Büroarbeit im Dienst der Natur: die Biologische Station

Von: Markus Bienwald
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Leiter der Biologischen Station der Städteregion Aachen: Josef Wegge. Foto: Markus Bienwald
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Auch sie liegen der Biologischen Station am Herzen: Flussperlmuscheln sind stark bedroht. Foto: stock/Blickwinkel
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Saftpresse: Äpfel werden von den Mitarbeitern der Biologischen Station gleich palettenweise weiterverarbeitet.
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Auch für ihn engagieren sich die Mitarbeiter der Biologischen Station: der „Blauschillernde Feuerfalter“. Foto: stock/Blickwinkel

Städteregion/Stolberg. Eigentlich hatte sich Josef Wegge seine Arbeit ein wenig anders vorgestellt. Damals, als er auf einer fast menschenverlassenen kleinen Insel saß und das Verhalten von Vögeln studierte, da war der Biologe ganz nah dran an der Freilandbiologie. Heute verbringt der 53-Jährige als Leiter den weitaus größten Teil seiner Arbeitszeit am Schreibtisch der Biologischen Station der Städteregion Aachen in Stolberg.

„Das passt aber auch zur aktuellen Situation im Studium, denn das hat sich eigentlich auch von der Freiland-Biologie entfernt“, sagt er, während er am Schreibtisch durchaus einen idyllischen Blick in die Natur genießen kann.

Zeit hat er wie auch die übrigen Mitarbeiter dafür allerdings nicht wirklich. Denn die Biostation, wie sie hier nur kurz genannt wird, hat vielfältige Aufgaben, die mit dem Pressen des weithin bekannten Apfelsaftes beileibe nicht aufhören. Kartierung, Monitoring, den Status quo erfassen, wichtige Grundlagen schaffen, um Maßnahmen in der Natur zu planen, Verbindungen zu Institutionen schaffen, Land kaufen, sich um dessen Nutzung sorgen oder auch Stellungnahmen beispielsweise bei Umweltfragen einbringen, sind Haupttätigkeitsfelder der Einrichtung.

„Dabei sind wir ständig auf der Suche nach Fördermitteln“, so Wegge. Er zeigt auf ein großes Aktenregal, das hinter seinem Schreibtisch – fein säuberlich sortiert – steht.

Seit dem Start 1998 ist aber nicht nur die Zahl der Ordnergrößer geworden, auch die Mitarbeiterzahl ist mit den Aufgaben und Tätigkeitsfeldern gestiegen. Waren es zum Start vor 16 Jahren fünf Mitarbeiter und zwei Zivildienstleistende, so zählte die Crew der Biostation im Jahr 2013 14 Mitarbeiter, fünf Bundesfreiwillige, drei so genannte Bürgerarbeiter, dazu Praktikanten und Diplomanden, eine Zahl, die immer wieder schwankt.

„Trotzdem sind wir alle mehr als ausgelastet“, sagt Josef Wegge und zuckt ein wenig mit den Schultern. Gerne würde er neue Leute einstellen, doch die Suche nach den passenden Leuten gestaltet sich schwierig. Das liegt auch daran, dass die Stellen meist nur für eine exakt befristete Projektlaufzeit finanziert werden können. „Das Geld muss zur richtigen Zeit kommen“, umschreibt Wegge die Situation, mit der sich Biologen auf der Suche nach einem Betätigungsfeld auch anfreunden müssen.

Dabei liegt Wegge und seinen engagierten Leuten die Arbeit für die betreuten Städte und Gemeinden sehr am Herzen. Ein Beispiel dafür ist das aktuell laufende Projekt der Optimierung der FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Lebensräume im Nationalpark Eifel. 4,2 Millionen Euro an Projektgeldern werden von der Biostation im Rahmen dieses über Jahre laufenden Projekts verwaltet, investiert und gezielt eingesetzt, um am Ende zu einem guten Ergebnis zu kommen. Das bedeutet auch, dass die Biostation gezielt beispielsweise Fichten entnehmen, also schlagen lässt.

Das sei, so Wegge, eine „ganz normale wirtschaftliche Maßnahme“ und habe definitiv nichts mit Kahlschlag zu tun, sondern damit, der Eifel ihren ursprünglichen Charakter und ihr urtümliches Erscheinungsbild, zu dem die Fichten nicht gehören, zurückzugeben.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Fichten als schnellwachsendes Holz zur Aufforstung eingesetzt“, erklärt er, „allerdings auch an Standorten, die nicht geeignet sind, weil sie beispielsweise als Aue zu feucht sind.“ So wehrt sich der Biologe auch dagegen, dass sogenannte „Kahlschläge“ verschrien sind, vielmehr sieht er sie an gewissen Stellen als notwendig an.

Ein anderes Projekt, das seine Ordner füllt, war „Life EU“, das zwischen 2003 und 2009 zum Ziel hatte, lebendige Bäche in der Eifel zu sichern. „Dabei sorgten unsere Maßnahmen dafür, dass Bäche und Flüsse durchgängig sind, was unter anderem dazu geführt hat, dass sich zum Beispiel die stark bedrohten Flussperlmuscheln und Bachforellen angesiedelt oder ausgebreitet haben“, sagt Wegge.

Stolz ist er auch auf die mehr als siebenjährige Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland als wichtigem Partner oder die unverzichtbaren Kooperationen mit heimischen Landwirten. „Die sorgen derzeit auf gut 900 Hektar mit einer extensiven Nutzung von Flächen für den Erhalt der Landschaft“, sagt Wegge.

Kooperationen mit Förstern, immer wieder Öffentlichkeitsarbeit zur Aufklärung nicht nur über notwendige Baumschläge, sondern beispielsweise auch für im Wortsinn grenzüberschreitende Projekte wie die deutsch-belgische Moor-Route als Fernwanderweg von über 200 Kilometern, die Unterstützung durch die NRW-Stiftung und die ständige Arbeit für und mit den Kommunen stehen ebenfalls auf dem täglichen Plan der vielbeschäftigten Menschen in der Stolberger Biostation.

Und natürlich gibt es hier auch den köstlichen Apfelsaft, der, wie Wegge bescheinigt, „jedes Jahr ein wenig anders schmeckt“.

Das liegt natürlich daran, dass hier reine Naturprodukte ohne Zusätze und Gleichmacherei verwendet werden, eben Natur pur. Das mit dem Saftpressen machen die Leute von der Station seit dem Jahr 2000, sorgen damit auch dafür, dass die typischen Streuobstwiesen nicht verschwinden, sondern die Tonnen von fallendem Obst auch sinnvoll genutzt werden. Wegges Lieblingssaft ist übrigens „Apfel-Zwetschge“, aber das, sagt er mit einem Augenzwinkern, kann wegen des jährlich durchaus un-terschiedlichen Geschmacks im nächsten Jahr auch anders sein.

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