Bundesköniginnentag der Schützen: Ein ganz besonderes Treffen

Von: Daniel Gerhards
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So ähnlich dürfte es am nächsten Wochenende in Erkelenz zugehen: Szene von einem vorherigen Bundesköniginnentag. Natürlich gehört dann auch ein großer Festzug zum Programm. Foto: BHDS

Region. In Erkelenz ist vom 6. bis zum 8. Mai der Bundesköniginnentag – für die Schützen in unserer Region eine große Sache. Auch Regina und Michael Franken sind dann mit von der Partie.

Für Regina Franken kann es jetzt gar nicht schnell genug gehen. Das Pfingstwochenende mit der Kirmes in Erkelenz-Lövenich, darauf freut sie sich schon gewaltig. Weil ihr Mann Michael den Vogel herunterholte, ist Regina Franken Schützenkönigin von Lövenich. Aber vorher steht sie mit vielen anderen Schützenköniginnen schon einmal im Mittelpunkt des Interesses: Von Freitag, 6. Mai, bis Sonntag, 8. Mai, findet in Erkelenz der Bundesköniginnentag statt, der Ehrentag aller Schützenköniginnen. Und Regina und Michael Franken sind mit dabei.

Dieser Tag ist für die Schützen in unserer Region eine große Sache: Allein zum Festzug, der am Sonntag, 8. Mai, durch Erkelenz zieht, erwartet Bezirksbundesmeister Hermann-Josef Kremer etwa 5000 bis 7500 Menschen. Darunter sollen nicht nur viele Zuschauer sein, sondern auch etwa 3000 bis 3500 Teilnehmer von Schützenbruderschaften aus dem gesamten Gebiet des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS).

Der BHDS ist der Dachverband der Schützenbruderschaften der Region. Er umfasst die Diözesanverbände Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn und Trier. Das heißt, dass beim Bundesköniginnentag in Erkelenz Schützenbruderschaften aus diesen sechs Diözesen erwartet werden.

Regina und Michael Franken waren im vergangenen Jahr schon einmal beim Bundesköniginnentag in Walbeck, einem Ortsteil von Geldern am Niederrhein. Sie haben also schon einen Eindruck davon bekommen, was sie am kommenden Wochenende in Erkelenz erwartet.

„Das war sehr schön. Da standen so viele Leute am Straßenrand“, sagt Regina Franken. Die Frankens marschierten mit dem Festzug im ganzen Ort durch ein dichtes Spalier von Menschen. „Da gab es gar keine Lücken zwischen den Zuschauern“, sagt sie. Wenn die Zuschauer klatschen und dem Königspaar zujubeln, dann sei das ein erhebendes Gefühl, sagt Michael Franken.

Das Thema Heimat

Der Schützen-Bezirksverband Erkelenz organisiert derzeit letzte Details, damit das Fest in Erkelenz den Besuchern in genauso schöner Erinnerung bleibt. Im Jahr 2011 hatte man sich um die Ausrichtung für das Jahr 2016 beworben. Das dazugehörige Konzept stellten die Verantwortlichen vom Bezirksverband Erkelenz damals dem Präsidium des BHDS vor. Mit Erfolg.

Nun findet der Bundesköniginnentag – nach 1966 – zum zweiten Mal in Erkelenz statt. Leitgedanke der Bewerbung war das Thema Heimat. Es nimmt im Schützenwesen ohnehin eine zentrale Rolle ein. Und in Erkelenz, wo wegen des Braunkohletagebaus Garzweiler ein großes Stück Heimat verloren geht, ist das Thema aktueller denn je.

„Zwei Gotteshäuser sind schon entwidmet, und eines ist bereits dem Erdboden gleichgemacht. So verloren beziehungsweise verlieren vier Schützenbruderschaften unseres Bezirksverbands ihren angestammten Boden – und damit auch ihre Heimat“, sagt Kremer.

Der Bundesköniginnentag soll dazu beitragen, den Gemeinschaftssinn der Bruderschaften im Bezirksverband zu stärken. Die Bruderschaften, die umsiedeln müssen, brauchten Halt und Unterstützung, sagt Kremer.

Die Gemeinschaft ist etwas, was Regina Franken am Schützendasein schätzt. Die ganze Familie ist im Schützenverein. Neben Regina und ihrem Mann Michael sind auch Sohn Marwin (14), Tochter Sarah (22) und Enkelsohn Taylor (2) Mitglieder in der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Lövenich.

Michael Franken war vor diesem Jahr bereits 2007 Schützenkönig. Dieses Jahr ist er außerdem Bezirkskönig. Regina Franken erschoss sich die Königinnenwürde des Jahres 2013 selbst. Sohn Marwin ist in diesem Jahr Schülerprinz, und auch Tochter Sarah würde gerne einmal den Vogel herunterholen und Schützenprinzessin werden.

In ihrer Bruderschaft fühlen sich die Frankens pudelwohl. „Das ist wie eine große Familie“, sagt Regina Franken. Wenn man mal Hilfe brauche, dann könne man immer auf die anderen Schützen zählen, sagt Michael Franken: „Der Zusammenhalt ist groß.“

Bei so einer starken Gemeinschaft wolle man eben auch gerne mal an der Spitze der Schützenfamilie stehen. Aber so oft Königspaar zu werden wie die Frankens, dafür müsse man schon „ein bisschen bekloppt“ sein, sagt Michael Franken. Positiv bekloppt natürlich. Das Ganze koste ja schließlich auch eine schöne Stange Geld.

Dass beim Bundesköniginnentag die Frauen in den Mittelpunkt gerückt werden, findet Michael Franken übrigens gar nicht so besonders. „Optisch steht die Königin ja sowieso immer im Mittelpunkt“, sagt er. Beim Festzug schaut alle Welt nach dem Kleid der Königin. Dagegen wirken König, Offiziere und die restlichen Schützen eher schlicht. „Aber ich finde es trotzdem gut, dass man beim Bundesköniginnentag hervorhebt, dass man auf die Königinnen besonderen Wert legen sollte“, sagt Michael Franken.

Zwei festliche Kleider

Das Kleid spielt für die meisten Schützenköniginnen eine besondere Rolle. Regina Franken braucht dieses Jahr zwei festliche Kleider. Eines für den Bundesköniginnentag und eines für die „eigene“ Kirmes in Lövenich. Dafür wolle sie die Spannung hochhalten. Bevor sie beim Festzug in Lövenich in dem Kleid auf die Straße tritt, wüssten nur ganz wenige, wie es aussieht.

Natürlich hängen die Kleider schon längst bereit. Ein Besonderheit beim königlichen Kleiderkauf: In dem Geschäft wird notiert, wer welches Kleid kauft. Ein Königinnenkleid zweimal in denselben Schützenbezirk zu verkaufen, das sei ausgeschlossen. Zwei Königinnen im gleichen Kleid, das soll es nicht geben.

Dass die Königinnen eigentlich immer die meiste Aufmerksamkeit bekommen, ist für Michael Franken kein Problem. Aber in einer Sache würden die Damen ein wenig bevorzugt behandelt, findet er. Und zwar dann, wenn es um die Anrede beziehungsweise den Titel geht.

„Wenn der Mann den Vogel herunterholt, dann ist seine Begleiterin automatisch Schützenkönigin. Aber wenn es andersherum ist, wenn die Frau den Holzvogel abschießt, dann ist ihr Mann bloß Prinzgemahl“, sagt Michael Franken. „Irgendwie ein bisschen ungerecht“, sagt er – und schmunzelt.

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