Bundesregierung: Tihange-Studie ist „ungeeignet“

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
Tihange
Das Versagen der gesamten Anlagentechnik und der Maßnahmen des Notfallschutzes würden in der Studie unzureichend dargestellt, um belastbare Rückschlüsse zu ziehen. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen/Berlin. Die Bundesregierung zweifelt die Ergebnisse einer Studie zu den Gefahren eines Super-GAU im Atomkraftwerk Tihange an. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

Die Städteregion Aachen hatte vor drei Monaten eine von ihr in Auftrag gegebene Studie präsentiert. Im Falle eines katastrophalen Unfalls in dem umstrittenen belgischen Risse-Meiler Tihange 2, bei dem große Mengen Radioaktivität aus dem Reaktor entweichen, könnten weite Teile des Rheinlandes starker nuklearer Strahlung ausgesetzt werden, erklärte Wolfgang Renneberg vom Institut für Sicherheit- und Risikoforschung der Universität Wien.

Die Grünen wollten von der Bundesregierung wissen, welche Konsequenzen sie aus dem Ergebnis ziehen würde – insbesondere bezogen auf Schutzmaßnahmen. Zunächst einmal: keine, heißt es. Denn: Das Versagen der gesamten Anlagentechnik und der Maßnahmen des Notfallschutzes würden in der Studie unzureichend dargestellt, um belastbare Rückschlüsse zu ziehen. „Die Studie stellt somit keine Basis für eine dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechende Katastrophenschutzplanung dar“, heißt es weiter in der Antwort der Bundesregierung. Die Studie sei deshalb zur Beurteilung von Planungsgebieten für Schutzmaßnahmen in der Region Aachen „ungeeignet“.

Die Regierung halte die geltenden Planungsradien im Falle eines atomaren Unglücks für ausreichend. Eine Evakuierung ist beispielsweise in einem 20-Kilometer-Radius vorgesehen. Gleichwohl habe das Bundesumweltministerium die belgische Atomaufsicht um Unterlagen geben, um eigene Berechnungen anstellen zu können. Die Ergebnisse würden in bilateralen Gesprächen mit Belgien diskutiert.

„Die Reaktion von Bundesministerin Hendricks auf die Studie der Städteregion Aachen ist eine Unverschämtheit“, sagte Oliver Krischer, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Düren. „Frau Hendricks macht sich mit ihrer Stellungnahme zum Büttel der belgischen Atomlobby.“

Die Bundesumweltministerin spiele die Gefahr von Tihange für Aachen und NRW herunter, kritisierte Krischer. Das sei angesichts der Erfahrungen in Fukushima und Tschernobyl zynisch. Man warte nun aber auf die eigenen Untersuchungen der Bundesregierung. „Wir sind gespannt, ob da mehr als nur weitere Verharmlosung rauskommt.“

Die Städteregion wollte sich am Montag auf Anfrage zum Thema nicht äußern.

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