Brutaler Angriff auf Flüchtlinge: Teilgeständnisse vor Gericht

Von: Daniel Gerhards
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Mutmaßliche Schläger auf der Anklagebank: Domenic T., Aaron C. und Max W. (v.l.) sollen an einem rechtsmotivierten Übergriff auf Asylbewerber in Wassenberg beteiligt gewesen sein. Foto: dpa
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Kein einladender Ort: Im Januar 2015 gab es am Busbahnhof in Wassenberg einen fremdenfeindlichen Übergriff. Foto: Daniel Gerhards
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Martialisches Auftreten: Ein Zuschauer betritt den Verhandlungssaal des Heinsberger Amtsgerichts. Foto: Henning Kaiser/dpa

Heinsberg/Wassenberg. Am Freitagmorgen deutete am Busbahnhof in Wassenberg kaum noch etwas auf das hin, was sich dort am frühen Abend des 27. Januar 2015 zugetragen haben soll. Es war fast vollkommen ruhig, ein paar Vögel zwitscherten, der laufende Motor eines wartenden Busses brummte leise vor sich hin. Der Ort wirkte auf den ersten Blick nicht bedrohlich, aber auch nicht einladend.

Schilder und Wände sind beschmiert. An einigen Buswartehäuschen sind alle Scheiben herausgeschlagen. An einem sind die Scheiben noch drin. Dort ist ein Hakenkreuz zu sehen, mit einem Feuerzeug eingebrannt. Es ist die hässliche Seite des an vielen Stellen so schönen Ortes Wassenberg.

Bis zur Bewusstlosigkeit

Die Hakenkreuzschmiererei kann man als letzten Hinweis auf den 27. Januar 2015 deuten. An diesem Tag sollen fünf 18 und 19 Jahre alte Männer, die sich seit Freitag vor dem Amtsgericht in Heinsberg verantworten müssen, drei Asylbewerber bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt haben. Dafür und für andere Taten stehen sie wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung, Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen und Bedrohung vor Gericht. Drei der Angeklagten schilderten ihre Version der Dinge.

Das soll passiert sein: Die Angeklagten Max W., Domenic T. und David B. sollen drei Asylbewerber, die sich an einem Buswartehäuschen aufhielten, zunächst angepöbelt haben. Die Angeklagten hörten laute, rechtsgerichtete Musik und grölten mit. Sie sollen den Flüchtlingen zugerufen haben, dass sie Deutschland verlassen sollen. Sie sollen den Hitlergruß gezeigt, die Flüchtlinge bespuckt, eine Fahne mit einem Bild von Adolf Hitler gezeigt und „Sieg Heil“ gerufen haben. W. schlug auch mit einem Teleskopschlagstock gegen das Wartehäuschen, offensichtlich, um die Asylbewerber einzuschüchtern.

Die drei Rechtsradikalen ließen danach von den Asylbewerbern ab. T. soll daraufhin Kevin A. per WhatsApp dazugerufen haben. A. ließ sich von seinem Vater mit dem Auto zum Busbahnhof fahren, weshalb der Vater wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung angeklagt ist. Sein Vater habe nicht gewusst, was er vorhabe, sagte A. das sieht die Staatsanwaltschaft anders. Am Busbahnhof eskalierte die Situation kurz darauf.

W. gab zu, mit Quarzhandschuhen auf einen Flüchtling eingeschlagen haben, B. leugnete auch nicht, mit einem Teleskopschlagstock zugeschlagen zu haben. T., der bei der Verhandlung schwieg, habe lange bloß daneben gestanden. Als eine Frau einschritt und die Schläger eigentlich schon von den Opfern abließen, soll T. einem am Boden liegenden Flüchtling noch mit Stahlkappenschuhen ins Gesicht getreten haben. „Er hat Anlauf genommen und ihm gegen den Kopf getreten. So, als würde man gegen einen Fußball treten“, sagte der Angeklagte B.

Strittig blieben zum Beispiel noch die Fragen, wie oft B. mit dem Schlagstock zugeschlagen hat und ob der Übergriff von langer Hand geplant war. Domenic T. soll laut Staatsanwaltschaft am Morgen des Tages auf Facebook zu dem Angriff aufgerufen haben. Davon wollten die anderen Angeklagten nichts gewusst haben.

Strittig ist auch, ob der Angeklagte Aaron C. an dem Übergriff beteiligt war. Die drei Angeklagten, die sich am Freitag äußerten, gestanden einen Teil der Taten und belasteten sich auch gegenseitig. Nur C. soll nichts gemacht haben, obwohl Zeugen ihn genau erkannt haben wollen. Die Rolle von C. blieb am Freitag vorerst im Dunkeln.

Erinnerungslücke

Vorgeworfen werden den Angeklagten noch weitere Straftaten. Max W. und Aaron C. sollen einen Asylbewerber im Dezember 2014 vor dem Netto-Markt in Wassenberg attackiert haben. W. gab zu, den Mann mit Quarzhandschuhen geschlagen haben. Einen Tag später sollen sie dem selben Asylbewerber und einem Begleiter gedroht haben, sie umzubringen. W. soll dabei ein Messer mit einer etwa 20 Zentimeter langen Klinge gezogen haben. Daran kann sich W. nicht erinnern.

Die Aussagen der Anklagten machten deutlich, wie skrupellos und brutal sie vorgingen. Waffen bei sich zu tragen, muss für die jungen Männer vollkommen normal gewesen sein. Zudem hatten sie offensichtlich keine Hemmungen, diese Waffen einzusetzen.

Einige der Angeklagten grinsten und lachten während der Verhandlung mehrmals. In einer Pause war die Stimmung bei den Angeklagten offensichtlich gut. Sie scherzten und unterhielten sich angeregt. Von Ernsthaftigkeit, Respekt vor dem Gericht oder ehrlicher Reue war nichts zu spüren.

Aus ihrer rechten Gesinnung machten die jungen Männer keinen Hehl. Max W. und Kevin A. nehmen nach eigenen Angaben mittlerweile an einem Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes teil. Wie tief sie in der rechten Szene verwurzelt sind oder waren, blieb offen.

Der Prozess wird am 7. März fortgesetzt.

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