Bundesfest der Schützen: Kleine Bruderschaft, großes Ereignis

Letzte Aktualisierung:
15291600.jpg
Organisiert das Bundesfest der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften an diesem Wochenende in Heinsberg: Siegfried Jansen, Vereinigte Schützenbruderschaften St. Gangolfus und St. Johannes von Nepomuk. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Nie zuvor hat der Glockenschlag von St. Gangolf für Siegfried Jansen eine solch große Bedeutung gehabt wie der am Freitagabend um 18 Uhr. Nach Jahren der Vorbereitung beginnt in Heinsberg das dreitägige Bundesfest der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) mit einem ökumenischen Gottesdienst.

Jansen ist der Präsident der Vereinigten Schützenbruderschaften St. Gangolfus und St. Johannes von Nepomuk, die dieses Fest für den BDHS ausrichten. Unsere Mitarbeiterin Anna Petra Thomas hat ihn bei den Vorbereitungen besucht.

Welche Bedeutung hat dieses Fest für das deutsche Schützenwesen?

Jansen: Wir feiern in Heinsberg an diesem Wochenende bereits das 75. Bundesfest. Schon an dieser Zahl kann man die Bedeutung dieses Festes für das traditionelle Schützenwesen in Deutschland ablesen. Das Bundesfest ist das Hauptereignis des Jahres für die im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zusammengeschlossenen rund 1 300 Bruderschaften mit insgesamt etwa 400.000 Mitgliedern. Wir sind zwar ein katholischer Schützenverband, aber inzwischen offen auch für Mitglieder anderer Konfessionen.

Wie kommt es, dass eine Schützenbruderschaft in einer kleinen Stadt wie Heinsberg den Zuschlag für ein so großes Fest erhält?

Jansen: Wir haben als kleine Bruderschaft mit nur rund 180 Mitgliedern schon im Jahr 2001 bewiesen, dass wir ein solches Fest stemmen können. Damals haben wir für den Bund die zweitgrößte Veranstaltung, den Bundesköniginnentag, ausgerichtet. Das war für uns der Ansporn, uns auch für das Highlight des traditionellen Schützenwesens zu bewerben. Wesentlich war dabei für uns im Vorfeld die Zusage der Stadt Heinsberg, uns bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Für diese Unterstützung, ohne die wir ein Fest dieser Größenordnung als Bruderschaft gar nicht durchführen könnten, sind wir natürlich sehr dankbar.

Wie viele Schützen erwarten Sie zu diesem Fest in Heinsberg?

Jansen: Zum Höhepunkt, dem großen Festzug am Sonntag, werden nach bisherigem Stand rund 400 Schützenbruderschaften und mehr als 80 Musikgruppen, Trommler- und Pfeiferkorps sowie Musikvereine in Heinsberg sein. Insgesamt rechnen wir derzeit mit rund 15.000 Teilnehmern an dem 2,8 Kilometer langen Zug durch die Heinsberger Innenstadt und noch einmal mit der gleichen Zahl an Besuchern.

Woher kommen diese Menschen?

Jansen: Die beteiligten Schützenbruderschaften und Musikgruppen kommen aus den sechs Diözesen, die dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften angeschlossen sind, also aus der Diözese Aachen, darüber hinaus aber auch aus Essen, Köln, Münster, Paderborn und Trier. Zudem wird eine Musikgruppe dabei sein, die wir im sauerländischen Heinsberg kennengelernt haben. Weitere Musikgruppen und sicherlich viele Zuschauer kommen natürlich auch aus den Niederlanden, nicht zuletzt nach dem erfolgreichen Bundesfest vor drei Jahren in Kerkrade.

Welche Hürden galt es zu nehmen?

Jansen: Als wir 2012 den Zuschlag für das Fest erhalten haben, war von Sicherheitsmaßnahmen, wie sie heute für ein solches Fest nötig sind, keine Rede. Doch die Ereignisse der vergangenen Jahre haben ein umfassendes Konzept zur Sicherheit von Teilnehmern und Besuchern notwendig gemacht. Wir haben ein solches Konzept und werden zusätzlich den Stadtkern am Sonntag komplett mit Lkw-Sperren abriegeln.

Was war die größte Herausforderung?

Jansen: Sicherlich im Rahmen des Sicherheitskonzepts nicht nur die komplette Abriegelung der Innenstadt, sondern darüber hinaus die Maßgabe, alle Fahrzeuge aus diesem abgesperrten Bereich zu entfernen. Wir haben alle Apotheken, Pflegeeinrichtungen und Tankstellen informiert und auch bei den Anwohnern der Innenstadt um viel Verständnis werben müssen, da auch sie ihre Anwohner-Parkplätze am Sonntag nicht nutzen können. Es wird während des Zuges kein Fahrzeug am Straßenrand und keines im Zug selbst geben.

Wie viele Helfer werden an den drei Tagen im Einsatz sein?

Jansen: Insgesamt werden es rund 150 sein, der größte Teil davon Verkehrshelfer für die Sperrung der Innenstadt am Sonntag. Einige von ihnen sind aber auch schon seit Beginn dieser Woche mit Aufbauarbeiten beschäftigt. Da müssen Fahnen und Banner aufgehängt, Buden und Tribünen aufgebaut werden. Ganz besonders freut mich auch, dass beim Großen Zapfenstreich am Freitagabend Offiziere aus sieben verschiedenen Bruderschaften beteiligt sind.

Gibt es in Heinsberg Neuerungen im Vergleich mit bisherigen Festen?

Jansen: Eigentlich nicht, der Ablauf ist vom Bund vorgegeben und damit immer gleich, mit einer Ausnahme. In der Gestaltung der Abendveranstaltung am Freitag sind wir frei. Andernorts gab es schon mal ein Oktoberfest. Wir haben uns für einen Koelschen Ovend entschieden und erwarten dazu am Abend die Bands Kasalla und Bajaasch aus Köln.

Was sollten Menschen beachten, die sich am Sonntag auf den Weg zum Bundesfest machen?

Jansen: Sie sollten am besten nicht mit dem Auto kommen. Es gibt zwar ausreichend Parkplätze. Für alle, die aus Richtung Aachen kommen, empfiehlt es sich jedoch viel eher, den Zug zu nutzen. Die RB 33 fährt von Aachen einmal pro Stunde zur Minute 37 ohne Umsteigen bis zur Endstation in der Heinsberger Innenstadt. Von dort aus ist das Zentrum für das Fest gut beschildert. Und wer mit uns im Festzelt gefeiert hat, kann gleich daneben von der Haltestelle Kreisverwaltung aus wieder ohne Umsteigen die Heimfahrt antreten, ebenfalls einmal pro Stunde zur Minute 21. Zwischen Lindern und Heinsberg verkehrt der Zug am Sonntag zwischen 8 und 19 Uhr sogar zwei Mal pro Stunde.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert