in ganz unterschiedlichen Berufszweigen gearbeitet - als Taxifahrer, Hautarzt, Banker, Tischler, oder Anwalt. 95 Prozent von ihnen graduieren an der Butlerschule erfolgreich, sagt Cantlon.

Striktes Alkoholverbot

Gemeinsam mit den anderen Studenten - pro Ausbildung sind es maximal 16 Teilnehmer - wohnt Ibdah in einem zwei Kilometer vom Kasteel Oost entfernten Hotel. Jeder hat ein Einzelzimmer. Auch diese werden bei unangekündigten Kon-trollen auf Sauberkeit und Ordnung geprüft. Selbst ein Blick in den Kühlschrank gehört dazu. „Es wird geguckt, ob wir Alkohol kühl gestellt haben“, erklärt Ibdah. „Das ist verboten.“

Die 60 Gäste haben mittlerweile in zwei großen, prunkvoll anmutenden Räumen des Kasteels an den Tischen Platz genommen. Sie sitzen auf mit weißem Stoff überzogenen Stühlen. Die Höhe der Zimmerdecke beträgt gut sieben Meter, die Fenster sind von schweren, bis zum Boden reichenden Vorhängen eingerahmt. In den Zimmerecken stehen große Kerzenleuchter vor den orangefarbenen Wänden, und über dem weißen Kamin prangt ein Spiegel so groß wie ein Billardtisch.

Wahid Ibdah trägt ein Silbertablett mit drei Porzellan-Teekännchen in den Raum. Er geht ruhigen Schrittes über den Parkettboden, vorbei an dem großen Schiffsmodell in der Glasvitrine, und steuert den ersten Tisch an. Sein Butler-Kollege schenkt den Gästen ein. Schwarzer und grüner Tee stehen zur Auswahl.

Als alle Gäste bedient sind, macht sich Ibdah direkt auf den Weg in die Küche, vorbei an Königin Beatrix, die als Porträt von der Wand lächelt. „Sir, sollen die Süßigkeiten jetzt serviert werden?“, fragt Ibdah Chef-Butler Cantlon auf Englisch. „Yes“, lautet die Antwort. Ibdah greift eine mit Süßigkeiten und Schnittchen bestückte Etagere und eilt wieder zurück zu den Gästen. So geht das mehr als eine Stunde hin und her. Teekännchen, Etagere, Teekännchen, und ab und an ein paar Schüsseln Schlagsahne.

Die Tage in der Butlerschule sind meistens lang. Nur fünf freie Tage haben die Studenten in acht Wochen. „Es ist eine körperlich und mental harte Ausbildung“, sagt Cantlon. Am Vortag musste Ibdah mit seinen Butler-Kollegen ein „formal dinner“, also ein feierliches Abend-Menü mit sieben bis neun Gängen, vorbereiten und servieren. Das kommt etwa einmal pro Woche vor. Dann müssen 20 Gäste ab 19 Uhr für zweieinhalb Stunden beköstigt und bedient werden. Die Vorbereitungen für das abendliche Mahl beginnen schon am Morgen. Um zehn Uhr wird das gesamte Dinner von vorne bis hinten in einem Probelauf durchexerziert. Vom Eindecken der Tische bis zum Servieren - allerdings noch ohne Speisen. Im frühen Nachmittag wird das Schloss für die Gäste hergerichtet: Staubsaugen, Fenster und Toiletten putzen, Eindecken.

Nach dem Abendessen gegen elf Uhr, wird ab- und aufgeräumt. Das geht bis drei Uhr nachts. Um halb vier fällt Ibdah hundemüde in sein Bett. „Zwölf bis 13 Stunden dauert ein normaler Arbeitstag. An manchen Tagen geht es aber auch mal 18 Stunden. Das zehrt dann schon an den Kräften“, sagt Ibdah, der im Schnitt nur vier bis fünf Stunden Schlaf bekommt. Und schon klingelt wieder der Wecker. 10.30 Uhr: Der nächste Ausbildungstag steht an.

Aerobic und Hanteltraining

Neben praktischen Übungen haben die angehenden Butler Theoriestunden - zum Beispiel über Etikette oder Kommunikation. Selbst Sport ist ein fester Bestandteil der Ausbildung. Jede Woche kommt eine Fitnesstrainerin und trimmt die Schüler: Joggen, Aerobic, Hanteltraining. Fit zu sein ist im Butler-Beruf unerlässlich.

Plötzlich durchbricht der Klang einer lauten Glocke die Ruhe des Kasteels. Ibdah läuft - wie alle Butler – in die mit Marmorboden ausgelegte Lobby des Schlosses, wo Chef-Butler Cantlon mit einer kleinen Glocke in der Hand wartet. Die Gäste wollen gehen - und sollen von allen Butlern geschlossen verabschiedet werden. Ibdah reicht den Gästen ihre Jacken und schenkt ihnen zum Abschied - wie gewohnt - ein breites Lächeln.

Am heutigen Samstag endet nach acht Wochen Ibdahs Ausbildung. „Jetzt kann ich wieder länger schlafen“, sagt er und schmunzelt. Die richtige Ausbildung zu einem Butler gehe aber jetzt erst richtig los – im Hotel oder bei einer Privatperson. „Butler sein hat viel mit Erfahrung zu tun“, sagt der 27-Jährige. Die Akademie sei so etwas wie ein Führerschein. Hier werde einem nur bescheinigt, dass man die Einstellung für den Beruf mitbringt.

Wenn alles schiefgeht und Wahid Ibdah keinen Job als Butler findet, will er wieder als Verkehrsfachwirt arbeiten. Aber daran denkt er jetzt erst mal nicht. Für die nächsten Tage hat er andere Pläne: einfach mal ausschlafen.

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