Brutale Schlägerei: Lange Haftstrafe gefordert

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Wassenberg. In den Schlussplädoyers des Strafverfahrens gegen drei junge Männer zwischen 16 und 24 Jahren aus Wassenberg vor dem Aachener Landgericht wurde klar: Die zur Rede stehenden Gewalttätigkeiten vom 28. September 2011 waren weniger auf die Zugehörigkeit der Angeklagten zum regionalen Nazi-Umfeld der Stolberger KAL zuzuordnen.

Vielmehr sei die üble Schlägerei am Wassenberger Gondel- oder Kahnweiher, wie er dort heißt, aus übermäßigem Alkoholkonsum und angesammelter Streitlust entstanden, betonten die Verteidiger der drei Angeklagten. Das Verfahren gegen die ebenfalls vor der 1. Großen Jugendkammer wegen Beihilfe zum versuchten Totschlag mitangeklagten Nicole S. (28) war bereits am Mittwoch mit einer vorläufigen Einstellung beendet worden.

Doch eines bleibt: Zwar war die Staatsanwaltschaft nicht weiter von versuchtem Mord an dem 48-jährigen Opfer Frank S. ausgegangen. Doch Staatsanwalt Sebastian Muhl sah nach einer langwierigen Zeugenbefragung weiterhin den Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung vollendet, insbesondere beim Hauptangeklagten Stefan S., dem Ehemann der 28-Jährigen.

Der Angeklagte, das sei unstrittiges Kerngeschehen nach der Beweisaufnahme, habe dem Opfer bei der Auseinandersetzung am Kahnweiher nahe dem Wassenberger Jugendtreff schließlich eine Bierflasche auf den Schädel geschlagen und ihn damit verletzt. Das Opfer ging zu Boden und verlor das Bewusstsein. Der Staatsanwalt forderte für S., der damals der rechtsradikalen KAL nahestand, am Freitagmorgen eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

Für die beiden mitbeteiligten Kevin H. (16) und Pascal S. (18) seien Jugendstrafen zu verhängen, erklärte Muhl. Er forderte als angemessenes Strafmaß ein Jahr und neun Monate auf Bewährung für Pascal S.; der jüngere Kevin H. soll für zwei Jahre und vier Monate in Jugendhaft. Die beiden hatte nach den Zeugenaussagen auf den Kopf und den Körper des am Boden liegenden Frank S. eingetreten. Im Verfahren wurde das wiederholt beschrieben „wie die U-Bahn-Schlägereien im Fernsehen“ - also brutale Übergriffe auf wehrlos am Boden liegenden Menschen.

Staatsanwalt Muhl beschrieb nochmals die Situation. Eine Frau habe gerufen, man solle „den Penner fertigmachen“. Wahrscheinlich sei das Nicole S. gewesen, genau ließ es sich jedoch nicht mehr feststellen. Die Frauen hätten sich gestritten, doch ob das nun vor oder während der Tat passierte, darin blieben die Aussagen unterschiedlich. Dann habe sich Stefan S. auf den Gegner gestürzt. Aus der Gruppe der am Weiher stehenden Jugendlichen hätten sich die beiden Mitangeklagten mit Tritten und Hieben beteiligt.

Die Verteidigung von Stefan S. sah eine Situation der Nothilfe, weil seine Gefährtin Nicole S., der er gerade einen Heiratsantrag gemacht hatte, von der Freundin des Opfers tätlich angegangen worden sei.

Das Urteil wird voraussichtlich am 4. März um 13.30 Uhr, im Aachener Landgericht gesprochen.

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