Bürgschaften für Fussballstadien auf dem Prüfstand

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
7672589.jpg
Bundesligastadion für einen Viertligisten: Alemannia Aachen baute für 54 Millionen Euro den neuen Tivoli – in besseren Zeiten. In schlechteren konnte der Verein die Kredite nicht mehr bedienen. Unter anderem das Land NRW musste einspringen, mit 21,84 Millionen Euro. Foto: Eibner

Aachen/Düsseldorf. Die Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Kai Abruszat (FDP) kam so kurz vor den Wahlen überraschend, normalerweise werden zu solchen Zeitpunkten seichtere Diskussionen geführt. Abruszat wollte von der nordrhein-westfälischen Landesregierung wissen, für welche der vielen neuen Fußballstadien das Land eigentlich bürgt.

Eine solche Anfrage ist immer auch eine Provokation, weil in ihr die These mitschwingt: Hört endlich auf, die Stadien der reichen Fußballvereine zu subventionieren.

Die EU schaltet sich ein

Ganz so deutlich sagt es Abruszat dann im Gespräch mit unserer Zeitung nicht, schließlich sind ja bald Wahlen. Er formuliert es stattdessen so: „Ich finde es seltsam, bei der Inklusion um jeden Euro zu ringen, aber bei der Unterstützung eines ohnehin schon reichen Gewerbes wie dem Profifußball großzügig zu sein.“ Das Land solle klare Prioritäten setzen, findet Abruszat, erst recht bei einem Schuldenstand von etwa 135 Milliarden Euro.

Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) antwortete Abruszat im Haushaltskontrollausschuss des Düsseldorfer Landtages, das Land habe seit 2000 Bürgschaften für zehn Kredite von sieben Fußballstadien übernommen. Die Gesamthöhe der derzeitigen Verbindlichkeiten dieser Kredite betrage noch 126,7 Millionen Euro. Bürgen heißt ja nicht automatisch auch bezahlen; die Bürgschaft wird nur dann fällig, wenn der Kreditnehmer den Kredit nicht mehr bezahlen kann.

So wie es in Aachen passierte: Die Alemannia meldete Insolvenz an, die Bürgschaft des Landes wurde fällig: Bis zu 20,9 Millionen Euro werden aus der Landeskasse wohl an die kreditgebenden Banken fließen müssen. Wie in Duisburg: Für das neue Stadion des mittlerweile in die dritte Liga abgestiegenen MSV wird das Land wohl mit knapp 14,1 Millionen Euro einspringen müssen. Und weil sich im Profifußball die Dinge auch für große Vereine sehr schnell ändern können, ist nicht ausgeschlossen, dass das Land für weitere Bürgschaften wird bezahlen müssen.

Weil es fragwürdig ist, wenn Gewinne privatisiert, Schulden aber sozialisiert werden, hat sich die EU des Themas angenommen. Mario Krüger, Sprecher des Haushaltskontrollausschusses der Grünen-Fraktion, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die EU-Kommission möglicherweise prüfen wolle, ob Landesbürgschaften für Stadionneubauten nicht gegen die Beihilfebestimmungen verstoßen.

Was das in der Praxis bedeuten würde, ist im Moment völlig offen. Ob nun aber Bund, Länder, Kreise oder Kommunen bei der Stadionfinanzierung einspringen müssen, spielt eigentlich keine Rolle: Bislang ist noch immer der Steuerzahler zur Kasse gebeten worden, wenn Fußballvereine sich mit Stadionneubauten verspekuliert haben.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert