Aachen/Düren - Brutale Schläge mit Todesfolge: Lange Haft für Mirko G.

Brutale Schläge mit Todesfolge: Lange Haft für Mirko G.

Von: Wolfgang Schumacher
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Für den Mord an Iris K. muss Mirko G. achteinhalb Jahre ins Gefängnis. Juri S. kommt für vier Jahre und zehn Monate in Haft.

Aachen/Düren. Mirko G. (21) hat viel Glück gehabt, und das gleich in zweifacher Hinsicht, auch Juri S. (25) aus Kreuzau wurde nicht übermäßig hart bestraft. In dem Mordprozess vor der 4. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht, der am Mittwoch zu Ende ging, folgte das Gericht unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme letztlich nicht den hohen Strafforderungen der Staatsanwaltschaft.

Für den Mord an Iris K. am 28. Januar muss Mirko G. achteinhalb Jahre ins Gefängnis. Und der mehrfach vorbestrafte Juri S. muss lediglich für vier Jahre und zehn Monate in Haft.

Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel hatte für Mirko G. zwölf Jahre Jugendhaft beantragt, Juri S. sollte immerhin noch sechs Jahre nach Erwachsenenstrafrecht ins Gefängnis. Im Jugendstrafrecht liegt auch bei Mord die Höchststrafe im Regelfall bei nicht mehr als zehn Jahren Haft, nur bei der Feststellung einer „besonderen Schwere der Schuld“ kann auch hier der Strafrahmen bis zu 15 Jahren Haft erweitert werden. Diese Feststellung traf die Kammer jedoch nicht und begründete nach Einschätzung von Oberstaatsanwalt Muckel ihr Urteil „sehr schlüssig und gut“, so dass die Staatsanwaltschaft voraussichtlich nicht in Revision gehen wird.

Der brutale Mord an der damals 58 Jahre alten Iris K., einer Bekannten der Familie von Mirko G., war nach Auffassung der Kammer alleine dem 21-Jährigen anzulasten. Er hatte in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar dieses Jahres bei einem zusammen mit Juri S. von langer Hand geplanten Einbruch in die Erdgeschosswohnung von Iris K. völlig die Beherrschung verloren und war mit einem Brecheisen auf die im Bett liegende Frau losgegangen.

Juri S. war in dieser Nacht vorausgegangen, hatte dem Opfer den Mund zugehalten und Pfefferspray in den Raum gesprüht, „weil sie anfing zu schreien“, sagte Juri S. später im Prozess. Auch Mirko G. bekundete, „sie sollte nicht schreien“. Doch G. begann „in Tötungsabsicht“, wie es Richterin Böhme formulierte, „mindestens vier Mal mit dem Brecheisen auf den Schädel des Opfers einzuschlagen“. Mirko G., der sein Opfer gut kannte, hatte kurz zuvor einen schweren Streit mit Iris K. gehabt, infolge dessen sie ihm Hausverbot erteilt hatte.

Die Stimme der Vorsitzenden wurde leiser, sie wolle, sagte sie gedämpft, „den Anwesenden eine erneute Schilderung der Verletzungen“ ersparen, so brutal waren die Hiebe des kräftigen jungen Mannes gewesen. Zur Bewertung der Tat sagte die Kammer Folgendes: Mirko G. habe aus Habgier und „um eine Straftat zu ermöglichen“ gehandelt, die Tötung der Frau sei als brutaler Mord zu werten. Doch die Kammer glaubt andererseits: Die beiden Einbrecher hatten es anfangs tatsächlich nur auf einen stattlichen Vorrat an Marihuana und Bargeld im Besitz der 58-Jährigen abgesehen. Der Mord war also nicht geplant.

Das Opfer sei eine recht „charismatische“ Erscheinung gewesen, habe es gut mit der Jugend gekonnt, lange Zeit auch mit Mirko G. beschrieb Böhme die Lebensumstände des Opfers. Freunde ihres eigenen Sohnes, der in den USA lebt, kamen regelmäßig zu ihr, sie habe immer einen guten Rat geben können, hätten Zeugen bekundet.

Allerdings könne man gleichzeitig auch nicht ausschließen, dass Iris K. in der Tat auch Rauschgift verkauft habe. Die an Rheuma und Krebs erkrankte Frau ging an Krücken und hatte zur Eigentherapie meistens einen größeren Vorrat Marihuana zu Hause, was ihr in der Januar-Nacht dann das Leben kostete. Das Gericht folgte der Aussage von Juri S., der entsetzt angegeben hatte, er sei von dem hinter seinem Rücken ausgeführten ersten Schlag von Mirko G. völlig überrascht worden. Er habe die Frau, der er den Mund zuhielt, sofort losgelassen, sei weggegangen, dann erst habe Mirko G. erneut zugeschlagen. Für das Gericht war diese Aussage nicht zu widerlegen.

So musste sich Juri S. nur wegen versuchten schweren Raubes verantworten und wurde nach Erwachsenenstrafrecht mit vier Jahren und zehn Monaten Haft bestraft. Zudem muss er während der Haft ein Entziehungskur machen.

Ein zweites Mal hatte Mirko G. dergestalt Glück, dass das Gericht der Einschätzung der Jugendgerichtshilfe folgte und ihn trotz seiner 21 Jahre „wegen einer Reifeverzögerung“ nach Jugendstrafrecht verurteilte. Hätte die Kammer das nicht getan, wäre für Mirko S. eine lebenslange Haftstrafe wahrscheinlich gewesen.

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