Brutaler Raubmord in Düren: Mutmaßliche Täter vor Gericht

Von: Marlon Gego
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Düren/Aachen. Als die Seniorchefin am Mittag des 21. Februar 2006 nicht wie gewöhnlich in ihrem Dürener Geschäft erschien, wurden die Angestellten unruhig. Sie unternahmen zunächst nichts, doch gegen 14 Uhr gab der Sohn der Seniorchefin das Warten auf. Er fuhr vom Geschäft aus ins Haus der Eltern, wo er seine 77 Jahre alte Mutter in der Diele liegend fand - tot.

Sie war an Händen und Füßen gefesselt, ihr Gesicht war mit Klebeband zugeklebt. Die Rechtsmediziner stellten später fest, dass die Frau qualvoll erstickt war.

Der Polizei war früh klar, dass es sich bei der Tat im Norden Dürens um einen Raubmord handeln musste, die Täter hatten im Haus ein bisschen Bargeld und Schmuck gefunden und mitgenommen. Zwei der Täter hatten im Haus DNA-Spuren hinterlassen, doch wer die Männer waren, fanden die Ermittler lange nicht heraus. Warum, sollte sich erst Jahre später zeigen.

Im Februar 2014, acht Jahre nach dem Raubmord, zeigte die DNA-Datenbank beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden einen Treffer an. Ein heute 37-jähriger Pole, der in einem Gefängnis im Emsland saß, musste demnach einer der Männer sein, die am 21. Februar 2006 im Haus der 77-jährigen Dürenerin gewesen waren. Er hatte in Deutschland in den Jahren danach weitere Straftaten begangen, bei einer war kurz zuvor seine DNA sichergestellt worden. Sie stimmte mit einer der DNA-Spuren überein, die die Polizei 2006 im Haus der ermordeten Dürenerin gefunden hatte.

Einige Monate später, im Oktober 2014, erhielt die Aachener Staatsanwaltschaft von der polnischen Polizei die Nachricht, es seien zwei weitere Männer ermittelt, die am 21. Februar 2006 in dem Haus in Düren gewesen sein müssen. Einer von ihnen sei mit Hilfe einer erst vor kurzem genommenen DNA-Probe überführt worden, die zu der zweiten DNA-Spur passte, die 2006 in Düren sichergestellt worden war. Die Staatsanwaltschaft erwirkte einen internationalen Haftbefehl und beantragte die Auslieferung der beiden Polen, heute 38 und 52 Jahre alt.

Dass es solange gedauert hatte, bis die mutmaßlichen Täter gefasst waren, lag daran, dass sie unmittelbar nach dem Raubmord in Düren zurück nach Polen gefahren waren, wie die Aachener Staatsanwaltschaft heute weiß. Schon ein Aktenvermerk aus dem Jahr 2005 enthielt den Hinweis darauf, dass genau diese drei Männer von Polen aus nach Deutschland kommen würden, um hier Straftaten zu begehen. Diese Information kam damals von der polnischen Polizei. Doch der Hinweis konnte von den Dürener Ermittlern damals nicht dem Raubmord zugeordnet werden.

Im Dezember 2014 wurden die beiden Männer von Polen ausgeliefert und in Deutschland in Untersuchungshaft genommen. Im April 2015 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die drei Männer wegen gemeinschaftlichen Mordes und erpresserischen Menschenraubes. Doch das Aachener Landgericht ließ die Anklage nur in Teilen zu.

Der 52-Jährige musste aus Mangel an Beweisen wieder aus der Untersuchungshaft entlassen werden, er ist ein freier Mann. In dem am Montag beginnenden Prozess werden nur der 37-Jährige und der 38-Jährige auf der Anklagebank sitzen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten am Morgen des 21. Februar 2006 über ein aufgehebeltes Fenster in das Haus der 77-Jährigen eindrangen. Als die Frau sie bemerkte, sollen die beiden Männer sie mit Klebeband gefesselt und geknebelt haben. Sie suchten das ganze Haus nach Wertgegenständen ab, fanden jedoch nur ein bisschen Bargeld und Schmuck, der, wie der Sohn der 77-Jährigen unserer Zeitung 2006 gesagt hatte, einen fünfstelligen Euro-Betrag wert gewesen war.

Die Täter müssen sich damals eine größere Beute erhofft haben, denn laut Anklageschrift ist die gefesselte und geknebelte Frau von den Tätern mit einem Bügeleisen misshandelt worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer die 77-Jährige auf diese Weise zwingen wollten preiszugeben, wo im Haus sich weitere Wertgegenstände befinden. Schließlich erstickte die Frau, die Täter machten sich auf die Heimreise.

Im März 2006 hatte der Sohn der ermordeten Mutter unserer Zeitung gegenüber erklärt, er werde seinen Seelenfrieden erst dann wiederfinden, wenn die Mörder seiner Mutter gefasst seien. Der Prozess beginnt am Montag um 9 Uhr in Saal A 0.009 des Aachener Landgerichts.

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